2025 war ein Jahr der Wetterextreme – in Europa im Besonderen
Europa hat die Auswirkungen der Klimakrise im vergangenen Jahr deutlich zu spüren bekommen. Mindestens 95 Prozent des Kontinents hätten 2025 Jahrestemperaturen über dem Durchschnitt erlebt, wie heisst es im Bericht zum Zustand des europäischen Klimas, den die Weltmeteorologieorganisation (WMO) und das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus am Mittwoch vorstellten.
«Seit 1980 hat sich Europa zweimal so schnell wie der globale Durchschnitt erwärmt», sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo bei einer Pressekonferenz. Es sei damit «der sich am schnellsten erwärmende Kontinent» überhaupt. Es gebe immer häufigere und heftigere Hitzewellen, und 2025 seien davon nicht nur der Mittelmeerraum, sondern auch der Polarkreis erfasst worden.
In der nordeuropäischen Region Fennoskandinavien, zu der Finnland, Norwegen und Schweden gezählt werden, gab es dem Bericht zufolge im Juli eine dreiwöchige Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 30 Grad. Teile von Fennoskandinavien hätten fast zwei Wochen lang unter «starkem Hitzestress» gelitten, bei dem die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegt. Normal seien nur bis zu zwei Tage Hitzestress im Jahr.
Die Hitzewellen
In der Türkei kletterte das Thermometer im Juli auf 50 Grad, in Griechenland waren 85 Prozent der Bevölkerung von extremen Temperaturen um die 40 Grad betroffen. Grosse Teile West- und Südeuropas wurden im Juni von zwei starken Hitzewellen getroffen, darunter weite Teile Spaniens, Portugals, Frankreichs sowie südliche Teile Grossbritanniens.
Eine dritte Hitzewelle gab es dem Bericht zufolge dann im August in Portugal, Spanien und Frankreich. Grossbritannien, Norwegen und Island verzeichneten 2025 ihre höchste Jahresdurchschnittstemperatur seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die Waldbrände
Die durch Waldbrände zerstörte Fläche in Europa erreichte einen Rekordwert von 1,034 Millionen Hektar. Durch Stürme und Überflutungen kamen in Europa vergangenes Jahr mindestens 21 Menschen ums Leben, insgesamt waren rund 14'500 Menschen davon betroffen.
Die Gletscher
Infolge der hohen Temperaturen wurde bei den europäischen Gletschern vergangenes Jahr ein Netto-Massenverlust verzeichnet. Island erlebte seine zweitstärkste Eisschmelze seit 2005. Das grönländische Eisschild büsste 139 Gigatonnen (139 Milliarden Tonnen) Eis ein. Die Schneebedeckung in Europa lag im März 2025 bei rund 1,32 Millionen Quadratkilometern und damit etwa 31 Prozent unter dem Durchschnitt – der drittniedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1983.
Die Meere
Die Jahresdurchschnittstemperatur an der Meeresoberfläche erreichte in Europa 2025 zum vierten Mal in Folge einen neuen Höchststand. Ein Rekordanteil von 86 Prozent der europäischen Meeresgebiete erlebte mindestens einen Tag mit einer starken marinen Hitzewelle. Diese haben negative Auswirkungen auf die Pflanzen und Tiere des Meeres.
Das Wasser
Neben Hitze wird Wasser zunehmend zum Problem. 2025 gehörte zu den trockensten Jahren seit Beginn der Messungen für Bodenfeuchte. Zeitweise sei mehr als die Hälfte Europas von Dürre betroffen gewesen. 70 Prozent der Flüsse führten weniger Wasser als üblich.
Die Kombination aus weniger Niederschlag und höheren Temperaturen setze Flüsse, Böden und Ökosysteme unter Druck – mit Folgen für Landwirtschaft, Energieversorgung und Natur.
Die Biodiversität
Die Klimaveränderungen treffen auch die Artenvielfalt. Hitze, Brände und veränderte Lebensräume belasteten sowohl Land- als auch Meeresökosysteme. Gleichzeitig verweist der Bericht auf politische Fortschritte: Die EU habe sich verpflichtet, bis 2030 mindestens 20 Prozent ihrer Land- und Meeresflächen zu renaturieren.
Samantha Burgess vom Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) teilte mit, der Bericht zeichne «ein düsteres Bild»: Der Klimawandel sei keine Bedrohung der Zukunft mehr, sondern Realität der Gegenwart.
Die Erneuerbaren
Die Erderwärmung wird vornehmlich durch die Nutzung fossiler Energieträger wie Erdöl verursacht. In Europa wurde laut dem Bericht 2025 das dritte Jahr in Folge mehr Strom aus erneuerbaren Energien genutzt als fossile Energien. Die Erneuerbaren machten demnach 46,4 Prozent von Europas Stromerzeugung aus.
«Aber das ist nicht ausreichend. Wir müssen das beschleunigen», erklärte der Klima-Berater des Klimadienstes der Europäischen Kommission, Dusan Chrenek. In den vergangenen Wochen haben die Folgen des Iran-Kriegs die weitverbreitete Abhängigkeit von Öl und Gas wieder in den Blickpunkt gerückt.
Für dieses Jahr ist dem Bericht zufolge eine weitere Verschlimmerung der klimatischen Lage in Europa zu befürchten. Es sei wahrscheinlich, dass ab der Jahresmitte das Klimaphänomen El Niño wieder zum Tragen komme, sagte WMO-Generalsekretärin Saulo. 2024 hatte El Niño zu globalen Temperaturrekorden beigetragen.
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