Der ESC in Wien steht einmal mehr im Schatten des Gaza-Konflikts
Veranstalter rufen am Finaltag des Eurovision Song Contest in Wien am 16. Mai zu einer Grossdemonstration gegen die Teilnahme Israels auf. Es sollen sich bereits mehrere Tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet haben, berichten österreichische Medien.
Weiter haben sich gleich fünf Länder selbst aus dem Rennen genommen: Island, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien sind nicht am ESC dabei, weil Israel teilnimmt. «Wir hoffen, dass die fünf Sender eines Tages wieder dabei sein werden», sagt Martin Green, Direktor des Eurovision Song Contest in Wien.
Überhaupt habe es auch schon in der Vergangenheit Fälle gegeben, in denen Sender ein Jahr oder länger nicht teilgenommen haben. «Das hier wird irgendwann einfach Teil einer langen Geschichte sein», meinte Green.
Zahl der antisemitischen Vorfälle nimmt zu
Die jüdische Gemeinde freue sich auf den Eurovision Song Contest in Wien. Der ESC sei ein Fest der Vielfalt. «Es gibt eine kleine, aber laute und gefährliche Minderheit, die das zerstören will», sagt Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.
Gleichzeitig ist die Zahl der registrierten antisemitischen Vorfälle in Österreich hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Im Vorjahr wurden von der Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde 1532 Fälle dokumentiert.
Gegenüber 2024 betrage der Anstieg weniger als ein Prozent, doch das sei kein Grund zur Freude, sagte der Leiter der Meldestelle, Johannan Edelman:
19 physische Angriffe
Die Zahlen sind seit dem Grossangriff der Hamas und anderer Gruppen auf Israel und der darauffolgenden israelischen Militäroperation im Gazastreifen stark angestiegen. «Der antisemitische Tsunami nach dem 7. Oktober 2023 hat sich in eine anhaltende Überflutung verwandelt», sagte Oskar Deutsch.
An diese Situation könne und dürfe man sich nicht gewöhnen, betonte Deutsch. Auf den Eurovision Song Contest im Mai in Wien freue sich die jüdische Gemeinde trotz der angekündigten Israel-kritischen Demonstrationen, sagte er. Der ESC sei ein Fest der Vielfalt. «Es gibt eine kleine, aber laute und gefährliche Minderheit, die das zerstören will», so Deutsch.
Unter den 1532 Fällen waren 205 Sachbeschädigungen, 27 Bedrohungen und 19 physische Angriffe. Bei dem Rest handelte es sich um mündliche und schriftliche Anfeindungen. Nicht jeder antisemitische Online-Kommentar wurde einzeln gezählt. Stattdessen wurden mehrfache Kommentare zu einem Beitrag oder Artikel zu einem Vorfall gebündelt.
Die Meldestelle ordnete 28 Prozent der Fälle dem linken politischen Spektrum zu, knapp 25 Prozent hatten einen muslimischen Hintergrund und 20 Prozent waren politisch rechts motiviert. Der Rest konnte nicht eindeutig zugeordnet werden. (leo mit Material der sda und dpa)
