E-Mails zeigen: Epstein wollte mit neuartigen Gentests sein Leben verlängern
Heute vor einer Woche veröffentlichte das US-Justizministerium drei Millionen Seiten an neuen Dokumenten über Jeffrey Epstein. Damit kommen immer mehr neue Details über den verurteilten Sexualstraftäter ans Licht.
Eines dieser Details ist, dass Epstein für Gentests bezahlt hatte – offenbar mit der Absicht, sein eigenes genetisches Material für die regenerative Medizin zu nutzen. Diese zielt darauf ab, den Körper durch die Entwicklung neuer Gewebe und Organe zu reparieren, wenn die alten verschleissen. Er soll sich dadurch erhofft haben, sein Leben verlängern zu können – das er jedoch 2019 in seiner Gefängniszelle selbst beendete.
Eine grosse Rolle bei Epsteins Vorhaben spielte der Forscher Joseph Thakuria, der mit Epstein in Kontakt stand. Thakuria war damals Teil eines gross angelegten Genomforschungsprojekts. Gegenüber CNN erklärte er ausserdem, dass er am Harvard Personal Genome Project teilgenommen habe. Dabei handelt es sich um eine riesige öffentliche globale Datenbank mit genetischen Informationen von Freiwilligen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Genforschung erleichtern soll.
Unter den neu veröffentlichten Dokumenten befindet sich ein Vorschlag, den Thakuria im Februar 2014 an Epstein per E-Mail geschickt hatte. Epstein wurde darum gebeten, ein privates Projekt zu finanzieren, bei dem Genome von Patientinnen und Patienten sequenziert werden sollen, um mehr über die genetischen Ursachen ihrer Krankheiten zu erfahren. Gleichzeitig bot er Epstein eine spezielle genetische Untersuchung an.
Einige Monate später stellte Thakuria Epstein eine detaillierte Rechnung für mehrere Projekte aus, darunter eine Anfangszahlung von 2000 US-Dollar für die Sequenzierung eines Teils von Epsteins Genoms. Aus der Rechnung geht hervor, dass Epstein eine Speichelprobe abgegeben hatte. Epsteins Mitarbeiter schickten noch am selben Tag einen Scheck über 2000 Dollar.
In einer Stellungnahme erklärt Thakuria gegenüber CNN:
Thakuria fühle sich «schrecklich wegen dem, was seine Opfer durchgemacht haben». Er bedauere, dass er «damals nicht mehr über seinen Hintergrund und das Ausmass seiner Verbrechen wusste», so der Forscher.
Sein Vorschlag war, Epsteins Stammzellen mit der damals neuen CRISPR-Technologie zu verändern, um mögliche lebensverlängernde Mutationen einzubauen. Das Angebot sei exklusiv für Epstein gewesen, da die Kapazitäten für ein solches Projekt begrenzt seien, erklärt er gegenüber CNN. Die Rechnung listete zudem weitere Forschungsoptionen auf, darunter neue Stammzellen ab 10'000 US-Dollar und umfangreiche Langlebigkeitsstudien. Die Sequenzierung von Epsteins gesamtem Genom sollte 11'400 Dollar kosten, mit Einbezug der Eltern 21'000 Dollar. Insgesamt sollte das gesamte Projektvorhaben 193'400 Dollar kosten.
Ob Epstein diese Rechnung beglichen hat, ist nicht bekannt. Der E-Mail-Verkehr zwischen Thakuria, Epstein und seinen Assistenten dauerte jedoch bis mindestens 2015 an. Epsteins Assistenten versuchten, die anfängliche Arbeit des Forschers weiterzuverfolgen. Epstein selbst ärgerte sich über Verzögerungen und drohte Thakuria, ihn seinen Vorgesetzten zu melden, sollten die Ergebnisse nicht bald vorliegen. (hkl)
