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Grossbritannien

Hier trifft Sarah Everard auf ihren späteren Mörder, den Polizisten

epa09080136 An handout photo made available by the Metropolitan Police of Sarah Everard, taken at an undisclosed location, issued 17 March 2021. Thousands of people have paid tribute to Sarah Everard, ...
Die verstorbene Sarah Everard.Bild: keystone

CCTV-Video zeigt: Hier trifft Sarah Everard auf ihren späteren Mörder, den Polizisten

01.10.2021, 12:0201.10.2021, 12:16
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Der Fall hat für einen weltweiten Aufschrei gesorgt. Sarah Everard war am Abend des 3. März in London zu Fuss auf dem Heimweg von einer Freundin. Kurz nachdem die 33-Jährige ein Telefonat mit ihrem Freund beendet hatte, stoppte sie ein Polizist mithilfe seines Dienstausweises und nahm sie wegen Verstosses gegen Corona-Regeln fest.

Er fuhr die mit Handschellen gefesselte Everard Dutzende Kilometer weit in die südostenglische Grafschaft Kent. Dort vergewaltigte er die junge Frau und erdrosselte sie mit seinem Polizeigürtel. Später kaufte er Benzin, zündete die Leiche an und versenkte Everards sterblichen Überreste in einem Tümpel.

«BBC News» hat nun Videomaterial von Überwachungskameras veröffentlicht, die den Tathergang erstaunlich genau rekonstruieren können.

Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie der 48-jährige Polizist in der Küstenstadt Dover ein weisses Auto mietet. Damit wird er nach London fahren, wo er auf Sarah Everard trifft.

Everard selbst ist ebenfalls auf unterschiedlichsten Videos zu sehen. Wie sie auf dem Weg zu einer Freundin ist, noch einen Wein auf dem Weg kauft, und sich nach ihrem Besuch wieder nach Hause begibt. Das weisse Auto fährt derweil in der gleichen Gegend umher. Wohl auf der Suche nach einem Opfer.

Eine Buskamera hält fest, wie Everard auf ihren Peiniger trifft.
Eine Buskamera hält fest, wie Everard auf ihren Peiniger trifft.bild: screenshot bbc

Die Kamera eines Busses konnte sogar den Moment festhalten, als Everard vom Polizisten gestoppt und später verhaftet wird. Daraufhin fährt der weisse Vauxhall in die Grafschaft Kent, wo Everard vergewaltigt und getötet wird.

Am nächsten Tag ist der Polizist wieder mit seinem privaten Auto unterwegs. Er wird gefilmt, wie er einen Benzinkanister an einer Tankstelle füllt und in einem Heimwerker-Laden Müllsäcke kauft. Das Video endet damit, wie in Polizisten fragen, ob er Sarah Everard kennt. Der 48-Jährige verneint.

Höchststrafe

Der Polizist ist am gestrigen Donnerstag vom Gericht schuldig gesprochen und zur Höchststrafe – lebenslange Haft ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung – verurteilt worden.

«Der Polizist (...) wird im Gefängnis sterben», meldete die Nachrichtenagentur PA, und die Boulevardzeitung «The Sun» rief ihm hinterher: «Verrotte in der Hölle!»

Zum Abschluss eines emotionalen Prozesses betonte Richter Adrian Fulford, er sehe keine andere Wahl, als die Höchststrafe zu verhängen. Das liegt vor allem am Beruf des geständigen Täters: «Der Missbrauch der Funktion eines Polizisten, wie er in diesem Fall vorgekommen ist, um ein einzelnes Opfer zu entführen, zu vergewaltigen und zu ermorden, ist meines Erachtens ebenso schwerwiegend wie ein Mord zur Förderung einer politischen, religiösen, rassischen oder weltanschaulichen Sache», sagte Fulford.

#Textmewhenyougethome

Der Fall hat weltweit für einen Aufschrei gesorgt. Unter dem Hashtag #Textmewhenyougethome wurde heftig über Männergewalt diskutiert.

Unsere Gedanken, wenn wir nachts alleine nachhause gehen

Video: watson/lea bloch

In zahlreichen Städten wurden Gedenkstätten für die Verstorbene errichtet. Auch kam es zu zahlreichen Demonstrationen. Geändert hat sich seitdem nicht viel. Erst vor kurzem löste der Mord an einer anderen Londonerin, der 28-jährigen Sabina Nessa, erneut Wut und Entsetzen aus. (dfr)

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gaston Monescu
01.10.2021 13:33registriert April 2020
Dass der Täter ein erfahrenerer Polizist war, macht die Sache noch tragischer als sie schon ist. Auch dürfte das kaum der erste Missbrauch seiner Funktion als Polizist gewesen sein. Wer weiss, was für andere Leichen im Keller der 48-Jährige sonst noch hat.
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Heinzbond
01.10.2021 12:29registriert Dezember 2018
Lebenslang ohne Aussicht auf Freilassung, nicht mehr oder weniger hat der Mann verdient, wie jeder andere Vergewaltiger und Mörder...
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Jo Kaj
01.10.2021 14:08registriert Juli 2019
"Gesetzeshüter", welche ihre Machtposition schamlos missbrauchen. Albtraummaterial!
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