International
Gleichstellung

Weltfrauentag 2026: Darum feiern wir am 8. März die Frauen

epa11950585 A woman participates in a demonstration on International Women's Day in Bogota, Colombia, 08 March 2025. International Women's Day is observed annually on 08 March. EPA/Vannessa  ...
Der Internationale Tag der Frau wird weltweit gefeiert.Bild: keystone

Wieso wir den Weltfrauentag am 8. März feiern – und es ihn immer noch braucht

08.03.2026, 16:4808.03.2026, 16:48

An diesem Sonntag feiern Menschen weltweit den Internationalen Tag der Frau. Kurz vor den Feierlichkeiten haben die Vereinten Nationen der Gleichberechtigung von Mann und Frau ein verheerendes Urteil ausgestellt. «Viel zu oft bleiben die Täter ungestraft», kritisiert etwa Sarah Hendriks von der UN-Frauenorganisation in New York.

Weshalb es den Weltfrauentag also immer noch braucht, warum er auf den 8. März angesetzt ist und was Russland damit zu tun hat, erfährst du hier:

Warum braucht es sowas wie den Weltfrauentag noch?

epaselect epa12791563 French Gisele Pelicot, who became a global feminist icon after being a victim of sexual violence, poses during the presentation of her memoirs 'A Hymn to Life' in Madri ...
Gisèle Pelicot wurde in den letzten Monaten zum Gesicht der Bewegung gegen Gewalt an Frauen.Bild: keystone

«Kein Land der Welt hat die vollständige rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht», sagt Hendriks von den Vereinten Nationen und zieht damit kurz vor dem Weltfrauentag ein vernichtendes Fazit.

Mehr als die Hälfte der Länder weltweit definiere Vergewaltigung etwa nicht auf der Grundlage der Einwilligung. In 74 Prozent der Länder seien Kinderehen legal. In 44 Prozent der Länder gebe es kein Gesetz, das gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit vorschreibe, so Hendriks.

Allein in den vergangenen zwei Jahren sei der Anteil von Frauen und Mädchen an den Opfern konfliktbezogener sexueller Gewalt auf insgesamt 87 Prozent gestiegen. «Viel zu oft bleiben die Täter ungestraft», kritisierte Hendriks. Grund dafür sei auch, dass viele Frauen und Mädchen die Konsequenzen etwa einer Anzeige fürchteten.

Die Fälle Epstein und Pelicot zeichnen gerade in diesem Jahr ein schwieriges Bild und genau deshalb braucht es auch in diesem Jahr einen Weltfrauentag.

Update
Diese Story ist bereits auf watson veröffentlicht worden. Aus aktuellem Anlass haben wir uns entschieden, sie zu aktualisieren und erneut zu publizieren.

Was feiern wir am Weltfrauentag?

Eine Frau mit der Aufschrift GEWALT IST NIE PRIVAT auf ihrem Schirm nimmt teil am Frauenstreik in Basel, am Dienstag, 14. Juni 2022. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Bild: keystone

Der Internationale Frauentag wird seit über hundert Jahren in vielen Ländern der Welt zelebriert. Die Vereinten Nationen beschreiben den Tag so:

«Es ist ein Tag, an dem Frauen für ihre Leistungen gewürdigt werden – ohne Rücksicht auf nationale, ethnische, sprachliche, kulturelle, wirtschaftliche oder politische Unterschiede.»
Vereinte Nationen

Weltweit schliessen sich Gruppen und Einzelpersonen zusammen, um die Förderung von Frauen zu feiern und zu unterstützen. Jedes Jahr am 8. März nehmen sie den Tag zum Anlass, um ...

  • ... die Errungenschaften von Frauen zu feiern.
  • ... Aufklärung und Bewusstseinsbildung für die Gleichstellung von Frauen zu betreiben.
  • ... zu positiven Veränderungen aufzurufen, die Frauen voranbringen sollen.
  • ... für eine beschleunigte Geschlechterparität zu lobbyieren.
  • ... für Wohltätigkeitsorganisationen, die sich für Frauen einsetzen, zu sammeln.

Wieso wird der Weltfrauentag am 8. März gefeiert?

Der erste nationale Frauentag wurde in den USA ins Leben gerufen – am 28. Februar 1909. Die Sozialistische Partei (Socialist Party of America) bestimmte diesen Tag zu Ehren eines Streiks von Näherinnen in New York ein Jahr zuvor. Die Frauen hatten gegen die Arbeitsbedingungen protestiert.

Der Tag wurde als Erfolg gefeiert, vor allem weil sich auch bürgerliche Frauenrechtlerinnen (Suffragetten) den Sozialistinnen anschlossen. Die Proteste inspirierten in Übersee die deutsche Sozialistin Clara Zetkin, die im Jahr darauf auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vorschlug.

(Eingeschränkte Rechte für bestimmte redaktionelle Kunden in Deutschland. Limited rights for specific editorial clients in Germany.) Clara Zetkin*05.07.1857-20.06.1933+ Politikerin, SPD / KPD, D- sitz ...
Clara Zetkin nach der Rückkehr von einer Reise in die Sowjetunion. Sie gilt heute als eine der Begründerinnen des Weltfrauentags. Bild: ullstein bild

1911 wurde als Folge in einer Reihe von europäischen Ländern, auch in der Schweiz, ein Tag für Frauen gefeiert. Zunächst aber am 19. März, um der Revolutionen von 1848 zu gedenken. Neben dem Wahlrecht und dem Recht, öffentliche Ämter zu bekleiden, forderten die Frauen das Recht auf Arbeit, auf Berufsausbildung und ein Ende der Diskriminierung am Arbeitsplatz.

