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690 Millionen Menschen sind unterernährt – wegen Corona vielleicht bald noch mehr



Der Hunger weltweit ist auf dem Vormarsch. Nun könnte die Corona-Krise sogar einen sprunghaften Anstieg der Zahl der unterernährten Menschen bewirken. Derzeit ist mindestens jeder elfte Mensch unterernährt, wie aus dem Welternährungsbericht der Vereinten Nationen hervorgeht. Dazu gehören auch Millionen Kinder, die nicht genug zu essen bekommen, um gesund aufzuwachsen. Insgesamt schätzen die Experten in ihrer am Montag vorgelegten Studie, dass im Jahr 2019 rund 690 Millionen Menschen unterernährt waren – also knapp neun Prozent der Weltbevölkerung.

Aufgrund der Corona-Krise könnten 83 bis 132 Millionen Menschen zusätzlich ernste Not leiden, warnten fünf UN-Behörden, darunter die Welternährungsorganisation FAO in Rom.

In this Sunday, June 14, 2020 photo, seven-month-old Issa Ibrahim Nasser is brought to a clinic in Deir Al-Hassi, At seven months old, Issa weighs only three kilos. Like him, hundreds of children suffer from acute severe malnutrition because of poverty and grinding conflict. Yemen. (AP Photo/Issa Al-Rajhi)

Ein unterernährtes Kind im Jemen. Bild: keystone

«Seit 2014 ist die Zahl hungriger Menschen weltweit langsam angestiegen», heisst es in dem Bericht für 2020. Die Zunahme seither betrage knapp 60 Millionen Menschen - das ist etwa die Einwohnerzahl Italiens. In den Jahren 2017 und 2018 hätten Konflikte und extreme Klimalagen die Ernährungssicherheit negativ beeinflusst. Beim Anstieg des Vorjahres um rund zehn Millionen unterernährte Menschen seien Wirtschaftskrisen ausschlaggebend gewesen.

Für 2020 verdüsterten die Corona-Pandemie und eine «beispiellose Heuschreckenplage» in Ostafrika die Aussichten drastisch. «Die Situation kann sich nur verschlimmern, wenn wir nicht dringend handeln», schreiben die Chefs der fünf UN-Organisationen.

«Diese Hungerkrise wird nicht durch schlechte Ernten, sondern durch schlechte Politik befeuert», urteilte die Hilfsorganisation Oxfam. Sie forderte von der deutschen Regierung eine «Kurskorrektur in der Hungerbekämpfung». Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, mahnte: «Die Folgen von Covid-19 sind in diesen aktuellen Zahlen für 2019 noch nicht abgebildet. Wir wissen aber, dass die Pandemie die Existenz von Millionen Familien vernichtet.»

China auf dem Vormarsch

Bei der Gesamtzahl der hungrigen Menschen nahmen die UN im neuen Bericht allerdings für mehrere Jahre eine deutliche Korrektur nach unten vor: Vor einem Jahr war noch von 812 Millionen Unterernährten weltweit die Rede gewesen. Grund für die Absenkung sei, dass die Schätzwerte für 13 Länder neu berechnet wurden. Es habe neue Daten etwa zur Bevölkerung und zur Versorgung von Haushalten mit Lebensmitteln gegeben.

Deutlich besser bewertet wird jetzt die Lage in China, wo etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt: «Die Veränderung der Unterernährungsschätzung für China bis ins Jahr 2000 führte zu einer deutlich geringeren Zahl von unterernährten Menschen weltweit», heisst es im Bericht. An der Spitze der Welternährungsorganisation steht seit 2019 der Chinese Qu Dongyu. Eine FAO-Sprecherin erläuterte, es sei eine «Routine-Anpassung».

Children wearing masks to curb the spread of the new coronavirus chat outside a restaurant in Beijing on Friday, June 19, 2020. China declared a fresh outbreak in Beijing under control after numbers for new cases stabilized as hundreds of thousands are tested. (AP Photo/Ng Han Guan)

Die Situation in China verbessert sich. Bild: keystone

Noch vor sechs Jahren hatte die FAO von einem Lichtblick im Kampf gegen den Hunger und von sinkenden Zahlen gesprochen. Das Ziel der Staatengemeinschaft, den Hunger bis zum Jahr 2030 zu stoppen, bleibt mit den neuen Prognosen jedoch in weiter Ferne. Im Gegenteil: Wenn sich der Trend der vergangenen Studien fortsetze, könnte es in zehn Jahren über 840 Millionen Unterernährte geben.

38 Millionen Kinder mit Übergewicht

Für den neuen Report haben neben der FAO das Kinderhilfswerk Unicef, die UN-Gesundheitsorganisation WHO, der Hilfsfonds IFAD und das Welternährungsprogramm WFP Daten zusammengetragen. In Asien leben nach Angaben der Experten am meisten hungrige Menschen (rund 380 Millionen). Allerdings habe der Kontinent Fortschritte im Kampf gegen den Hunger erzielt. In Afrika dagegen wachse die Zahl am schnellsten.

