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Wer wird neuer Labour-Chef? Das Rennen ist eröffnet



epa08063334 Labour Party Leader Jeremy Corbyn delivers a speech on the final day of general election campaigning in Bedford, Bedfordshire Britain, 11 December 2019. Britons go the polls 12 December in a general election.  EPA/ANDY RAIN

Er geht: Jeremy Corbyn. Bild: EPA

Nach dem Debakel bei der britischen Parlamentswahl hat die Labour-Partei mit der Suche nach einem neuen Chef begonnen. Am Dienstag eröffnete die Oppositionspartei das Rennen um die Nachfolge des bisherigen Parteivorsitzenden Jeremy Corbyn. Die Abstimmung gilt auch als Kampf um die künftige Ausrichtung der Partei, die seit 2010 vier Wahlen in Folge verlor.

Labour-Kandidaten haben noch eine Woche Zeit, sich für die Corbyn-Nachfolge zu bewerben. Vom 21. Februar bis 2. April können die rund 500'000 Parteimitglieder dann ihre Stimmen abgeben. Das Wahlergebnis wird am 4. April bekanntgegeben.

Bislang kündigten sechs Parteimitglieder offiziell ihre Kandidatur an. Als Favorit geht der Labour-Sprecher für den Brexit, Keir Starmer, ins Rennen. Der 57-jährige Ex-Direktor der britischen Staatsanwaltschaft gilt als Kandidat der Mitte. Seine Wahl wäre ein deutliches Signal für eine Neuausrichtung der Partei.

epa07974272 Labour Party Brexit Secretary Keir Starmer delivers a speech on Brexit in Harlow, Essex, Britain, 05 November 2019. Britons go the polls on 12 December in a general election.  EPA/ANDY RAIN

Keir Starmer Bild: EPA

Als natürliche Nachfolgerin Corbyns gilt dagegen die wirtschaftspolitische Sprecherin Rebecca Long Bailey, die von den Gewerkschaften und der Basisorganisation Momentum unterstützt wird.

epa07473340 Shadow Secretary of State for Business, Energy and Industrial Strategy Rebecca Long Bailey speaks during a march and rally protesting the closure of the Honda plant in Swindon, Britain, 30 March 2019. The Japanese car manufacturer had announced closing the car plant in Swindon in 2021 with the loss of an estimated 3,500 jobs.  EPA/WILL OLIVER

Rebecca Long Bailey Bild: EPA/EPA

Die Partei brauche eine Vorsitzende, «die mit unserer sozialistischen Agenda betraut werden kann», erklärte Long Bailey bei der Verkündung ihrer Kandidatur am Dienstag in der Zeitschrift «Tribune».

In dem Beitrag verteidigte Long Bailey auch die Ära Corbyn. «Ich stehe nicht nur hinter seiner Politik, sondern habe die letzten vier Jahre damit verbracht, sie zu erarbeiten», betonte sie.

Historische Niederlage

Weitere Bewerber sind der Schatten-Finanzminister Clive Lewis, die aussenpolitische Sprecherin Emily Thornberry sowie die Unterhaus-Abgeordneten Jess Phillips und Lisa Nandy.

Die Kandidaten brauchen die Unterstützung von mindestens 22 Unterhaus- oder EU-Abgeordneten sowie von fünf Prozent regionaler Labour-Gliederungen oder drei mit Labour verbündeter Organisationen, darunter mindestens zwei Gewerkschaften.

Labour hatte bei der Parlamentswahl am 12. Dezember ihr schlechtestes Ergebnis seit 1935 eingefahren und viele ihrer jahrzehntelangen Hochburgen an die Tories verloren - vor allem im Norden des Landes, wo die Menschen beim Referendum 2016 mehrheitlich für einen EU-Austritt gestimmt hatten.

