bedeckt
DE | FR
International
Griechenland

Migrationskrise auf Lesbos: Diese 7 Bilder zeigen das Chaos auf der Insel

Diese 7 Bilder zeigen, was gerade in Griechenland passiert

Am Freitag öffnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Grenzen der Türkei in Richtung EU. Damit löste er eine neue Migrationsbewegung aus. 7 Bilder zeigen, was gerade in Griechenland passiert.
03.03.2020, 10:2203.03.2020, 15:39
Helene Obrist
Folge mir
Mehr «International»

Was passiert gerade in Griechenland?

Migrants arrive at the village of Skala Sikaminias, on the Greek island of Lesbos, after crossing on a dinghy the Aegean sea from Turkey on Monday, March 2, 2020. Thousands of migrants and refugees ma ...
Zu Fuss und mit nur einem Rucksack voller Habseligkeiten versuchen die Geflüchteten nach Europa zu gelangen. Bild: AP, Bild aufgenommen am 2. März

Mehrere tausend geflüchtete Menschen strömen derzeit an die türkisch-griechischen Grenzen. Zu Fuss über den Landweg oder per Boot über die Ägäis versuchen sie, in die EU zu gelangen. Die Lage ist angespannt. Die EU-Grenzschutzagentur Frontex erwartet in den kommenden Tagen eine weitere Zuspitzung der Krise an den EU-Grenzen zur Türkei.

Es werden «Massenmigrationsströme nach Griechenland erwartet», schrieb die Behörde (Frontex Situation Centre) am Wochenende in einem internen und vertraulichen «Situationsbericht zur griechisch-türkischen Grenze», der dem Nachrichtenblatt «Welt» vorliegt.

Was löste die Ausnahmesituation an den EU-Grenzen aus?

Turkish President Recep Tayyip Erdogan speaks to his ruling party members, in Ankara, Turkey, Thursday, Feb. 27, 2020. Erdogan said Thursday that fighting in northwest Syria had swung in favor of Turk ...
«Wir haben die (Grenz-) Tore gestern geöffnet», verkündete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag. Bild: AP

Schuld daran ist ein Satz, gesagt vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Am Samstag sagte er in Istanbul: «Wir haben die (Grenz-) Tore gestern geöffnet.» Man werde die Geflüchteten auf dem Weg in Richtung Europa nicht mehr aufhalten, so Erdogan.

Mit dieser Reaktion übt Erdogan Kritik am Abkommen mit der EU. Der mit der Türkei 2016 abgeschlossene Flüchtlingspakt sieht eigentlich vor, dass die Türkei Flüchtlinge und Migranten vom Weg in die EU abhält. Im Gegenzug erhält Ankara unter anderem finanzielle Unterstützung. Doch laut Erdogan habe die EU ihre Versprechen nicht gehalten. Die Türkei könne so viele Flüchtlinge nicht mehr versorgen.

Welche Grenzübergänge sind am stärksten betroffen?

Zahlreiche Geflüchtete, darunter Syrer, Iraner, Iraker, Marokkaner und Pakistaner, versuchen über die türkische Provinz Edirne an der Grenze zu Griechenland in die EU zu gelangen.

Ebenfalls stark betroffen von der aktuellen Situation ist die griechische Insel Lesbos. Allein am Sonntagvormittag sollen gemäss der Nachrichtenagentur ANA-MPA 220 Migranten angekommen sein. Reporter vor Ort berichten, dass weitere Boote auf dem Weg seien.

Migration Lesbos EU Türkei
Bild: datawrapper

Anders als in Griechenland sieht die Lage in Bulgarien aus, das ebenfalls eine EU-Aussengrenze zur Türkei hat. «An unserer Grenze (zur Türkei) gibt es null Migration», sagte Regierungschef Boiko Borissow am Samstag gemäss eines Berichts des Staatsfernsehens.

