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epa08054362 The relative of a victim of the New Delhi building fire reacts outside the emergency ward of Lok Nayak Hospital, in New Delhi, India, 08 December 2019. According to news reports, at least 43 people were killed after a fire broke out at a building in New Delhi's Anaj Mandi area on the morning of 08 December.  EPA/HARISH TYAGI

Eine Angehörige trauert um ein Opfer der Brandkatastrophe. Bild: EPA

Vorhersehbare Tragödie: Mehr als 40 Tote durch Brand in Fabrik in Neu Delhi



Beim Brand einer Fabrik in der indischen Hauptstadt Neu Delhi sind am frühen Sonntagmorgen mindestens 43 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten Opfer waren Arbeitsmigranten, in dem Gebäude schliefen. Sie wurden im Schlaf überrascht und konnten nicht mehr rechtzeitig fliehen, da es offenbar keine Notausgänge gab.

Laut Augenzeugen brach das Feuer aus zunächst ungeklärter Ursache gegen 05.00 Uhr (01.30 Uhr MEZ) morgens in dem vierstöckigen Gebäude aus, in dem Schulranzen, Taschen und Verpackungen produziert werden. Angehörige berichteten von verzweifelten Anrufen von Arbeitern, die in den schlechtbeleuchteten Räumen gefangen waren.

«Die Menschen fanden keine Ausgänge, und ich glaube, viele von ihnen sind erstickt», sagte Augenzeuge Mohammed Khalil der Nachrichtenagentur AFP. Feuerwehrleute konnten mindestens 58 Menschen retten, von ihnen mussten mindestens 16 teils schwerstverletzt ins Spital gebracht werden.

Das Gebäude steht inmitten des Grosshandelsmarktes Sadar Bazaar und die Feuerwehr hatte Mühe, durch die engen Gassen zu ihm vorzudringen.

Video: kaltura.com

In der Fabrik übernachtet

Die meisten der Opfer stammten nach Angaben ihrer Familien aus Bihar, dem ärmsten und unterentwickeltsten Bundesstaat im Nordosten Indiens. Viele verdienten demnach gerade mal 1000 Rupien (knapp 14 Franken) im Monat und übernachteten in der Fabrik, um Geld zu sparen.

Was den Brand auslöste, war zunächst unklar. Mit der «Tragödie» sei aber zu rechnen gewesen, sagte Naushad Ahmad, der selbst früher in der Fabrik arbeitete und nun nach einem vermissten Freund suchte. «Das Gebäude hat nur einen Ein- und Ausgang, und dort sind auch alle Stromzähler installiert. Den Menschen blieb praktisch keine Fluchtmöglichkeit».

Das Management hatte nach Feuerwehrangaben die behördlichen Brandschutzauflagen ignoriert. Die Behörden hätten der Fabrik kein grünes Licht beim Brandschutz gegeben, sagte der Leiter der Feuerwehrdienste der indischen Nachrichtenagentur PTI.

Medical officers and policemen come out from the site of a fire in an alleyway, tangled in electrical wire and too narrow for vehicles to access, in New Delhi, India, Sunday, Dec. 8, 2019. Dozens of people died on Sunday in a devastating fire at a building in a crowded grains market area in central New Delhi, police said. (AP Photo/Manish Swarup)

Rettungskräfte verlassen die Fabrik durch einen Zugang, der zu schmal für Feuerwehrgefährte ist. Bild: AP

Immer wieder Brände

Neu Delhi ist bekannt für seine chaotische Stadtplanung; viele Gebäude entstehen ohne Rücksicht auf Bau- und Sicherheitsauflagen der Behörden, Kontrollen sind selten. Immer wieder kommt es zu schweren Bränden - insbesondere in Betrieben in dichtbesiedelten und maroden Vierteln, wo Bauland billig ist.

Der Brand ist der schwerste in Neu Delhi seit mehr als 20 Jahren, 1997 waren bei einem Feuer in einem Kino 59 Menschen ums Leben gekommen. Indiens Regierungschef Narendra Modi äusserte sich auf Twitter entsetzt über das «besonders verheerende Feuer». Die Behörden kündigten finanzielle Unterstützung für Überlebende und die Familien der Opfer an. (sda/afp)

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