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Kampagne #smearforsmear

So schmierig ist die neue «Ice Bucket Challenge»

Hashtag smearforsmear, dazu ein Selfie mit verwischtem Lippenstift – wtf? Immer mehr solcher Bilder findet man inzwischen bei Instagram und Twitter. Wir erklären, was hinter dem Trend steckt.  



Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Im Sommer vor gefühlt 20 Jahren fanden es Zehntausende originell und richtig, sich einen Kübel Eiswasser über den Kopf zu kübeln – Videos der «Ice Bucket Challenge» verstopften weltweit die Facebook-Timelines. Rund 1,6 Millionen Franken Spenden sollen durch den Video-Hype für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS zusammengekommen sein. 

Zugegeben, das ist lange her – nicht nur aus Witterungsgründen gehört die Nummer mit dem Ice Bucket längst ins Museum der ausgelutschten Online-Marotten. Jetzt allerdings steht womöglich ein Nachfolger bereit: Unter dem Hashtag #smearforsmear posten bereits Tausende Frauen (und Männer!) Selfies mit verschmiertem Lippenstift. Dieses hier zum Beispiel. 

Ähnlich wie bei der «Ice Bucket Challenge» geht es auch bei #smearforsmear um einen guten Zweck. Mit der Kampagne will die britische Organisation «Jo’s Cervical Cancer Trust» auf die Gefahr von Gebärmutterhalskrebs aufmerksam machen und an regelmässige Vorsorgeuntersuchungen erinnern. 

Dazu muss man wissen, dass «smear» im Englischen «schmieren» bedeutet, aber auch «Abstrich» – und einen solchen macht der Frauenarzt zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Diese oft etwas unangenehme Untersuchung hat «Jo's Cervical Cancer Trust» geschickt in ein Wortspiel verpackt – #smearforsmear eben. 

Facebook-Screenshot: #smearforsmear

Seit dem 25. Januar läuft die Kampagne der Gesundheitsorganisation – ihr Start kam passend zur Gerbärmutterhals-Präventionswoche in Grossbritannien. Noch hat #smearforsmear zwar bei Weitem nicht die Wucht der Ice Bucket Challenge entwickelt; dennoch machen bereits erste Stars mit und lassen sich mit ausser Kontrolle geratenem Makeup sehen – hier etwa das englische Model Georgia May Jagger ...   

... oder die Sängerin Rita Ora (die übrigens unter anderem Model Jourdan Dunn nominierte – auch die Nummer mit dem Nominieren funktioniert nämlich wie beim #Icebucketchallenge) ... 

Ein von Rita Ora (@ritaora) gepostetes Foto am

In der Schweiz bekommen pro Jahr rund 250 Frauen Gebärmutterhalskrebs, fast die Hälfte davon ist jünger als 50 Jahre. (Quelle: Krebsliga Schweiz)

Die Krankheit lässt sich in vielen Fällen früh erkennen – dazu dient der regelmässige Abstrich beim Frauenarzt, für den #smearforsmear wirbt.

Obwohl es bei den Lippenstift-Selfies im Prinzip um eine gute Sache geht, regt sich bereits Kritik an der Aktion. So hegt Vice.com den Verdacht, es gehe vielen Teilnehmerinnen wohl eher um ein laszives Selfie im Instagram-Profil als um Krebs-Awareness: «Wenn ich perfekt geschminkte – und dann kunstvoll verwischte – Lippenstiftmünder sehe, denke ich nicht an jemanden, der mir ein Stäbchen in die Vagina schiebt, um Proben meiner Gebärmutterschleimhaut zu nehmen. Genau darum geht es aber», heisst es bei dem Online-Portal.

Der britische «Guardian» wiederum bemängelt, mit der Selfie-Aktion werde eine für viele Frauen unangenehme Vorsorgeuntersuchung als trivial dargestellt. «Wenn Gesundheitsorganisationen Frauen wirklich dazu bringen wollen, sich checken zu lassen, brauchen sie mehr als einen schlauen Hashtag», schreibt die Wissenschafts-Bloggerin Vicki Jamieson

Viele Leute scheinen solche Bedenken allerdings nicht zu stören. Gut eine Woche nach dem Start von #smearforsmear posten sie fleissig Schmierselfies. Hier sind ein paar besonders schöne.   

Und was denkt ihr? Braucht die Welt einen Hashtag #smearforsmear, oder ist das alles quatschiger Viral-Müll? Sagt uns Eure Meinung! 

(rls)

Mit #smearforsmear gegen Krebs - wie findet Ihr die Selfie-Kampagne?

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