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Umweltagentur: Hunderttausende Todesfälle durch Feinstaub in Europa



ARCHIV -- ZUR UMWELTKOMMISSION DES NATIONALRATS ZUM CO2 GESETZ, STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 21. AUGUST 2018 FOLGENDES BIDLMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --Haze and fine dust hang over the city of Zurich, Switzerland, photographed on December 6, 2016. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Dunst und Feinstaub haengt ueber der Stadt Zuerich in der Luft, aufgenommen am 6. Dezember 2016. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

Die Luftqualität in Europa wird besser - trotzdem fallen pro Jahr schätzungsweise 400'000 EU-Bürger der Belastung durch Schadstoffe zum Opfer. Kaum jemand kann in den europäischen Städten laut der Umweltagentur EEA wirklich reine Luft einatmen.

Feinstaub und andere Luftschadstoffe führen nach Angaben der Europäische Umweltagentur (EEA) dazu, dass jährlich hunderttausende Menschen in Europa vorzeitig sterben. Trotz einer Verbesserung der Luftqualität auf dem Kontinent, hat die Luftbelastung durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und bodennahes Ozon im Jahr 2016 rund 400'000 vorzeitige Todesfälle allein in der EU verursacht. Das geht aus dem Jahresbericht zur Luftqualität in Europa hervor, den die Agentur am Mittwoch in Kopenhagen veröffentlichte.

Beinahe alle in Städten lebenden Europäer seien einer Luftbelastung ausgesetzt, die über die empfohlenen Werte der Weltgesundheitsorganisation WHO hinausgehe, urteilte die EEA. Diese Verschmutzung führe zu Gesundheitsproblemen und einer geringeren Lebenserwartung, aber auch zu wirtschaftlichen Einbussen etwa durch wachsende Kosten im Gesundheitssektor und geringere Ernteerträge.

Eine Verringerung der Luftverschmutzung würde dagegen vorzeitige Todesfälle reduzieren und die Produktivität steigern, befand die Agentur. Die Einwohner vieler europäischer Städte forderten zudem eine sauberere Luft für sich und ihre Kinder ein.

Zeit für beschleunigten Wandel

«Europa hat jetzt eine einmalige Gelegenheit, um eine ambitionierte Agenda aufzustellen, mit der die systematischen Ursachen von Umweltbelastungen und Luftverschmutzung angegangen werden», erklärte EEA-Direktor Hans Bruyninckx. Es sei an der Zeit, die Veränderungen in den Bereichen Energie, Lebensmittel und Transport zu beschleunigen.

Besonders Feinstaub (PM2.5) machte die EEA als weiterhin bestehende Gesundheitsgefahr aus: Zwischen 273'000 und 537'000 vorzeitige Todesfälle in 41 europäischen Ländern, darunter auch die Schweiz, gehen nach Angaben der Agentur auf Feinstaub zurück. Für die Schweiz hält der Bericht die Schätzung von rund 3700 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr fest.

Stickstoffdioxid machte zwischen 41'000 und 100'000 (Schweiz: 620) Todesfälle aus, bodennahes Ozon 7300 bis 22'400 (Schweiz: 240). Dabei gibt es Überlappungseffekte - das bedeutet, dass manchen Todesfällen mehrere Ursachen zugrunde liegen.

Obwohl die Luftbelastung weiter ein Problem sei, bestätigten die Daten, dass verbindliche Vorschriften und lokale Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität Wirkung zeigten, hiess es in dem Bericht. Beispielsweise sei die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaubbelastung 2016 im Vergleich zum Jahr 2015 um knapp 17'000 zurückgegangen. Seit 1990 sei dieser Wert um etwa eine halbe Million kleiner geworden.

Dennoch müsse noch intensiver daran gearbeitet werden, dass die Luftqualität überall in der EU den Standards entspreche, erklärte EU-Umweltkommissar Karmenu Vella. Es sei einfach inakzeptabel, dass man sich Sorgen darum machen müsse, ob die Luft, die man einatme, sicher sei oder nicht, wurde er von der EEA zitiert.

Zu wenig konsequent beim Feinstaub

«Der EEA-Bericht zeigt klar, dass die von der WHO vorgeschlagenen Konzentrationen der Luftschadstoffe eingehalten werden können, wenn die Politik diese Ziele vorgibt», sagte auch Nino Künzli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut Swiss TPH.

Am Beispiel der Stickoxide erkenne man die Bedeutung gesundheitsorientierter Zielvorgaben gut: «Die Jahresmittelwerte liegen nur noch an zehn Prozent aller Messstationen über dem von der WHO vorgeschlagenen und von der EU als Grenzwert vorgegebenen Wert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.» Ohne Betrugsskandale wäre die Situation noch besser, vermutet Künzli.

Kritik übt Künzli allerdings am laschen Umgang der EU mit Feinstaub-Richtwerten. Trotz steter Abnahme lägen die Werte für Feinstaub (PM2.5) bei 69 Prozent der Messstationen über dem WHO-Jahresrichtwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter. «Seit Jahren weigert sich die EU, diesen Richtwert gesetzlich zu verankern», so Künzli.

