Iran traut Trump nicht: Regime verstärkt Verteidigung von Öl-Insel Charg massiv
Der Iran hat seine Verteidigung auf der strategisch wichtigen Insel Charg nach Berichten mehrerer US-Medien in den vergangenen Wochen deutlich verstärkt. Teheran habe zusätzliches Militärpersonal, Luftabwehrsysteme und Minen auf die Insel im Persischen Golf verlegt, berichtete CNN unter Berufung auf mit US-Geheimdienstinformationen vertraute Personen. Demnach bereitet sich die Führung auf die Möglichkeit einer amerikanischen Bodenoperation gegen die Insel vor.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der US-Präsident Donald Trump offenbar wieder nach einer Verhandlungslösung mit dem Iran sucht. Allerdings hatte er bereits vor Kriegsbeginn auf Gespräche gesetzt, diese später für gescheitert erklärt und anschliessend den Angriff befohlen. Eine weitere Eskalation erscheint demnach zumindest wahrscheinlich.
Zugleich wollen die USA erreichen, dass der Iran die teils blockierte Strasse von Hormus wieder für die Schifffahrt öffnet. Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel.
Charg liegt zwar abseits der Strasse von Hormus, ist für den Konflikt aber dennoch von zentraler Bedeutung. Die Insel liegt im nördlichen Persischen Golf, rund 30 Kilometer von der Südwestküste Irans entfernt, und ist etwa 20 Quadratkilometer gross. Rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte laufen über die Insel. Damit ist Charg für Washington ein wichtiges Druckmittel gegen Teheran. Trump bezeichnete die Insel bereits als «Irans Kronjuwel».
Die USA haben Charg während des Krieges bereits angegriffen. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte nach Luftangriffen am 13. März, mehr als 90 militärische Ziele auf der Insel getroffen zu haben, darunter Lager für Seeminen, Raketenbunker und weitere militärische Anlagen. Trump erklärte anschliessend, die Ölinfrastruktur sei bewusst verschont worden – «aus Gründen der Anständigkeit».
Nach Informationen von CNN hat der Iran Charg nun mit zusätzlichen schultergestützten Flugabwehrwaffen gesichert sowie mit Antipersonen- und Panzerabwehrminen. Die Massnahmen sollen eine mögliche Landung erschweren. Der pensionierte Admiral James Stavridis sagte dem Sender, eine solche Operation wäre mit erheblichen Risiken verbunden. Sobald US-Bodentruppen iranisches Hoheitsgebiet betreten würden, müsse mit hohen Verlusten gerechnet werden.
Weitere Truppen für die Region
Ein Indiz für eine mögliche Bodenoperation sind die jüngsten Truppenbewegungen der USA. Die «Washington Post» und die «New York Times» berichteten, das Pentagon habe die Verlegung von rund 2'000 Soldaten der 82. US-Luftlandedivision in den Nahen Osten angeordnet. Reuters schrieb sogar von 3'000 bis 4'000 Soldaten. Hinzu kommen Kriegsschiffe und Marineinfanteristen, die sich bereits auf dem Weg in die Region befinden. Insgesamt sind derzeit etwa 50'000 US-Soldaten im Nahen Osten im Einsatz.
Nach Berichten der «Washington Post» und der «New York Times» könnte Charg zu den möglichen Einsatzorten gehören. Die Insel wäre militärisch zwar vergleichsweise schnell einzunehmen, wegen ihrer Nähe zum iranischen Festland aber nur schwer zu halten.
Auch innerhalb des US-Machtapparats gibt es daran offenbar Zweifel. CNN berichtete, Verbündete Trumps und Partnerstaaten am Golf warnten hinter verschlossenen Türen vor einer Bodenoffensive. Sie fürchten hohe US-Verluste, iranische Gegenschläge gegen die Infrastruktur in den Golfstaaten und eine weitere Ausweitung des Krieges.
Verwendete Quellen:
- cnn.com: Iran building up defenses of Kharg Island to protect against potential US ground attack, sources say
- nytimes.com: Around 2,000 U.S. Paratroopers to Be Sent to the Middle East
- washingtonpost.com: Army paratroopers ordered to Middle East as U.S. weighs next move in Iran conflict
- reuters.com: US expected to send thousands more soldiers to Middle East, sources say
- Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

