Krieg im Nahen Osten: Dubai-Influencer unter Druck?
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und insbesondere Dubai wurden in den vergangenen Jahren zum Auswanderungsziel vieler Influencer – nicht zuletzt wegen des Rufs des Landes als Steuerparadies. Unter anderem aufgrund der dortigen Menschenrechtslage wurde häufig Kritik an den Dubai-Auswanderern laut.
Die Influencer wollen davon nichts wissen. In den sozialen Medien wurde das Leben dort stets hoch gepriesen, und vor allem die Sicherheit gelobt. Nach Angriffen des Iran auf US-Basen ist nun auch Dubai vom Krieg betroffen: Raketen fliegen über die Stadt, schlagen in Luxushotels ein, der Luftraum ist gesperrt.
Direkt nach den ersten Angriffen herrschte Chaos. Influencer posteten panische Beiträge, löschten diese jedoch wieder. Ex-«Berlin – Tag & Nacht»-Star Nathalie Bleicher-Woth sagte: «Ich weiss nicht, was ich sagen darf und was nicht.» Schnell wurde über einen Maulkorb für Influencer spekuliert.
Gerhard Strasser lebt selbst in Abu Dhabi und hat im Namen von «EmirateSetup» schon einige Influencer bei ihrem Unternehmensaufbau in Dubai beraten. Er kennt die Lage – und widerspricht im Gespräch mit t-online den Mutmassungen, deutsche Influencer hätten gezielte Vorschriften. «Sie können berichten, was sie wollen. Sie können berichten: Ich fühle mich unsicher, mich nervt der Verkehr oder mich nervt die Hitze», sagt er.
Womöglich führt die eigene Unsicherheit aber auch zu grösserer Vorsicht. «Man darf keine Gerüchte streuen, das wird streng geahndet», so Strasser. Dazu zählen vorwiegend «Gerüchte, die zur Panik führen könnten». Eigene Wahrnehmungen, Vermutungen oder Spekulationen mit ihren Followern zu teilen, könnte für Influencer somit heikel werden.
Für Fake-News drohen hohe Strafen
Deutlich wurde das auch nach den ersten Angriffen. Die Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate warnte beim Kurznachrichtendienst X davor, «Gerüchte sowie Informationen aus unbekannten Quellen über soziale Medien oder andere technologische Mittel zu veröffentlichen oder weiterzuverbreiten, da dies Folgen haben kann». Diese Ansage dürfte sich auch an Influencer gerichtet haben.
Die Strafen fallen in Dubai hoch aus. Wer ungeprüft Fake-News teilt, muss laut einem aktuellen Bericht des Magazins «Stern» mit einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr und einer Geldstrafe in Höhe von 100'000 Dirham, also ungefähr 21'000 Franken, rechnen. Für Influencer kommt hinzu, dass ihnen womöglich die «Influencer Permit», also ihre Genehmigung, in den Vereinigten Arabischen Emiraten werbliche Inhalte zu veröffentlichen, entzogen werden könnte.
Bekannt ist, dass Dubai generell strenge Richtlinien verfolgt, wenn es um öffentliche Äusserungen geht. «Die sind hier strenger als in Deutschland und die werden auch strenger durchgesetzt», erklärt Strasser. Zu den Verboten gehören etwa Beleidigungen oder die Herabwürdigung von Religionen. Ausserdem betont er: «Man darf die Regierung nicht kritisieren. Das ist entsprechend verankert.»
Anstatt sich kritisch zu äussern, verteidigen zugezogene Influencer Dubai und ihre Entscheidung, dorthin auszuwandern. Sie betonen, sich sicher zu fühlen, loben das Raketenabwehrsystem und sprechen der Führung ihr Vertrauen aus. Teilweise werden die gleichen Videos gepostet. «Du lebst in Dubai, hast du gar keine Angst?», heisst es darin. Im Anschluss folgt ein Zusammenschnitt mehrerer Scheichs, untermalt von epischer Musik. Dazu ist zu lesen: «Nein, weil ich weiss, wer uns beschützt.»
Viele Zuschauerinnen und Zuschauer vermuten dahinter gezielte Propaganda, um Dubai ins rechte Licht zu rücken. Strasser hingegen sieht darin eher eine Art TikTok-Trend. Der Patriotismus der ansässigen Menschen neigt ihm zufolge zur Dramatik. Wenn sich grosse Influencer diesem Trend anschliessen, werden solche Videos schnell als Werbung oder Inszenierung verstanden.
Laut ihm gibt es auch keine «Knebelverträge» für Influencer. Aber: Wer in Dubai Kooperationen eingeht, etwa im Tourismussektor, muss auch entsprechend positiv berichten. Ob solche Kooperationen mit dem Staat an sich existieren, bleibt fraglich.
Werben Influencer gezielt für Dubai?
Kritischere Töne als Strasser schlägt Shoura Hashemi von Amnesty International Austria an. Im Interview mit «profil.at» sagt sie, in Dubai seien zahlreiche bezahlte Influencer tätig, die eben nicht nur für Produkte werben, sondern teils auch im Sinne staatlicher Akteure kommunizieren. So solle der öffentliche Eindruck erweckt werden, dass keine Gefahr bestehe. Immerhin ist Dubai stark abhängig vom Tourismus und den Expats, also Menschen, die dort leben, ohne sich dauerhaft einzubürgern. Stabilität zu signalisieren, liegt daher laut Hashemi im unmittelbaren Interesse des Landes.
Wenn sich deutsche Influencer im Netz widersprechen und ihre Beiträge wieder löschen, steckt dahinter wohl die Angst vor Konsequenzen angesichts hoher Strafen und der Strenge, mit der diese durchgesetzt werden. Selbst nicht böswillig gemeinte Falschinformationen oder Kritik können Folgen haben. Andere hingegen stellen ihre Loyalität gegenüber den Vereinigten Arabischen Emiraten zur Schau. Ob das tatsächlich aus eigener Überzeugung oder aus finanzieller Abhängigkeit geschieht, bleibt unklar.