Grenzpolizei-Chef Swetlan Kitschikow bekräftigte am grössten bulgarisch-türkischen Grenzübergang bei Kapitan Andreewo, die Lage unterscheide sich nicht von der der vergangenen Tage. Migranten bewegten sich zwar von Istanbul nach Westen, allerdings nicht in Richtung Bulgariens Grenze.

Wie viele Menschen sind unterwegs?

epa08263903 Refugees walk back after a failed attempt to pass the Greek border near the Meric (Evros) River, as they try to find a way to reach Greek territory at the Turkish-Greek border in the Ipsal ...
In der türkischen Provinz Edirne gibt es Grenzübergänge zu Bulgarien und Griechenland. Viele Geflüchtete scheitern beim Grenzübergang. Auf dem Bild kehren zahlreiche zurück zu ihren Lagern, nachdem sie nicht über die Grenze gelassen wurden. Bild: EPA, bild aufgenommen am 2. märz

Seit Freitag seien 18'000 Flüchtlinge über die türkische Grenze in die EU gekommen. Laut der Uno-Organisation für Migration harren zudem rund 13'000 Menschen bei Frost auf der türkischen Seite der Grenze aus.

Wie gefährlich ist der Grenzübertritt für die Geflüchteten?

Migrants arrive at the village of Skala Sikaminias, on the Greek island of Lesbos, after crossing on a dinghy the Aegean sea from Turkey on Monday, March 2, 2020. Thousands of migrants and refugees ma ...
Migranten erreichen das Dorf Skala Sikaminias auf der griechischen Insel Lesbos. Die Überfahrt mit dem Schlauchboot ist lebensgefährlich.Bild: AP, bild aufgenommen am 2. märz

Der Grenzübertritt ist für die Geflüchteten mit viel Gefahr verbunden. Besonders über den Seeweg bringen sich die Menschen regelmässig in Lebensgefahr. Am Montagvormittag war ein Kleinkind beim Untergang eines Schlauchboots vor der Insel Lesbos ums Leben gekommen, wie das griechische Fernsehen (ERT) unter Berufung auf die Küstenwache berichtete. Das Kind kam an Bord eines Schlauchbootes mit 48 Flüchtlingen aus der Türkei an.

Nebst den Naturgefahren müssen die Geflüchteten auch mit aufgebrachten Reaktionen der griechischen Einwohner rechnen. Ein Video zeigt, wie ein wütender Mob, versammelt am Hafen der griechischen Insel Lesbos, ein Schlauchboot mit einer Stange zurück ins Gewässer zu stossen versucht. «Die Grenze ist geschlossen, warum kommt ihr hierher?», ruft ein Grieche den Geflüchteten im Boot zu.

Auch der Landweg über die Grenze ist mit Gefahren verbunden. So reagiert die griechische Polizei mit Tränengas und Blendgranaten auf die Grenzübertritte. Am Montag versuchten hunderte Menschen, die Grenze bei Kastanies zu passieren.

Migrants try to cut the fence at the Turkish-Greek border during clashes with the Greek police near the Pazarkule border gate in Edirne, Turkey on Monday, March 2, 2020.Thousands of migrants and refug ...
Migranten versuchen den Grenzzaun, der aus der Türkei nach Griechland führt, zu durchbrechen. Bild: AP, bild aufgenommen am 2. märz
Greek military fire teargas canisters during clashes between migrants and Greek police and army personnel near the Kastanies border gate at the Greek-Turkish border, Sunday, March 1, 2020. Migrants an ...
Mit Tränengas und Blendgranaten verteidigen die griechischen Behörden ihre Grenze. Bild: AP, bild aufgenommen am 1. märz

Wie reagiert die Politik?

Greek riot policemen guard as migrants gather near the Kastanies border gate at the Greek-Turkish border, Sunday, March 1, 2020. Thousands migrants massed at the Turkish-Greek border, and hundreds mor ...
Aufgrund der erhöhten Migration hat die griechische Polizei die Sicherheitsvorkehrungen an den Grenzübergängen erhöht. Hier patrouillieren griechische Polizisten in der Nähe des Grenzübergangs von Kastanies.Bild: AP, bild aufgenommen am 1. märz

Griechenland setzte bereits die Schutzvorkehrungen an seinen Grenzen auf die höchste Stufe herauf, wie Regierungschef Kyriakos Mitsotakis am Sonntagabend nach einer Krisensitzung des nationalen Sicherheitsrats mitteilte.

