Drei Tote auf Kreuzfahrtschiff: So gefährlich sind Hantaviren
Auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik ist es zu einem Ausbruch des Hantavirus gekommen. Mehrere Passagiere erkrankten, drei Menschen starben.
Nur einer der Fälle ist bislang im Labor nachgewiesen, die restlichen Infektionen gelten als Verdachtsfälle.
Das Schiff startete in Ushuaia im Süden Argentiniens und befand sich mit rund 150 Personen an Bord zuletzt kurz vor seinem Zielhafen auf den Kapverden.
Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Hantavirus:
Was ist das Hantavirus?
Hantaviren kommen in kleinen Nagetieren (meist Mäusen) vor. Die Tiere selbst erkranken nicht, scheiden das Virus aber über Urin, Kot und Speichel aus.
Es gibt verschiedene Hantavirus-Typen, die sich in ihrer Verbreitung und den verursachten Krankheitsbildern unterscheiden. Zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch kam es bislang nur bei einem äusserst seltenen Virustyp.
Wie steckt man sich an?
Menschen infizieren sich meist nicht durch direkten Kontakt mit den Tieren, sondern durch das Einatmen von virusbelasteten Partikeln. Das kann zum Beispiel beim Putzen von Garagen, Schuppen oder Kellern passieren. Auch über kontaminierten Staub können die Viren in die Luft gelangen. Auf diese Weise gelangen sie über die Atemwege in den Körper. Eine Ansteckung durch Nagerbisse ist auch möglich, aber sehr selten.
Wo kommt das Hantavirus vor?
Hantaviren sind weltweit verbreitet. In Europa werden seit 2000 jährlich rund 3000 Fälle gemeldet, wobei die Schweiz nur selten betroffen ist, wie das BAG schreibt. In Europa sind vor allem Rötelmäuse und Wühlmäuse als Überträger bekannt.
Deutschland, Finnland, Österreich und Slowenien zählen zu den Ländern in Europa mit der höchsten Anzahl an gemeldeten Hantavirus-Infektionen. Schwere Krankheitsverläufe sind in Europa äusserst selten.
Warum schwanken die jährlichen Zahlen?
Vor allem in Deutschland variieren die jährlichen Zahlen stark. Das liegt vor allem daran, dass die Mäusepopulation von Jahr zu Jahr schwankt – abhängig von Wetter und Nahrungsangebot. In Jahren mit mildem Wetter und viel Nahrung vermehren sich die Mäuse stärker und es gibt mehr Infektionen.
Wie gefährlich ist das Hantavirus?
Die meisten Hantavirus-Infektionen verlaufen asymptomatisch. In der Regel beginnt die Erkrankung mit plötzlich hohem Fieber (über 38,5 Grad Celsius) und grippeähnlichen Beschwerden wie Schüttelfrost, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen. Auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Nackensteifigkeit, Schwindel und Sehstörungen können vorkommen.
In Europa und Asien verursachen bestimmte Hantavirus-Typen vor allem das sogenannte hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS). Dabei kann es zu Nierenfunktionsstörungen bis hin zu akutem Nierenversagen kommen. Die Sterblichkeit liegt zwischen 1 und 15 Prozent.
In Europa und Asien kann es zu Nierenproblemen bis hin zu Nierenversagen kommen. Bei HFRS nehmen 1 bis 15 Prozent der Fälle einen tödlichen Verlauf. In Amerika können die Viren zusätzlich schwere Lungenprobleme verursachen, die deutlich gefährlicher sind und häufiger zum Tod führen können.
In Nord- und Südamerika treten andere Hantavirus-Typen auf. Diese können das Hantavirus Pulmonary Syndrome (HPS) auslösen, das deutlich gefährlicher ist. Es kann zu Atemproblemen bis hin zu Lungenversagen kommen. Bis zu 50 Prozent dieser Fälle enden tödlich.
Wie schützt man sich?
Vorbeugung besteht vor allem darin, den Kontakt zu Nagetieren zu vermeiden. Massnahmen dafür sind eine sichere Lagerung von Lebensmitteln oder etwa das Abdichten von Löchern im Haus, damit keine Mäuse eindringen können.
Räume wie Keller, Garagen oder Schuppen sollten vor dem Putzen gut durchlüftet werden – mindestens 30 Minuten. Beim Reinigen sollte kein Staub aufgewirbelt werden. Also nicht trocken staubsaugen oder kehren, sondern alles vorher mit einem Reinigungsmittel anfeuchten. Denn das Aufsaugen von kontaminiertem Staub wirbelt die Viren auf und verteilt sie in der Luft. Auch hilfreich ist das Tragen von Einmalhandschuhen oder einer Maske.
Gibt es eine Impfung?
Es gibt weder eine Impfung noch eine spezifische Behandlung, es werden daher nur die Symptome behandelt.