Stattdessen habe die EU für den Feinstaub auch heute noch den von Lobbyisten propagierten - viel zu hohen - Jahresmittelwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Direktive verankert. Diese ‚Zielvorgabe‘ trage der Gesundheit der Bevölkerung keine Rechnung. «Wäre die Luftreinhaltepolitik der EU schon vor 20 Jahren den Forderungen der Wissenschaft gefolgt, lägen heute auch die Feinstaub-Belastungen tiefer.» (dfr/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • wasylon 16.10.2019 17:55
    Highlight Highlight Wer etwas gegen Feinstaub unternehmen will sollte sich einen neues Diesel-Auto zulegen. Die Menschen in den Städten sind euch dankbar wenn ihr mit eurer mobilen "Luftfilteranlage" unterwegs seit. 👍
    Play Icon
  • Bivio 16.10.2019 16:55
    Highlight Highlight Wer's glaubt. Wie wird dies gemessen? Solche Statistiken sind fpr die Katz'.
    • Posersalami 16.10.2019 17:56
      Highlight Highlight Google mal Epidemiologie, dann kannst du diese Wissenslücke füllen.
  • Mätse 16.10.2019 16:09
    Highlight Highlight Spannend ist ja, dass die Luft tagsüber (trotz Dieselskandal) immer besser wird.
    Dafür ist die Luftbelastung durch Feinstaub (PM2.5) in Abend-/Nachtstunden und am Wochenende in Wohngebieten jedes Jahr schlimmer.
    Schuld daran sind leider die "gemütlichen Cheminée" (Holzofen).

    Schaut mal bei Kachelmann im Internet vorbei...
    https://www.google.com/search?q=kachelmann+holz%C3%B6fen&oq=kachelmann
  • Lowend 16.10.2019 15:26
    Highlight Highlight Feinstaub: 3700 Tote pro Jahr
    Stickstoffdioxid: 620 Tote pro Jahr
    Ozon: 240 Tote pro Jahr

    Strassenverkehr: 230 Tote pro Jahr

    So gesehen tötet die Verbrennung von Öl und Gas, die als Hauptursache für die Luftbelastung angesehen werden kann, etwa 20 mal mehr Menschen, als der eigentliche Strassenverkehr, der ja selber auch als Ursache für Ozon, Stickoxide und Feinstaub gilt.

    Wenn man dann noch bedenkt, dass dies alles auch Quelle unseres CO2-Ausstosses ist, sollte dem letzten klar werden, dass dringend etwas gegen die Verbrennung fossiler Energieträger getan werden muss.
    Weitere Antworten anzeigen
  • bignici 16.10.2019 15:21
    Highlight Highlight Wer zumindest zu Hause oder bei der Arbeit eine saubere Luft möchte, sollte sich doch mal die Geräte von aeropur anschauen. Einfach googlen.
  • wolge 16.10.2019 15:20
    Highlight Highlight Selbstverständlich bin ich ebenfalls für eine Verringerung der Luftverschmutzung.

    Allerdings folgendes Gedankenspiel:

    Eine Verringerung der Luftverschmutzung würde die Lebenserwartung erhöhen. Folglich würde Überbevölkerung und Konsum ansteigen... Dies wiederum führt zu mehr Ressourcenverbrauch und Umwelt resp. Luftverschmutzung...
    • Satan Claws 16.10.2019 16:20
      Highlight Highlight @wolge

      Krankheitskosten durch Umweltschutz senken und dabei noch Ressourcen schonen soll schlecht sein? Für wen denn, die Pharmaindustrie?

    • wolge 16.10.2019 17:19
      Highlight Highlight @ Satan Claws:

      Nochmals: Ich bin für Umweltschutz, für Reduktion des Ressourcenverbrauches und für mehr Gesundheit

      Aaaaber. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden dadurch mehr Ressourcen verbraucht...

      Warum? Nun ganz einfach: Lebt ein Mensch ein Jahr mehr verbraucht er ein Jahr mehr. Ich denke dieser Verbrauch wird um ein x faches höher sein als der für eine tiefere Luftverschmutzung reduzierte Ressourcenverbrauch...

      Nicht dass es deswegen nicht getan werden sollte. Nur muss man immer das gesamte System betrachten nicht nur einzelne Teile daraus
    • Satan Claws 16.10.2019 18:17
      Highlight Highlight @wolge
      Gundsätzlich richtig, aber das Ziel sollte ein Nullsummenspiel mit gesunden Menschen sein. Sprich, alle Emissionen die man erzeugt müssten kompensiert werden, dies ist deutlich einfacher, wenn möglichst wenig Kranke im System sind. Man stirbt ja nicht einfach so an Feinstaub. Unser Gesundheitssystem braucht unglaublich viel Ressourcen und wenn wir gesünder sind dann ist es auch unser Planet. Aus dem selben Grund sollten wir auch anderen helfen Gesund zu sein und zu bleiben. Momentan ist Geld noch der Antreiber, aber im Prinzip ist es ja nur bedrucktes Papier oder nicht mal mehr das.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Deubelbeiss 16.10.2019 15:17
    Highlight Highlight Wer braucht schon frische Luft?Höchstens die Ökofaschisten und Klimaterroristen. Oder?
    • Aurum 16.10.2019 15:54
      Highlight Highlight achtung, sarkasmus wird hier selten erkannt
    • Satan Claws 16.10.2019 16:18
      Highlight Highlight Und tasmanische Teufel.

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