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Trotz Legionellenfund: London will Geflüchtete auf Lastkahn unterbringen

Trotz Legionellenfund: London will Geflüchtete weiter auf Lastkahn unterbringen

14.08.2023, 13:03
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Die britische Regierung hat die Unterbringung von Migranten auf einem Lastkahn vor der südenglischen Küste auch nach einem Legionellenfund verteidigt.

The Bibby Stockholm accommodation barge at Portland Port in Dorset, England, Tuesday August 1, 2023. The British Home Office have said around 50 asylum seekers would board the Bibby Stockholm, with th ...
Die«Bibby Stockholm» im Hafen von Portland.Bild: keystone

Zehntausende Migranten in Hotels unterzubringen, koste die Steuerzahler sechs Millionen Pfund (6,7 Mio Franken) pro Tag, sagte Gesundheitsminister Steve Barclay am Montag dem Sender Sky News. «Es ist wichtig, dass wir die Sicherheitsstandards einhalten, aber auch den Druck auf die Steuerzahler in Bezug auf diese sechs Millionen berücksichtigen.»

39 Menschen waren vergangene Woche auf die dreistöckige «Bibby Stockholm» im Hafen von Portland gebracht worden. Wegen Legionellenwerten im Wassersystem wurden sie aber nach wenigen Tagen von Bord geholt. Niemand habe sich infiziert, sagte der konservative Politiker Barclay. «Es gibt also keine Bedenken in Bezug auf die Personen, die sich auf dem Lastkahn befanden.» Auf der «Bibby Stockholm» sollen insgesamt bis zu 500 Menschen untergebracht werden.

Legionellen können Krankheiten von grippeartigen Beschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen auslösen.

Nach Angaben des örtlichen Gemeinderats wurde das Innenministerium bereits am vergangenen Montag über den Legionellen-Fund informiert - also dem Tag, an dem die ersten an Bord gebracht wurden. Hingegen betonte die Regierung, sie habe davon erst am Donnerstag erfahren.

Die Unterbringung gehört zu den Massnahmen, mit denen die Regierung irreguläre Migranten von der gefährlichen Überfahrt abhalten will. Doch das gelingt kaum - wie auch das Unglück am Wochenende zeigt, bei dem sechs Afghanen im Ärmelkanal ums Leben kamen und Dutzende aus dem Wasser gerettet werden mussten. Der in England lebende afghanische Autor Gulwali Passarlay sagte der britischen Nachrichtenagentur PA: «Es ist schockierend, und ich bin nicht überrascht, dass dies passiert, wenn wir mit der Politik der Feindseligkeit und Abschreckung sowie dem Fehlen sicherer Routen und humanitärer Korridore fortfahren.» Die Regierung habe «Blut an ihren Händen». (sda/dpa)

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