Trumps Angriff auf den Iran setzt Russlands Hardliner unter Druck
Als Donald Trump im vergangenen Jahr ins Weisse Haus zurückkehrte, herrschte bei vielen Hardlinern in Moskau vorsichtiger Optimismus. Sie hofften, Trumps Unberechenbarkeit und seine Vorliebe für Deals könnten Russland im Ukraine-Konflikt in die Hände spielen.
Doch nach den jüngsten US-Angriffen auf den Iran und dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei hat sich der Wind gedreht. Viele Vertreter eines harten Kurses im russischen Sicherheitsapparat sehen in Trump nun eine wachsende Bedrohung für Russland selbst. Sie stellen in Frage, ob der US-Präsident tatsächlich wie gedacht der pragmatische Machtpolitiker ist, mit dem man Realpolitik betreiben kann.
Einige Hardliner fordern inzwischen öffentlich, dass Moskau die von den USA vermittelten Friedensgespräche mit der Ukraine abbrechen und stattdessen die militärische Offensive in dem Land verstärken sollte. Sie argumentieren, die Atomgespräche zwischen Washington und Teheran, die dem Luftkrieg der USA und Israels vorausgingen, seien lediglich ein zynisches Täuschungsmanöver gewesen. Das habe bewiesen, dass man Washington nicht trauen könne.
Russischer Hardliner bezeichnet Trump als «Monster»
«Die prinzipienlosen Vereinigten Staaten sind eine Bedrohung für die ganze Welt», sagte der nationalistische Tycoon Konstantin Malofejew, der mit einer Spitzenvertreterin des Kreml verheiratet ist. «Ja, (die USA) wollen ein schwaches Europa. Aber sie wollen auch ein schwaches Russland.»
Boris Roschin, ein einflussreicher Militärblogger, der unter dem Namen «Colonel Cassad» fast 800'000 Follower auf Telegram hat, bezeichnete Trump als ein von Straflosigkeit in den Wahnsinn getriebenes «Monster». Allen Ernstes auf Vereinbarungen mit ihm zu setzen, sei «entweder Dummheit oder Verrat».
Der prominente Akademiker Andrej Sidorow bezeichnete Trump im Staatsfernsehen als «gefährlichen Mann» und äusserte sein Bedauern darüber, dass Trump wenige Monate vor seiner Wahl ein Attentat im Juli 2024 überlebte. «Jetzt verstehen wir, wer die Welt regiert», sagte Sidorow. «Wenn man sich ansieht, was Trump jetzt tut, Schritt für Schritt – praktisch niemand kann ihn stoppen.» Russland habe sich in der Ukraine festgefahren. Und der Hauptgegner USA trete dort nun als Vermittler auf.
Kreml vermeidet persönliche Kritik an Trump
Der Kreml hofft dennoch weiterhin, dass Trump womöglich dabei hilfreich sein könnte, den Krieg in der Ukraine zu russischen Bedingungen zu beenden und eine breitere Annäherung zwischen Washington und Moskau einzuleiten. Und so verurteilte Moskau das Vorgehen der USA gegen den Iran offiziell zwar als «unprovozierte Aggression». Er vermied jedoch persönliche Kritik an Trump.
Auch materielle Hilfe für Teheran, die über diplomatische Unterstützung hinausgeht, blieb bislang aus. Wobei die Möglichkeiten Moskaus allerdings Experten zufolge ohnehin begrenzt sind, dem Iran in dieser Phase militärisch beizustehen, zumal Russland selbst iranische Drohnentechnologie importiert und nutzt.
Was wiederum die Ukraine angeht, so erklärte die Führung in Moskau, die Fortsetzung der Friedensgespräche liege im eigenen Interesse. Damit signalisierte der Kreml, dass er zumindest vorerst seinen schwierigen Balanceakt beibehält: Einerseits will man es sich mit Trump nicht völlig verscherzen. Andererseits will Moskau jene politischen Schritte, die es ablehnt, auch weiterhin offen kritisieren.
Moskau könnte von steigenden Ölpreisen profitieren
Einige sehen in der Eskalation im Nahen Osten auch einen potenziellen Silberstreif am Horizont. Kirill Dmitrijew, ein Sondergesandter von Präsident Wladimir Putin, verwies auf die Möglichkeit steigender Ölpreise – zum Wohle des angespannten russischen Staatshaushalts. Auch in der Ukraine könnte Moskau nach Einschätzung einiger russischer Analysten profitieren: Sollte der Konflikt im Nahen Osten andauern, könnten die USA gezwungen sein, Luftabwehrraketen und Munition eher an die Golfstaaten statt an die Ukraine zu liefern.
Dennoch spiegelt die harsche Kritik der Falken eine tiefe Verunsicherung im sicherheitspolitischen Establishment Russlands wider. Dort beobachtet man, wie ein zunehmend aggressiver US-Präsident Moskaus Verbündete systematisch ausschaltet, während Russland in der Ukraine gebunden ist.
Der syrische Präsident Baschar al-Assad wurde im Dezember 2024 von Rivalen gestürzt und deren Anführer anschliessend von Trump im Weissen Haus gelobt. In Venezuela wurde Nicolás Maduro im Januar im eigenen Land von US-Truppen festgenommen und Chamenei kürzlich bei einem gemeinsamen Militärschlag der USA und Israels getötet. Auch die Entwicklung rund um den langjährigen Verbündeten Kuba, den Washington verstärkt ins Visier nimmt, bietet in Moskau Anlass zur Sorge.
Für einige russische Hardliner lassen die Schicksale wichtiger Moskau-Verbündeter die Alarmglocken läuten. Sie fürchten, Trump könnte sich eines Tages auch direkt gegen Russland wenden. Der US-Präsident hat bislang nie angedeutet, dass ein solches Szenario auf seiner Agenda steht. Trotzdem mahnt der ultranationalistische Philosoph Alexander Dugin, der Trump einst als grosse Hoffnung für Russland gepriesen hatte, zur Vorsicht. «Wenn der Iran durchhält, könnte sich alles in die andere Richtung entwickeln. Wenn er zusammenbricht, sind wir die Nächsten ... Es ist besser, mit dem Trump von heute nichts mehr zu tun zu haben», resümierte Dugin.
Verwendete Quellen:
- Nachrichtenagentur Reuters