FILE - In this Jan. 20, 2010, file photo, a waist is measured during an obesity prevention study in Chicago. A study published Wednesday, April 5, 2017 in the New England Journal of Medicine suggests gaining and losing weight repeatedly may be dangerous for overweight heart patients. (AP Photo/M. Spencer Green, File)

Übergewicht ist ein grosses Problem. Bild: AP/AP

Jeder vierte Mensch – oder rund zwei Milliarden Männer, Frauen und Kinder – haben in ihrem Leben schon gehungert oder zeitweise nicht gewusst, woher das Essen für die nächsten Woche kommen soll, heisst es in der Studie. Wenn das Problem Kinder treffe, würden sie oft lebenslange Gesundheitsschäden erleiden. Im Bericht steht, dass geschätzt 144 Millionen unter Fünfjährige (21 Prozent) im Jahr 2019 wegen Ernährungsnot zu klein waren. Weitere 47 Millionen (7 Prozent) der Altersgruppe hatten Untergewicht für ihre Grösse. Zugleich gehen die Experten von 38 Millionen Kindern in dem Alter (knapp 6 Prozent) aus, die Übergewicht haben. (sda/dpa)

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Choume 14.07.2020 03:33
    Highlight Highlight Junge, arme Leben werden verkürzt um alte, reiche Leben zu verlängern und die ethische Frage wird aus blosser Arroganz gar nicht gestellt wird.
    #2020
  • El Ninio 14.07.2020 00:06
    Highlight Highlight An dem hunger ist nicht Corona Schuld sondern eine überaltete Elite in Schwarz Afrika. Die immer nur an sich selbst denkt. Wenn nur 1/10 der erlöse der Bodenschätze Afrikas bei der Bevölkerung ankommen würde und nicht bei der Elite versickern würde. Wäre die geburten und auch die Hungersrate bedoitend tiefer. Und wer denkt sein geld beim Roten Kreuz oder so sei gut angelegt hat verckackt. Circa1/3 get direkt oder indirekt in Korruption. Aber das ändert nichts am guten Gewissens🥴
  • Silent_Revolution 13.07.2020 23:21
    Highlight Highlight Die Betroffenen der Hungersnot hätten nie von einem Gesundheitssystem profitiert, weswegen sie in ihrem Handlungsspielraum noch mehr eingeschränkt werden, um ein hungerstillendes Einkommens zu generieren.

    Die weltweiten Coronamassnahmen, diese selektive Solidarität basierend auf Staatsgewalt und Unterdrückung der Ärmsten sind perfide um nicht zu sagen ekelhaft pervers. Auch hierzulande hat man die am stärksten Geschädigten, die Obdachlosen und sans papiers als Kollateralschaden bewusst in Kauf genommen, sie links liegen gelassen, während man die Staatskohle nach oben verliehen hat.
  • Zyniker haben es leichter 13.07.2020 22:42
    Highlight Highlight Wie viel % der Zunahme geht auf die Vermehrung der ärmsten zurück? 100%? Darf man das fragen? Darf man die Meinung vertreten, dass alle Lebesmittelhilfen der Welt dieses Problem niemals lösen werden? Darf man von einem Fass ohne Boden sprechen?
    • Ikarus 14.07.2020 00:05
      Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
    • Zyniker haben es leichter 14.07.2020 17:16
      Highlight Highlight Also, man darf es wohl fragen aber nicht diskutieren, wie der gelöschte Kommentar von Ikarus zeigt. So, und das meine ich ernst, werden wir nie wieder ein Problem wirklich lösen.
  • Rethinking 13.07.2020 21:47
    Highlight Highlight Ja wir verbrauchen viel zu viele Ressourcen und diese sind total ungerecht verteilt...

    Dies ist jedoch nur eine Seite...

    Wir können es drehen und wenden wie wir wollen...

    Unser Planet ist endlich, so such die Ressourcen...

    Wir benötigen Bildung, Gleichberechtigung, Verhütung, andere religiöse / kulturelle Ansichten und Familienplanung...



  • Sapientia et Virtus 13.07.2020 21:23
    Highlight Highlight Nicht wegen Corona. Wegen der völlig übertriebenen Reaktion darauf!
    • Rhinopower 14.07.2020 00:11
      Highlight Highlight Traurig aber wahr!

Frachter vor Mauritius verliert Öl – Umweltkatastrophe droht

Der Küste des Urlaubsparadieses Mauritius droht eine Umweltkatastrophe. Ein Frachter sei vor rund zwei Wochen vor dem Inselstaat auf Grund gelaufen und verliere nun Öl, sagte die Exekutivdirektorin der Mauritian Wildlife Foundation, Deborah de Chazal, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

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