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So entstand das umstrittene Foto von Cassis mit Lawrow

HANDOUT - Bundespraesident Ignazio Cassis, rechts, begruesst den russischen Aussenminister Sergei Lawrow am Rande der UNO Generalversammlung in New York am Mittwoch, 21. September 2022, per Handschlag ...
Das Foto von Bundespräsident Cassis mit Lawrow, welches in Teilen der Schweizer Politik für Kritik sorgte.Bild: keystone

So entstand das umstrittene Foto mit Lawrow

Politiker im Bundesparlament sind sich einig: Man sollte Bundespräsident Cassis nicht vorwerfen, dass er mit dem russischen Aussenminister weiter das Gespräch sucht. Ein Foto des Treffens in New York sorgt nun aber für Kritik: Cassis habe sich naiv verhalten.
23.09.2022, 08:36
Francesco Benini / ch media
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Sie trafen sich am Rand der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Danach verbreitete das russische Aussenministerium ein Foto: Aussenminister Sergei Lawrow schüttelt Bundespräsident Ignazio Cassis die Hand. Cassis lächelt, Lawrow schaut neutral in die Kamera.

Was verschiedene Schweizer Politiker zum Foto sagten, liest du hier:

In den sozialen Medien wurde Cassis scharf kritisiert: Wie könne er sich nur beim Aussenminister des Kriegstreibers Russland anbiedern – am Tag, an dem Präsident Putin die Teilmobilmachung verkündete? Dem Bundespräsidenten wurde vorgeworfen, dass er in die Falle der Russen getappt sei.

Dialog sei wichtig – auch am Tag der Teilmobilmachung Russlands

Die Aufnahme mit Cassis und Lawrow sorgte an der Herbstsession für Gesprächsstoff unter Parlamentariern, die sich mit Aussenpolitik beschäftigen. Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter findet, es sei richtig, dass Cassis das Gespräch mit Lawrow gesucht und ihm die Position der Schweiz unmissverständlich klar gemacht habe. «Sich für ein solches Bild einspannen zu lassen, ist aber naiv, schadet der Schweiz und hilft letztlich der russischen Kriegs-Propaganda.»

SP-Nationalrat Eric Nussbaumer kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: «Es ist richtig, den Dialog nie abreissen zu lassen. Das Foto erachte ich als ungeschickt.» Einen anderen Akzent setzt hingegen die SVP. Nationalrat Roland Rino Büchel erklärt: «Schlimmer als dieses Bild ist die Rede, die Cassis vor der Vollversammlung der Uno gehalten hat.» Wie solle die Schweiz ihre guten Dienste zwischen Russland und der Ukraine anbieten, wenn sie gleichzeitig Russland öffentlich verurteile? «Wir könnten der letzte Mittler sein und vergeben diese Gelegenheit.»

In seiner Ansprache hatte Cassis Russland dazu aufgerufen, den Krieg und die Gewalt in der Ukraine umgehend zu beenden.

Die Schweiz organisierte das Treffen

Aussenminister Lawrow twitterte nach der Unterredung: «Bern wurde aufgefordert, zu einer neutralen Staatspolitik zurückzukehren, die der Eidgenossenschaft in den Vorjahren Anerkennung auf internationaler Ebene verschafft hatte.» Lawrow umschrieb die Neutralität der Schweiz damit in ähnlicher Weise, wie es die SVP tut. Cassis hatte in seiner Rede in New York betont, dass Neutralität nicht Gleichgültigkeit oder fehlende Solidarität bedeute. Die Schweiz sei verpflichtet, die Grundsätze der Freiheit, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit zu wahren – Werte, die in der Bundesverfassung verankert seien.

Ging die Initiative für eine Begegnung zwischen Cassis und Lawrow von der Schweiz oder von Russland aus? Elisa Raggi, Sprecherin des Aussendepartements, antwortet: «Die Schweiz hat im Rahmen der Uno-Generalversammlung verschiedene Treffen angefragt, darunter auch eines mit Aussenminister Lawrow.» Das Treffen habe die Möglichkeit geboten, Russland zum Verzicht auf die kurz zuvor angekündigten Referenden aufzufordern und die Besorgnis der Schweiz über eine weitere Verschlimmerung der Situation deutlich zu machen. Ebenso seien die Guten Dienste angesprochen worden.

Die Schweiz wollte im August ein Schutzmachtmandat für die Ukraine gegenüber Russland übernehmen. Moskau wies diese diplomatische Vertretung aber zurück und verwies darauf, dass die Neutralität der Schweiz nicht mehr gegeben sei. (aargauerzeitung.ch)

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250 Haubitzen wie diese hier vom Typ M777 zusammen mit 950'000 Artillerie-Schüssen.
quelle: keystone / evgeniy maloletka
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35 Kommentare
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Bruno Wüthrich
23.09.2022 09:43registriert August 2014
Der Titel versprach Aufklärung darüber, wie es zum umstrittenen Foto kam. Darüber bin ich nach dem Lesen des Artikels aber genau gleich schlau wie vorher.
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Waldorf
23.09.2022 09:45registriert Juli 2021
Der Kommentar von Rino Büchel lässt einmal mehr tief blicken. Das ist keine Neutralität! SVP abwählen!
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Haarspalter
23.09.2022 10:46registriert Oktober 2020
Gegen ein Treffen und Gespräche ist ja nichts einzuwenden.

Dass man aber meint, immer „bitte recht freundlich“ in die Kamera lächeln zu müssen, wirkt bei solchen Themen einfach nicht professionell.

Schließlich geht es nicht um eine Fotoreportage für die Schweizer Illustrierte.
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