So sollen die Patrouillen an Land und zu Wasser im Nordosten des Landes verstärkt werden, nachdem die Türkei am Wochenende ihre Grenzen zur EU für Flüchtlinge geöffnet hat. Wie der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas ergänzte, will sein Land zudem einen Monat lang keine neuen Asylanträge mehr annehmen. Er sprach von einer «asymmetrischen Bedrohung der Sicherheit unseres Landes».

Petsas kritisierte zudem die Türkei, die mit der Öffnung ihrer Grenzen diplomatischen Druck ausüben wolle. Ankara sei damit «selbst zum Schlepper» geworden. Die Türkei hingegen wirft der EU vor, sich nicht an den 2016 geschlossenen Flüchtlingspakt zu halten.

Aus der griechischen Regierung hiess es am Wochenende, binnen 24 Stunden seien fast 10'000 Migranten an einem «illegalen» Grenzübertritt gehindert worden. Zudem wurden rund 140 Flüchtlinge festgenommen.

Die griechische Polizei drängte die Flüchtlinge am Grenzübergang Pazarkule am Samstag mit Tränengas zurück, daraufhin warfen einige der Migranten mit Steinen.

EU-Migrationskommissar Margaritis Schinas wird nach eigenen Worten an diesem Montag in Berlin sein. Er hatte am Wochenende eine baldige Sondersitzung der EU-Innenminister gefordert. Eine EU-Sprecherin erklärte am Sonntag, die Europäische Union sei in stetigem Kontakt mit den türkischen Behörden.

Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow reist an diesem Montag nach Ankara, um mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan über die Lage in Syrien und Flüchtlingsbewegungen zu sprechen. Wie die bulgarische Regierung am Sonntag mitteilte, werden die beiden bei einem Abendessen «Handlungen erörtern, die zur Bewältigung der Krise in Syrien und zum Stopp des Migrationsdrucks beitragen werden».

Mit Material von der sda

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Flüchtlinge kämpfen gegen Grenzen
1 / 15
Flüchtlinge kämpfen gegen Grenzen
15. September, Istanbul, Esenler Busbahnhof: Die Regierung hält Tickets an die Grenze zurück, Flüchtlinge protestieren.
quelle: getty images europe / ahmet sik
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Knackeboul beim Coiffeur im Flüchtlingslager
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
67 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Füürtüfäli
03.03.2020 11:39registriert März 2019
Die Einwohner von Lesbos
sind nicht einfach hasserfüllte Menschen, sondern selbst verzweifelt. Der Artikel könnte schon die Gründe für deren Zorn erwähnen.
46230
Melden
Zum Kommentar
avatar
Cirrum
03.03.2020 10:37registriert August 2019
Traurige Welt, müssen Menschen vom eigenen Land flüchten und werden so behandelt:-(
234189
Melden
Zum Kommentar
67
Ruby Franke: Urteil gegen Mama-YouTuberin gefallen – sie misshandelte ihren Sohn
Eine bekannte «Momfluencerin» gestand, dass sie ihre eigenen Kinder schwer misshandelt hat. Nun ist ein Urteil gefallen. Sie hörte auf eine Mentorin.

Die YouTube-Vloggerin Ruby Franke, die sich des schweren Kindesmissbrauchs an zwei ihrer Kinder schuldig bekannte, ist zu vier aufeinanderfolgenden Haftstrafen verurteilt worden. Die Mutter von sechs Kindern muss demnach ins Gefängnis. Wie lange, legt das Utah Board of Pardons and Parole noch fest, eine Stelle der Justiz, die nach Anhörung aller Seiten die Ausgestaltung von Strafen bestimmt.

Zur Story