Der Internationale Frauentag wurde aber auch zu einem Mittel des Protests gegen den Ersten Weltkrieg. 1917 begingen als Teil der Friedensbewegung russische Frauen am letzten Sonntag im Februar ihren ersten Internationalen Frauentag. Weil aber in Russland damals noch der Julianische Kalender galt, fiel dieser 23. Februar im restlichen Europa auf den 8. März.

Demonstration in Teatralny Proyezd (Moscow) during the February Revolution. Photo by A. Savelyev.. (Photo by: Universal History Archive/Universal Images Group via Getty Images)
Die Februarrevolution in Moskau 1917. Bild: Getty images

Vor dem Hintergrund des Krieges und der über zwei Millionen Toten entschieden sich die Frauen in Russland am letzten Sonntag im Februar (nach dem Gregorianischen Kalender der 8. März) für Proteste und Streiks – für «Brot und Frieden». Vier Tage später dankte der Zar ab und die provisorische Regierung gewährte den Frauen das Wahlrecht. Der Tag löste also unter anderem die Februarrevolution in Russland aus – und besiegelte den 8. März als internationalen Tag der Frau.

In anderen europäischen Ländern fanden um den 8. März des folgenden Jahres dann ebenfalls Kundgebungen statt, um gegen den Krieg zu protestieren oder die Solidarität mit den russischen Aktivistinnen und Aktivisten zu bekunden.

Wie feiert man am 8. März weltweit?

acacia dealbata blüte blume mimose falsche mimose akazienblüte mimosa https://de.wikipedia.org/wiki/Silber-Akazie#/media/Datei:Acacia_dealbata_Garden_060407w.jpg
In Italien ist die Mimose das Symbol für den Weltfrauentag.Bild: wikicommons

In einigen Ländern ist der internationale Frauentag sogar ein offizieller Feiertag. Dazu gehören gemäss der Plattform internationalwomensday.com: Armenien, Belarus, Burkina Faso, Kambodscha, China (nur für Frauen in Staatsbetrieben), Kuba, Eritrea, Kasachstan, Kirgistan, Laos, Madagaskar (nur für Frauen), Mongolei, Nepal (nur für Frauen), Russland, Tadschikistan, Uganda, Ukraine, Vietnam und Sambia. 2019 führte das deutsche Bundesland Berlin – als erste Verwaltungseinheit in der EU – den 8. März als gesetzlichen Feiertag ein. Mittlerweile hat auch Mecklenburg-Vorpommern nachgezogen.

Viele Gruppen seien allerdings der Meinung, dass der 8. März kein gesetzlicher Feiertag sein soll, so internationalwomensday.com. Die Idee: Der Weltfrauentag sei ein Tag des Aktivismus. So biete er eine wesentliche und vor allem sichtbare Gelegenheit, etwas zu bewirken.

A woman with text written on her chest that reads in Spanish reading "If you touch one of us, you touch us all," attends a demonstration to commemorate International Women's Day in Buen ...
Eine Frau protestiert am 8. März 2018 in Buenos Aires, Argentinien. Bild: AP/AP

Unabhängig davon, ob der Tag ein offizieller Feiertag ist oder nicht, wird der 8. März weltweit unterschiedlich gefeiert. Einige Beispiele:

  • In Italien geniessen Frauen am 8. März vielerorts freien Eintritt – in Museen, Discos oder diversen Lokalen. Ausserdem feiert man die Frauen im ganzen Land mit der Schenkung einer Mimose. Die gelbe Blume gilt dort als Symbol des Frauentags.
  • In Südamerika, vor allem in Chile und Argentinien, gibt es seit einigen Jahren grosse Märsche mit oft über Hunderttausenden Teilnehmenden. Dabei wird oft auch gegen sexualisierte Gewalt an Frauen protestiert. Das Besondere dort: Viele Menschen tragen grüne Einstecktücher oder Halstücher. Sie stehen allgemein in Lateinamerika als Symbol für die reproduktiven Rechte der Frauen.

(mit Material der sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese Frauen sind 2024 an der Macht
1 / 33
Diese Frauen sind 2024 an der Macht
Giorgia Meloni ist seit 2022 italienische Ministerpräsidentin und damit die erste Regierungschefin des Landes.
quelle: keystone / filippo attili/chigi palace pres
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Unsere Gedanken, wenn wir nachts alleine nachhause gehen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Wahlen in Baden-Württemberg: Grüne liegen hauchdünn vor der CDU
Bei der Landtagswahl im südwestdeutschen Bundesland Baden-Württemberg liefern sich die Grünen und die christdemokratische CDU ein knappes Rennen um Platz eins – mit einem hauchdünnen Vorsprung für die Grünen.
Das geht aus Hochrechnungen von ARD und ZDF hervor. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir könnte damit in die Fussstapfen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dem ersten und bisher einzigen Regierungschef der Grünen in einem deutschen Bundesland, treten. Über Monate hatte die CDU mit Landeschef Manuel Hagel in Umfragen deutlich geführt, am Ende legten die Grünen aber eine rasante Aufholjagd hin.
Zur Story