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Sicherheitskräfte konnten in Sri Lanka mehrere Bomben entschärfen. Trotzdem starben über 300 Menschen bei mehreren Anschlägen.
Sicherheitskräfte konnten in Sri Lanka mehrere Bomben entschärfen. Trotzdem starben über 300 Menschen bei mehreren Anschlägen. Bild: EPA/EPA
Interview

Experte zu Sri Lanka: «Die Verkündung eines Sieges über den ‹IS› war verfrüht.»

Der IS galt militärisch als besiegt. Nun reklamiert die Terrormiliz die Anschläge in Sri Lanka – bei denen mehr als 300 Menschen getötet wurden – für sich. Terror-Experte Fabien Merz erklärt die neue Strategie des «IS» und dessen Verbindungen nach Asien im Interview.
24.04.2019, 18:1425.04.2019, 08:51

Der «IS» beansprucht die Anschläge für sich. Ist das bloss Propaganda?
Fabien Merz:
Die Videobotschaft, in der die vermutlichen Attentäter dem «IS»-Kalifen die Treue schwören, ist ein Indiz dafür, dass der IS entweder direkt beteiligt war, oder aber zumindest die Attentäter inspiriert hat.

Bild: eth
Zur Person:
Fabien Merz ist Wissenschaftler am Center for Security Studies der ETH. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf Sicherheitspolitik und Terrorismusbekämpfung im Nahen Osten sowie in Nordafrika.

Nun sagen Kritiker dieser These, der «IS» habe sehr lange gewartet, bevor man sich zum Anschlag bekannte.
Das stimmt, normalerweise bekannte sich der «IS» relativ rasch zu seinen Taten. Dies könnte aber auch ein Zeichen dafür sein, dass die Organisation unter den Verlusten in Syrien und im Irak gelitten hat. Mit dem «Kalifat» wurden auch wichtige Strukturen zerschlagen, das könnte die verlängerte Reaktionszeit erklären.

Wie stark ist der «IS» in Sri Lanka?
Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig einzuschätzen. Die Attentäter könnten schlicht vom Modell des «IS» inspiriert worden sein. Es ist aber nicht unmöglich, dass unter den Attentätern oder denjenigen, die sie unterstützt haben, auch Rückkehrer aus Syrien oder dem Irak waren. In diesem Fall wäre auch eine stärkere Verbindung zum «IS» denkbar.

Ist denn eine konkrete Unterstützung in Form von Sprengstoff oder Geld denkbar?
Auch das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Es würde aber in den Modus Operandi des «IS» passen, dass die Attentäter zum Beispiel mit «IS»-Anhängern in anderen Ländern in Kontakt stehen und bei der Planung und der Durchführung der Anschläge unterstützt werden.

Rückt Asien nun stärker in den Fokus?
Der «IS» sucht seine Ziele auch aus Opportunismus aus. Er schlägt dort zu, wo er kann und versucht dabei vorhandene religiöse Spannungen noch weiter anzuheizen und für seine eigenen Ziele zu nutzen.

Die «Sunday Times» deckte Anschlagspläne in der Schweiz auf. Ist ein «IS»-Anschlag in Basel realistisch?
Das ist nicht unmöglich. Die Schweiz gehört als neutrales Land, welches sich nicht an den Militäroperationen gegen den «IS» beteiligt, sicher nicht zu den prioritären Zielen für den «IS». Trotzdem wird die Schweiz vom «IS» als Teil der «westlichen Welt» wahrgenommen und gilt somit auch als legitimes Ziel für Anschläge.

Vor wenigen Monaten verkündete man noch das Ende des Kalifats. Nun zeigt sich, es war nicht das Ende des «IS», oder?
Territorial ist der «IS» weitestgehend besiegt. Ideologisch jedoch nicht. Nun kehrt die Terrormiliz zu seinen Wurzeln zurück und rückt wieder in den Untergrund. Die Verkündung eines Sieges über den «IS» war damit verfrüht.

Ein «IS» zurück im Untergrund. Macht ihn das auch gefährlicher?
Das ist schwer zu sagen. Einerseits könnte es durch den Verlust des Territoriums für den «IS» schwieriger werden, grossangelegte Anschläge wie etwa in Paris aus Syrien und dem Irak zu planen und durchzuführen. Andererseits kann es aber auch sein, dass der «IS» nun vermehrt auf Terror ausserhalb der Region setzen wird, um damit die Territoriumsverluste zu «kompensieren». Denn der «IS» hat mit dem Verlust seines sogenannten «Kalifats» in Syrien und im Irak auch den Faktor verloren, den ihn von anderen dschihadistischen Terrororganisationen abgehoben hat. Damit hat er sicher auch an Attraktivität für potentielle Anhänger verloren.

Abu Bakr al-Baghdadi gilt gemeinhin als Anführer des «IS».
Abu Bakr al-Baghdadi gilt gemeinhin als Anführer des «IS».Bild: EPA/IS

Das «IS»-Territorium ist zwar weg, die Anführer aber bleiben. Wie wichtig sind al-Baghdadi und Co. überhaupt noch?
Auch das ist schwierig zu beantworten. Bei einer dezentralen Funktionsweise hätte die Festnahme von al-Baghdadi zwar keinen grossen Einfluss auf die operationellen Fähigkeiten des «IS», wohl aber einen starken symbolischen Effekt.

Inwiefern symbolisch?
Einerseits wäre es für die Anti-IS-Koalition ein grosser Erfolg, den «IS»-Führer zu fassen. Andererseits wäre das auch ein harter Schlag gegen den «IS» selbst. Wenn dieser nicht einmal mehr seine Anführer schützen kann, dürfte er in der Dschihadisten-Szene weiter an Prestige und somit auch an Anziehungskraft verlieren.

Jürgen Todenhöfer: «Das ist kein islamischer Staat»

Video: watson
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