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Erbschaftssteuer: Jusos scheitern am Dagobert-Duck-Syndrom

KEYPIX - Aktivistinnen und Medienleute treffen ein am Abstimmungsfest der JUSO zur Initiative "Fuer eine soziale Klimapolitik - steuerlich gerecht finanziert (Initiative für eine Zukunft)",  ...
Tax the Rich: Die Parole der Linken ist leichter gesagt als getan.Bild: keystone
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Die Jusos scheitern am Dagobert-Duck-Syndrom

Eine Erbschaftssteuer wäre eine gute Sache. Die Juso-Initiative aber war zu wenig durchdacht. Gleiches galt für die noch deutlicher gescheiterte Service-Citoyen-Initiative.
30.11.2025, 15:0230.11.2025, 15:34

Die Superreichen sind ein perfektes Feindbild. Wer hat schon Sympathien für Menschen, die sich auf Mega-Jachten den Bauch mit Champagner und Kaviar vollschlagen und überhaupt einen Lebensstil praktizieren, der hochgradig klimaschädlich ist? Und wenn sie es mit geerbtem und damit «unverdientem» Geld tun, wird die Sache erst recht prekär.

Solche Bilder dürften die Jungsozialisten im Kopf gehabt haben, als sie ihre Initiative «für eine Zukunft» lancierten, die eine Erbschaftssteuer von 50 Prozent auf Vermögen über 50 Millionen Franken forderte. Auf den ersten Blick war es ein einleuchtendes Anliegen. Dennoch ist die Juso-Initiative in der Volksabstimmung am Sonntag regelrecht abgestürzt.

Juso-Präsidentin Mirjam Hostetmann kommentiert das Nein zur Initiative.Video: watson/hanna hubacher, emanuella kälin

Bei den Gegnern war die Erleichterung gross, denn schon ein Achtungserfolg wäre aus ihrer Sicht ein schädliches Signal für den Standort Schweiz gewesen. Ob die Vermögenden nun beruhigt sind, wird sich zeigen. Die Verunsicherung in ihren Reihen sowie bei Wirtschaft und Bürgerlichen war gross, das zeigt die mit viel Aufwand geführte Nein-Kampagne.

Unternehmer statt «Berufs-Erben»

Angesichts linker Erfolge der letzten Zeit war dies nachvollziehbar, doch die Jusos sind an sich selbst gescheitert. Ihre Initiative war oberflächlich einleuchtend, in Wirklichkeit aber zu wenig durchdacht. Die Jusos scheiterten am Dagobert-Duck-Syndrom, am Klischee des Milliardärs, der seine Kohle im Geldspeicher hortet, wo man sie nur holen muss.

Völlig falsch ist es nicht. Es gibt «Berufs-Erben», die von Zinsen und Dividenden leben. Im besten Fall unterstützen sie kulturelle und soziale Institutionen, im schlechteren schwelgen sie im Luxus. In der Realität aber sind die Superreichen häufig Unternehmer. Ihr Vermögen steckt in der Firma, deren Existenz durch die Erbschaftssteuer gefährdet wäre.

Kontraproduktive Polemik

Zum Aushängeschild der Gegner wurde Peter Spuhler, ein grundsolider Bahnunternehmer, der bei der Präsentation seiner Stadler-Züge auch mal selbst im Führerstand sitzt. Er verlieh der Nein-Kampagne die notwendige Glaubwürdigkeit. Die polemischen Attacken der Jusos und ihrer Präsidentin Mirjam Hostetmann waren wirkungslos und tendenziell kontraproduktiv.

Peter Spuhler, Verwaltungsratspraesident der Stadler Rail waehrend einer gemeinsamen Praesentation der SBB, Thurbo und RegionAlps von neuen Flirt Evo Zuegen der Stadler Rail, in der Instandhaltungsanl ...
Peter Spuhler war für die Jusos kein geeignetes Feindbild.Bild: keystone

Es ist das Privileg von Jungparteien, «utopische» Initiativen zu pushen. In diesem Fall aber ist es zu bedauern, denn eigentlich sprachen die Jusos ein berechtigtes Anliegen an. Ökonomen würden eine moderate Erbschaftssteuer befürworten, und auch liberale Kreise halten sie für diskussionswürdig – zumindest in theoretischen Debatten.

Ausflüchte und Floskeln

Ist diese Chance nun vertan? Das muss nicht sein, aber die Juso-Initiative hat einen ziemlichen Flurschaden angerichtet. Initiativen, die aus Empörung entstehen, leisten selten einen konstruktiven Beitrag. Gleiches lässt sich von der Service-Citoyen-Initiative kaum behaupten, doch sie ist noch klarer gescheitert. Denn auch sie war zu wenig durchdacht.

So wäre eine allgemeine Dienstpflicht, die auch für Frauen gilt, eine vertiefte Betrachtung wert. Nur ignorierten die Initianten um die umtriebige Noémi Roten, dass die Frauen schon heute viel unbezahlte Arbeit im Dienst von Familie und Gemeinschaft leisten. In Interviews waren von Roten zu diesem Einwand nur Ausflüchte und Floskeln zu vernehmen.

Letztlich waren beide Volksinitiativen für die Gegnerschaft eine (zu) leichte Beute. Sie mobilisierten das rechte Spektrum, ähnlich wie die Abschaffung des Eigenmietwerts im September. Die linke Erfolgswelle ist damit gebrochen. Ob es eine Trendwende ist, wird die nächste Abstimmung am 8. März 2026 zeigen, wenn mehrere gewichtige Vorlagen traktandiert sind.

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151 Kommentare
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stoeckm
30.11.2025 15:06registriert Mai 2021
Die Juso sollte realistischere Forderungen bringen. Wenn sie mit 5 oder 10% gekommen wären, dann wären die Chancen viel grösser gewesen, dass die Initiave durchgekommen wäre.
Zudem denke ich, dass schon fix zu definieren, für was das Geld verwendet werden muss, ein Fehler ist.
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Riiklik vastupanu
30.11.2025 15:12registriert Juli 2024
Hier kann man nicht mal mehr von Achtungserfolg sprechen und das ist gut so.
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Wurstbrot
30.11.2025 16:01registriert Juni 2018
In der Schweiz ist kein Platz für extreme Anliegen. Weder von linker noch von rechter Seite und das ist gut so.
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