Der 70-jährige Corbyn, der seit 2015 an der Spitze der Partei steht, kündigte in der Folge seinen Rückzug an. Viele Parteimitglieder machten ihn wegen seiner unklaren Position zum Brexit persönlich verantwortlich für die historische Wahlschlappe.

Labour will Zeitgewinn

Im britischen Parlament sollten am Dienstagnachmittag die dreitägigen abschliessenden Brexit-Beratungen beginnen, in denen das von Premierminister Boris Johnson ausgehandelte Austrittsabkommen mit der EU gesetzlich verankert werden soll.

Erwartet wird, dass das Gesetz mit kleinen Änderungen angenommen wird und im Anschluss dem House of Lords vorgelegt werden kann. Am 20. Dezember hatte das Unterhaus mit 358 gegen 234 Stimmen für das Abkommen gestimmt. Vor einer Ratifizierung des Abkommens muss auch das EU-Parlament dem Abkommen zustimmen.

Die Labour-Abgeordneten im Unterhaus wollen für eine Überarbeitung des Austrittsabkommens kämpfen. Ihr Ziel ist vor allem ein Zeitgewinn: Die Oppositionspartei befürchtet, dass die elfmonatige Übergangsphase nicht ausreicht, um ein neues Freihandelsabkommen mit Brüssel auszuhandeln.

Die französische Regierung erklärte am Dienstag, einen möglichen Antrag Grossbritanniens auf Verlängerung der Übergangszeit über 2020 hinaus zu unterstützen. «Frankreich wird die Inhalte eines Abkommens nicht aufgrund von Zeitfragen aufs Spiel setzen», sagte Europastaatssekretärin Amélie de Montchalin vor Journalisten in Paris. (aeg/sda/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Avalon 07.01.2020 19:10
    Highlight Highlight Bitte, was ist an der sozialistischen Politik von Corbyn falsch?
    Auch ist es nicht wahr, dass er deutlich weniger Stimmen hatte, sondern das hängt, ähnlich wie in den USA, mit dem veralteten Majorzwahlsystem zusammen. Wenn man die effektiven Stimmen zählen würde (wie in der Schweiz), hätte Labour gar nicht so schlecht abgeschnitten.
    • Shabaqa 07.01.2020 19:30
      Highlight Highlight Was an der Politik falsch ist? Labour gewinnt keine Wahlen damit.

      Und Corbyn hatte deutlich weniger Stimmen, nämlich 32,2 % gegenüber 43,6 % der Konservativen. Das ist ein mieses Resultat und die deutliche Mehrheit kannst du bei dem Ergebnis nicht auf das Wahlsystem schieben - im Gegensatz etwa zum Wahlsieg Blairs 2005, als er mit rund 35 % der Stimmen 355 Sitze holte und Michael Howard mit rund 32 % für die Konservativen 198 Sitze.

      Fazit: falscher Mann, falsche Politik
    • bebby 07.01.2020 21:55
      Highlight Highlight Labour versenkt sich selbst in die Bedeutungslosigkeit. Die letzten Wahlen haben klar gezeigt, was Corbyn der Partei bringt.
      Die Tories haben sich hingegen so nei erfunden, dass sie wieder mehrheitsfähig sind.
    • *klippklapp* 08.01.2020 11:46
      Highlight Highlight Corbyn hat bei den letzten Wahlen, als er noch die Haltung vertrat, dass man das Brexit-Votum akzeptieren sollte, überraschend gut abgeschnitten.
      Nun wurde er von dem wirtschaftsliberalen Flügel dazu gebracht seine Haltung gegenüber dem Brexit zu ändern und auf ein zweites Referendum zu setzten.
      Persönlich fand ich sein Vorschlag gut, es scheint aber so, dass die Briten dies nicht goutiert haben und den Brexit "hinter sich bringen wollen".
      Die beiden Wahlen zeigen, dass es wohl weniger um die Person und seine Politik ging, sondern schlichtweg um die Haltung zum Brexit.
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