Grossbritannien-Wahlen: Farage-Partei gewinnt Sitze – Rückschlag für Labour
Bei den Regional- und Kommunalwahlen in Grossbritannien hat die regierende Labour-Partei von Premierminister Keir Starmer am Freitag schwere Verluste erlitten. Die populistische Anti-Einwanderungspartei Reform UK von Nigel Farage profitierte am stärksten bei den Abstimmungen und gewann in England mehr als 225 Sitze in den Kommunalvertretungen hinzu.
Den ersten Ergebnissen zufolge verlor Labour in traditionellen Hochburgen in Mittel- und Nordengland sowie in Teilen Londons massiv an Zustimmung. Dies erhöht den Druck auf Starmer, zwei Jahre nach seinem erdrutschartigen Wahlsieg.
In einigen Regionen ging Labour komplett leer aus. So verlor die Partei in Tameside im Grossraum Manchester erstmals seit fast 50 Jahren die Kontrolle über den Stadtrat, nachdem Reform UK alle 14 zur Wahl stehenden Sitze eroberte. Zudem musste Labour in der ehemaligen Bergbaustadt Wigan 20 Mandate an die Partei von Farage abgeben. Die Ergebnisse seien niederschmetternd, sagte die Labour-Abgeordnete Rebecca Long-Bailey.
Rücktrittsforderung an Starmer
In Hartlepool im Nordosten Englands verlor Labour sechs Sitze und damit die Mehrheit im Stadtrat. Reform UK hingegen gewann elf Sitze hinzu und liegt so mit 15 Sitzen gleichauf mit Labour.
Jonathan Brash, Labour-Abgeordneter der Stadt, forderte daraufhin den Rücktritt Starmers. Er hoffe, dass Starmer zurücktrete, aber es gehe um mehr als das, sagte Brash dem «Guardian»: «Ich denke, das Beste, was der Premierminister jetzt tun könnte, wäre, morgen eine Ansprache an die Nation zu halten und einen Zeitplan für seinen Rücktritt vorzulegen.» Es brauche einen mutigeren Ansatz, um das Land grundlegend zu sanieren.
Auch der Labour-Abgeordnete John McDonnell stellte die Möglichkeit eines Rücktritts von Starmer in den Raum, formulierte es in der Nacht aber vorsichtiger. Ein möglicher Führungswechsel müsse «auf der Tagesordnung stehen», sollte Labour einen «Albtraum» erleben, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Press Association.
Es solle aber «keinen übereilten Putsch geben», so McDonnell. «Die Partei muss sich überlegen, warum wir in dieser Situation sind, und diese Diskussion sollte auf allen Ebenen der Partei stattfinden und alle Themen berücksichtigen, einschliesslich der Frage, warum es so viele politische Fehler gegeben hat, die unsere Wählerschaft verprellt haben.»
Farage triumphiert
Reform UK-Chef Farage erklärte, das bisherige Abschneiden übertreffe seine Erwartungen bei Weitem und stelle einen historischen Wandel in der britischen Politik dar. Analysten zufolge zeigen die Wahlen, dass sich das traditionelle Zweiparteiensystem zunehmend in eine Mehrparteiendemokratie aufspaltet.
Die Wahlen von über 136 Kommunalvertretungen in England sowie der Regionalparlamente in Schottland und Wales gelten als wichtigster Stimmungstest vor der nächsten regulären Parlamentswahl im Jahr 2029. Starmer war 2024 mit dem Versprechen angetreten, nach Jahren des politischen Chaos für Stabilität zu sorgen. Seine bisherige Amtszeit war jedoch von zahlreichen Kurswechseln und Skandalen geprägt, darunter die Entlassung des britischen US-Botschafters Peter Mandelson wegen dessen Verbindungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Sollte Labour in Schottland und Wales ebenfalls schlecht abschneiden, rechnen Parteikreise damit, dass die Forderungen nach einem Rücktritt Starmers noch lauter werden. Energieminister Ed Miliband wies am Donnerstag jedoch einen Zeitungsbericht zurück, wonach er dem Premierminister geraten habe, einen Zeitplan für seinen Abgang vorzulegen.

