Weil «Hondius» doch auf Teneriffa anlegte: Gelangten infizierte Mäuse an Land?
Kurz nach dem Verlassen des Kreuzfahrtschiffs «Hondius» ist ein spanischer Passagier positiv auf das Hantavirus getestet worden. Der Passagier sei nach dem positiven Testergebnis in ein Krankenhaus eingeliefert worden, zeige jedoch bislang keine Krankheitssymptome, gab das Gesundheitsministerium in Madrid am Montagabend bekannt. Zuvor waren alle verbliebenen Passagiere des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffes auf Teneriffa evakuiert worden.
Eine letzte Gruppe von 28 Menschen verliess das Schiff unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Sie wurden am Abend mit zwei Maschinen Richtung Eindhoven ausgeflogen, wie im spanischen TV-Sender RTVE zu sehen war.
Damit die Menschen das Schiff verlassen konnten, musste es doch noch an einem Pier festgemacht werden. Grund war zunehmend stürmischer Wind, der die Ausschiffung von der bisher im Hafen vor Anker liegenden «Hondius» zu riskant gemacht hätte, sagte Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García. Kurz nachdem die Menschen von Bord gegangen waren, stach die «Hondius» mit einer Restbesatzung in See, um nach Rotterdam zu fahren.
Teneriffa hat Sorge vor infizierten Nagern
Die Tatsache, dass das Schiff nun doch wenn auch nur kurz mit dem Land verbunden war, dürfte für Kritik auf der Insel sorgen. Die Regionalregierung der Kanaren hatte im Vorfeld darauf bestanden, dass die «Hondius» nicht anlegt, weil sie Sorge hatte, Mäuse mit dem Hantavirus könnten an Land gelangen. García hatte das jedoch unter Berufung auf Experten ausgeschlossen.
Vom Flughafen Teneriffa Süd hob zunächst ein Passagierjet ab. An Bord waren nach Angaben von García 22 Besatzungsmitglieder der «Hondius» verschiedener Nationalitäten. Mit dabei sollte auch ein deutsches Crewmitglied sein, wie das niederländische Aussenministerium mitteilte.
Beim zweiten Flugzeug handelte es sich um ein kleineres Sanitätsflugzeug, mit dem laut García vier Australier, ein Neuseeländer und ein Brite ausgeflogen werden sollten. Auch diese Maschine sollte zunächst nach Eindhoven fliegen.
Krankenhaus: Vorschriften wurden nicht alle eingehalten
Damit sind seit Sonntag insgesamt 122 Menschen unter strikten Sicherheitsvorkehrungen von dem Schiff an Land und dann per Flugzeug in Richtung ihrer Heimatländer geflogen worden. García dankte allen Beteiligten und äusserte «Stolz» darüber, dass Spanien zu einer derartig komplizierten und «einzigartigen» Aktion in der Lage gewesen sei. Das sei ein grosser Erfolg.
Die unter niederländischer Flagge fahrende «Hondius» machte sich unterdessen auf ihre sechstägige Heimreise. Nach Angaben des Betreibers Oceanwide Expeditions soll das Schiff voraussichtlich am Sonntagabend in Rotterdam ankommen. Nach der Evakuierung aller Passagiere befinden sich derzeit noch 25 Besatzungsmitglieder sowie zwei medizinische Mitarbeiter an Bord des Kreuzfahrtschiffes. Mit an Bord ist auch der Leichnam der am 3. Mai auf See gestorbenen Deutschen. In den Niederlanden soll das Schiff dann gründlich desinfiziert werden.
In den Niederlanden mussten sich unterdessen zwölf Krankenhausmitarbeiter nach Kontakt mit einem Hantavirus-Infizierten von der «Hondius» in eine präventive Quarantäne begeben. Wie das Radboud-Krankenhaus mitteilte, wurden bei der Ankunft des Patienten nicht alle Vorschriften eingehalten. Das Risiko einer tatsächlichen Infektion für die Krankenhausmitarbeiter sei jedoch gering.
Verwendete Quellen:
- Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP und dpa

