Epstein-Vertrauter Mandelson kommt im UK auf Kaution frei
An zwei Adressen seien Hausdurchsuchungen erfolgt, die Ermittlungen liefen weiter, erklärte die Polizei in London am frühen Morgen. Die Ermittler hatten den einstigen Wirtschaftsminister am Montag festgenommen.
In der neuen Pressemitteilung der Polizei wurde Mandelson wie üblich nicht namentlich genannt, sondern nur als 72-jähriger Ex-Minister beschrieben, dem Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen wird. Zu dem Fall würden bis auf weiteres keine zusätzlichen Informationen preisgegeben, hiess es weiter.
Mandelson war wegen seiner engen Beziehung zum inzwischen verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in den Fokus der Ermittlungen geraten. Der Fall löste eine Regierungskrise in London aus, in deren Verlauf das Amt von Premierminister Keir Starmer zeitweise am seidenen Faden zu hängen schien.
Insider-Informationen an Epstein weitergegeben?
Hintergrund waren die jüngsten Veröffentlichungen aus den Epstein-Akten des US-Justizministeriums. Daraus scheint hervorzugehen, dass Mandelson nicht nur enger mit dem Multimillionär Epstein verbandelt war als zuvor bekannt, sondern diesem auch sensible Regierungsinformationen während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise zugespielt haben könnte. Mandelson war zu Zeiten der Krise von 2008 bis 2010 Wirtschaftsminister unter dem damaligen Premierminister Gordon Brown.
Den Akten zufolge soll Mandelson unter anderem die Entscheidung für einen 500-Milliarden-Euro-Rettungsschirm in der Euro-Krise bereits einen Tag vor deren Verkündung an Epstein weitergegeben haben.
In älteren Stellungnahmen hatte der Ex-Minister den Kontakt zu Epstein bereut. In den Akten sind etliche Fotos von Mandelson im Umfeld des 2008 verurteilten Sexualstraftäters zu sehen. Auch in einem ominösen Geburtstagsbuch für den US-Multimillionär tauchen Glückwünsche des Briten auf. Epstein, der über Jahre einen auch pädophilen Missbrauchsring betrieben hatte, beging offiziellen Angaben zufolge 2019 in Haft Suizid.
In der Mitteilung zur Freilassung schrieb die Londoner Metropolitan Police erneut, dass Durchsuchungen an zwei Adressen durchgeführt worden seien. Die Entlassung unter Auflagen kann in Grossbritannien unter anderem bedeuten, dass sich der Beschuldigte nur an einer Adresse aufhalten darf oder seinen Reisepass abgeben muss. Der Vorwurf des Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt ist recht weit gefasst, es geht um den schwerwiegenden vorsätzlichen Missbrauch oder die Vernachlässigung von Befugnissen.
Starmer wusste von Freundschaft mit Epstein
Für Starmer wurde es brenzlig, weil er zugeben musste, von der Freundschaft zwischen Mandelson und dem da bereits rechtskräftig verurteilten Straftäter Epstein gewusst zu haben, als er ihn im vergangenen Jahr zum britischen Botschafter in Washington machte. Diesen Posten musste Mandelson nur Monate später im September wegen des Skandals wieder räumen. Zum Verhängnis wurde Mandelson vor allem, dass er die Freundschaft zu Epstein auch nach dessen Verurteilung wegen erzwungener Prostitution einer Minderjährigen aufrechterhielt. Auch das war Starmer bekannt.
Vor gut zwei Wochen traten mehrere Vertraute des Regierungschefs von der sozialdemokratischen Labour-Partei wegen der Ernennung Mandelsons zurück - darunter sein Stabschef und enger politischer Berater Morgan McSweeney. Mandelson selbst verlor seinen Sitz im britischen Oberhaus. Auch der Lord-Titel soll ihm nach dem Willen des Regierungschefs entzogen werden.
Im Fall des früheren Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor legen die Akten nahe, dass dieser während seiner Zeit als Handelsbeauftragter von 2001 bis 2011 vertrauliche Informationen an Epstein weitergeleitet haben könnte. Der 66-Jährige hatte im Verlauf des Skandals seine Titel und militärischen Ehren verloren. Mittlerweile geht es darum, dass er auch seinen achten Platz in der Thronfolge verlieren soll.
Ähnliche Vorwürfe gegen Ex-Prinz Andrew
Der 2019 in Haft gestorbene Multimillionär Epstein hatte über Jahre einen Missbrauchsring mit einer bis heute nicht gänzlich bekannten, aber offenkundig sehr grossen Zahl an Opfern betrieben. Zugleich unterhielt er enge Kontakte zu höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Adel.
In Grossbritannien hält der Epstein-Skandal schon seit Wochen Regierung und Palast in Atem. In der vergangenen Woche wurde auch der frühere Prinz Andrew wegen ähnlicher Vorwürfe zeitweise festgenommen. (sda/dpa)
