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«Vize-Präsident für nichts»: Front-National-Vize verlässt nach Streit mit Le Pen Partei



FILE - In this Oct. 6, 2011 file photo, French far-right Front National party leader Marine Le Pen and her director for strategy Florian Philippot gesture during a presentation of the Front National Staff for the presidential campaign's election in Nanterre near Paris. The far-right National Front is at it again, feuding. Tensions since Marine Le Pen's loss in the May presidential race are going public with the firing of a regional leader and friend of Le Pen's top lieutenant who some claim is no longer loyal. (AP Photo/Jacques Brinon, File)

Da haben sie noch gelacht: Florian Philippot und Marine Le Pen. Bild: AP/AP

Ein Führungsstreit bei Frankreichs rechtspopulistischem Front National (FN) ist eskaliert: Der einflussreiche Vizevorsitzende Florian Philippot kündigte am Donnerstag seinen Austritt aus der Partei an.

Nach seiner Entmachtung durch Parteichefin Marine Le Pen werde er «natürlich den Front National verlassen», sagte der 35-jährige Parteistratege dem Sender France 2. Le Pen hatte ihrem langjährigen Vertrauten am Mittwoch die Zuständigkeit für Strategie und Kommunikation entzogen – Philippot wurde damit zum Vizevorsitzenden ohne Aufgabenbereich.

«Man hat mir gesagt, dass ich Vize-Präsident für nichts bin», sagte Philippot auf France 2. Das sei «lächerlich», und es habe ihm noch nie gefallen, «nichts zu tun».

Vordergründig drehte sich der Streit um eine politische Vereinigung namens «Die Patrioten», die Philippot nach der Präsidentschaftswahl im Mai gegründet hatte. Le Pen forderte den 35-Jährigen zuletzt wiederholt auf, den Vorsitz über diese Vereinigung aufzugeben und sich auf seine Aufgaben als FN-Vize zu konzentrieren.

Philippot wies dies zurück und verteidigte «Die Patrioten» als Beitrag zu den Debatten über eine von Le Pen angestossene «Neugründung» des Front National.

Streit um Ausrichtung

Die Wurzeln des Konflikts liegen aber tiefer: Philippot, einer der Baumeister der Strategie einer «Entteufelung» des FN, setzte auf soziale Themen, Wirtschaftsprotektionismus und einen entschieden Anti-EU- und Anti-Euro-Kurs. Er stand damit im Gegensatz zum traditionellen FN-Flügel, für den der Kampf gegen Einwanderung und «Islamismus» oberste Priorität hat und der eher wirtschaftsliberal gesinnt ist.

Nachdem Le Pen im Frühjahr mit einem scharfen Anti-Euro-Kurs bei der Präsidentschaftswahl scheiterte, wurde Philippot dafür mitverantwortlich gemacht. Zuletzt schien der traditionelle FN-Flügel in der Partei wieder die Oberhand zu gewinnen.

Er beobachte beim FN «eine furchtbare Rückkehr nach hinten», sagte Philippot am Donnerstag. «Der FN wird von seinen alten Dämonen eingeholt.» Beim Projekt einer Neugründung des FN habe er offenbar «keinen Platz». Der Streit um seine Vereinigung «Die Patrioten» sei nur ein «Vorwand», um ihn aus der Partei zu drängen.

Le Pen: «Verleumderische» Kritik

Le Pen reagierte am Donnerstag scharf auf die Äusserungen ihres langjährigen Vertrauten: Philippot stelle sich als «Opfer» dar, sagte die Parteichefin französischen Medien. Seine Kritik an der Partei sei stellenweise «verleumderisch».

Die Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen hatte bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl im April zwar einen Stimmenrekord erzielt und war in die Stichwahl eingezogen. Dort unterlag sie aber dem sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron klar: Sie kam auf lediglich 33,9 Prozent der Stimmen. Der FN hatte auf mindestens 40 Prozent gesetzt.

Auch bei den folgenden Parlamentswahlen im Juni konnten die Rechtspopulisten die selbstgesteckten Ziele nicht erreichen. Sie gewannen lediglich acht Abgeordnetenmandate. (sda/afp)

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