Ist es Satire oder meint er es ernst? Diese Rede eines AfD-Mitglieds geht gerade viral
In der deutschen Stadt Giessen entsteht gerade die neue Jugendorganisation der AfD. Nach dem Ende der alten, skandalträchtigen Jugendorganisation «Junge Alternative» soll diese nun professioneller gestaltet werden. Dennoch fiel am Wochenende vor allem ein Redner auf – weil sich niemand so ganz sicher ist, ob er seinen Auftritt ernst meinte oder nicht.
Die Rede ist von einem jungen Mann namens Alexander Eichwald. Der 30-Jährige trat am Samstagabend ans Mikrofon und sorgte dort für denkwürdige Minuten. Mit seiner zackigen Gestik, einem rollenden «R» und radikalen Meinungen erinnerte dieser viele Personen in den sozialen Medien an Adolf Hitler.
Hier die Rede im Video:
Selbst weitere AfD-Mitglieder im Saal schienen der Sache nicht ganz zu trauen. «Sind Sie ein V-Mann?», fragte ihn eine Person aus dem Publikum ins Mikrofon.
Nun rätseln in Deutschland Leute auf dem gesamten politischen Spektrum, wie ernst es Eichwald mit seiner Rede tatsächlich meinte. Der 30-Jährige ist zwar tatsächlich Mitglied der AfD in Herford, scheint dort aber relativ neu zu sein. «Ich wusste nichts von der Kandidatur», so Michel Schneidermann (22), Fraktionschef der AfD im Stadtrat Herford, gegenüber der Bild-Zeitung. Er kenne Eichwald erst seit zwei Monaten, seit dieser als sachkundiger Bürger für die Fraktion tätig sei.
Weiter sagte Schneidermann, dass Eichwald gelogen habe, als er sich als designierter Jugendbeauftragter der Heimat-AfD vorgestellt habe. Zudem sei es nicht akzeptabel, dass dieser vom «deutschen Volkskörper» gesprochen habe. Er bereite nun ein Parteiausschlussverfahren gegen Eichwald vor, erklärte Schneidermann. «Dieser Auftritt war aktive Parteischädigung!»
Künstler und Musiker
Wie die Bild weiter berichtet, gibt es aber durchaus Hinweise darauf, dass sich Eichwald an den Event einschleuste, um die Partei auf die Schippe zu nehmen. So soll dieser früher als Künstler und Musiker Alex Oak aufgetreten sein. Auf die Nachfrage der Bild-Zeitung, ob er als Alex Oak aufgetreten sei, antwortete Eichwald: «Ich glaube nicht.» Und auf die Nachfrage, ob er das glaube oder es wirklich nicht getan habe, antwortete er: «Ja, ich glaube nicht. Ich bin nicht Alex Oak.»
Weiter heisst es im Bericht, dass der Mann schon 2019 mit einem Klamauk-Auftritt aufgefallen sei – damals als Praktikant der Gleichstellungsstelle in Herford. Einer Organisation also, die den Werten der AfD eher nicht entspricht.
Eichwald sagt trotzdem nach wie vor, sein Auftritt sei ernst gemeint gewesen. Dass dieser als ungewöhnlich empfunden wurde, liege daran, dass er seine auf zehn Minuten konzipierte Rede auf drei habe kürzen müssen. Das rollende «R» erklärte er damit, dass er Russlanddeutscher sei und erst mit neun Jahren nach Deutschland gekommen sei. «Man hat mir Deutsch mit diesem R beigebracht», sagt er.
Der politische Durchbruch gelang Eichwald derweil nicht. Der 30-Jährige erhielt bei seiner Wahl nur 12 Prozent der Stimmen, womit er den Sprung in den Vorstand verpasste. (dab)
