Wieso wir den Weltfrauentag am 8. März feiern – und es ihn immer noch braucht
An diesem Sonntag feiern Menschen weltweit den Internationalen Tag der Frau. Kurz vor den Feierlichkeiten haben die Vereinten Nationen der Gleichberechtigung von Mann und Frau ein verheerendes Urteil ausgestellt. «Viel zu oft bleiben die Täter ungestraft», kritisiert etwa Sarah Hendriks von der UN-Frauenorganisation in New York.
Weshalb es den Weltfrauentag also immer noch braucht, warum er auf den 8. März angesetzt ist und was Russland damit zu tun hat, erfährst du hier:
Warum braucht es sowas wie den Weltfrauentag noch?
«Kein Land der Welt hat die vollständige rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht», sagt Hendriks von den Vereinten Nationen und zieht damit kurz vor dem Weltfrauentag ein vernichtendes Fazit.
Mehr als die Hälfte der Länder weltweit definiere Vergewaltigung etwa nicht auf der Grundlage der Einwilligung. In 74 Prozent der Länder seien Kinderehen legal. In 44 Prozent der Länder gebe es kein Gesetz, das gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit vorschreibe, so Hendriks.
Allein in den vergangenen zwei Jahren sei der Anteil von Frauen und Mädchen an den Opfern konfliktbezogener sexueller Gewalt auf insgesamt 87 Prozent gestiegen. «Viel zu oft bleiben die Täter ungestraft», kritisierte Hendriks. Grund dafür sei auch, dass viele Frauen und Mädchen die Konsequenzen etwa einer Anzeige fürchteten.
Die Fälle Epstein und Pelicot zeichnen gerade in diesem Jahr ein schwieriges Bild und genau deshalb braucht es auch in diesem Jahr einen Weltfrauentag.
Update
Was feiern wir am Weltfrauentag?
Der Internationale Frauentag wird seit über hundert Jahren in vielen Ländern der Welt zelebriert. Die Vereinten Nationen beschreiben den Tag so:
Weltweit schliessen sich Gruppen und Einzelpersonen zusammen, um die Förderung von Frauen zu feiern und zu unterstützen. Jedes Jahr am 8. März nehmen sie den Tag zum Anlass, um ...
- ... die Errungenschaften von Frauen zu feiern.
- ... Aufklärung und Bewusstseinsbildung für die Gleichstellung von Frauen zu betreiben.
- ... zu positiven Veränderungen aufzurufen, die Frauen voranbringen sollen.
- ... für eine beschleunigte Geschlechterparität zu lobbyieren.
- ... für Wohltätigkeitsorganisationen, die sich für Frauen einsetzen, zu sammeln.
Wieso wird der Weltfrauentag am 8. März gefeiert?
Der erste nationale Frauentag wurde in den USA ins Leben gerufen – am 28. Februar 1909. Die Sozialistische Partei (Socialist Party of America) bestimmte diesen Tag zu Ehren eines Streiks von Näherinnen in New York ein Jahr zuvor. Die Frauen hatten gegen die Arbeitsbedingungen protestiert.
Der Tag wurde als Erfolg gefeiert, vor allem weil sich auch bürgerliche Frauenrechtlerinnen (Suffragetten) den Sozialistinnen anschlossen. Die Proteste inspirierten in Übersee die deutsche Sozialistin Clara Zetkin, die im Jahr darauf auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vorschlug.
1911 wurde als Folge in einer Reihe von europäischen Ländern, auch in der Schweiz, ein Tag für Frauen gefeiert. Zunächst aber am 19. März, um der Revolutionen von 1848 zu gedenken. Neben dem Wahlrecht und dem Recht, öffentliche Ämter zu bekleiden, forderten die Frauen das Recht auf Arbeit, auf Berufsausbildung und ein Ende der Diskriminierung am Arbeitsplatz.
Der Internationale Frauentag wurde aber auch zu einem Mittel des Protests gegen den Ersten Weltkrieg. 1917 begingen als Teil der Friedensbewegung russische Frauen am letzten Sonntag im Februar ihren ersten Internationalen Frauentag. Weil aber in Russland damals noch der Julianische Kalender galt, fiel dieser 23. Februar im restlichen Europa auf den 8. März.
Vor dem Hintergrund des Krieges und der über zwei Millionen Toten entschieden sich die Frauen in Russland am letzten Sonntag im Februar (nach dem Gregorianischen Kalender der 8. März) für Proteste und Streiks – für «Brot und Frieden». Vier Tage später dankte der Zar ab und die provisorische Regierung gewährte den Frauen das Wahlrecht. Der Tag löste also unter anderem die Februarrevolution in Russland aus – und besiegelte den 8. März als internationalen Tag der Frau.
In anderen europäischen Ländern fanden um den 8. März des folgenden Jahres dann ebenfalls Kundgebungen statt, um gegen den Krieg zu protestieren oder die Solidarität mit den russischen Aktivistinnen und Aktivisten zu bekunden.
Wie feiert man am 8. März weltweit?
In einigen Ländern ist der internationale Frauentag sogar ein offizieller Feiertag. Dazu gehören gemäss der Plattform internationalwomensday.com: Armenien, Belarus, Burkina Faso, Kambodscha, China (nur für Frauen in Staatsbetrieben), Kuba, Eritrea, Kasachstan, Kirgistan, Laos, Madagaskar (nur für Frauen), Mongolei, Nepal (nur für Frauen), Russland, Tadschikistan, Uganda, Ukraine, Vietnam und Sambia. 2019 führte das deutsche Bundesland Berlin – als erste Verwaltungseinheit in der EU – den 8. März als gesetzlichen Feiertag ein. Mittlerweile hat auch Mecklenburg-Vorpommern nachgezogen.
Viele Gruppen seien allerdings der Meinung, dass der 8. März kein gesetzlicher Feiertag sein soll, so internationalwomensday.com. Die Idee: Der Weltfrauentag sei ein Tag des Aktivismus. So biete er eine wesentliche und vor allem sichtbare Gelegenheit, etwas zu bewirken.
Unabhängig davon, ob der Tag ein offizieller Feiertag ist oder nicht, wird der 8. März weltweit unterschiedlich gefeiert. Einige Beispiele:
- In Italien geniessen Frauen am 8. März vielerorts freien Eintritt – in Museen, Discos oder diversen Lokalen. Ausserdem feiert man die Frauen im ganzen Land mit der Schenkung einer Mimose. Die gelbe Blume gilt dort als Symbol des Frauentags.
- In Südamerika, vor allem in Chile und Argentinien, gibt es seit einigen Jahren grosse Märsche mit oft über Hunderttausenden Teilnehmenden. Dabei wird oft auch gegen sexualisierte Gewalt an Frauen protestiert. Das Besondere dort: Viele Menschen tragen grüne Einstecktücher oder Halstücher. Sie stehen allgemein in Lateinamerika als Symbol für die reproduktiven Rechte der Frauen.
(mit Material der sda)
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