International
Iran

Iran verstärkt Verteidigung von Öl-Insel Charg massiv

epa12819148 A handout satellite image made available by Copernicus, the European Union's Earth Observation Programme, on 14 March 2026 shows Kharg island, Iran, 07 March 2026. US President Trump  ...
Die Insel Charg im Persischen Golf: Sie könnte das Ziel einer Bodenoperation sein.Bild: keystone

Iran traut Trump nicht: Regime verstärkt Verteidigung von Öl-Insel Charg massiv

Der Iran scheint sich angesichts von Donald Trumps Aussagen über Verhandlungen keine Illusionen zu machen: Das Regime verstärkt die Verteidigung rund um die Ölinsel Charg massiv.
26.03.2026, 04:1326.03.2026, 04:13
Jakob Hartung / t-online
Ein Artikel von
t-online

Der Iran hat seine Verteidigung auf der strategisch wichtigen Insel Charg nach Berichten mehrerer US-Medien in den vergangenen Wochen deutlich verstärkt. Teheran habe zusätzliches Militärpersonal, Luftabwehrsysteme und Minen auf die Insel im Persischen Golf verlegt, berichtete CNN unter Berufung auf mit US-Geheimdienstinformationen vertraute Personen. Demnach bereitet sich die Führung auf die Möglichkeit einer amerikanischen Bodenoperation gegen die Insel vor.

Der Schritt fällt in eine Phase, in der US-Präsident Donald Trump offenbar wieder nach einer Verhandlungslösung mit dem Iran sucht. Allerdings hatte er bereits vor Kriegsbeginn auf Gespräche gesetzt, diese später für gescheitert erklärt und anschliessend den Angriff befohlen. Eine weitere Eskalation erscheint demnach zumindest wahrscheinlich.

Zugleich wollen die USA erreichen, dass der Iran die teils blockierte Strasse von Hormus wieder für die Schifffahrt öffnet. Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel.

Charg liegt zwar abseits der Strasse von Hormus, ist für den Konflikt aber dennoch von zentraler Bedeutung. Die Insel liegt im nördlichen Persischen Golf, rund 30 Kilometer von der Südwestküste Irans entfernt, und ist etwa 20 Quadratkilometer gross. Rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte laufen über die Insel. Damit ist Charg für Washington ein wichtiges Druckmittel gegen Teheran. Trump bezeichnete die Insel bereits als «Irans Kronjuwel».

Karte: Insel Charg im Perischen Golf.
Charg im Persischen Golf: Der Iran wickelt fast seine gesamten Öl-Exporte über die Insel ab.Bild: Shutterstock

Die USA haben Charg während des Krieges bereits angegriffen. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte nach Luftangriffen am 13. März, mehr als 90 militärische Ziele auf der Insel getroffen zu haben, darunter Lager für Seeminen, Raketenbunker und weitere militärische Anlagen. Trump erklärte anschliessend, die Ölinfrastruktur sei bewusst verschont worden – «aus Gründen der Anständigkeit».

Nach Informationen von CNN hat der Iran Charg nun mit zusätzlichen schultergestützten Flugabwehrwaffen gesichert sowie mit Antipersonen- und Panzerabwehrminen. Die Massnahmen sollen eine mögliche Landung erschweren. Der pensionierte Admiral James Stavridis sagte dem Sender, eine solche Operation wäre mit erheblichen Risiken verbunden. Sobald US-Bodentruppen iranisches Hoheitsgebiet betreten würden, müsse mit hohen Verlusten gerechnet werden.

kharg island iran
Ein Satelittenbild zeigt die Insel Charg im Persischen Golf.Bild: planet labs pbc

Weitere Truppen für die Region

Ein Indiz für eine mögliche Bodenoperation sind die jüngsten Truppenbewegungen der USA. Die «Washington Post» und die «New York Times» berichteten, das Pentagon habe die Verlegung von rund 2'000 Soldaten der 82. US-Luftlandedivision in den Nahen Osten angeordnet. Reuters schrieb sogar von 3'000 bis 4'000 Soldaten. Hinzu kommen Kriegsschiffe und Marineinfanteristen, die sich bereits auf dem Weg in die Region befinden. Insgesamt sind derzeit etwa 50'000 US-Soldaten im Nahen Osten im Einsatz.

Nach Berichten der «Washington Post» und der «New York Times» könnte Charg zu den möglichen Einsatzorten gehören. Die Insel wäre militärisch zwar vergleichsweise schnell einzunehmen, wegen ihrer Nähe zum iranischen Festland aber nur schwer zu halten.

Auch innerhalb des US-Machtapparats gibt es daran offenbar Zweifel. CNN berichtete, Verbündete Trumps und Partnerstaaten am Golf warnten hinter verschlossenen Türen vor einer Bodenoffensive. Sie fürchten hohe US-Verluste, iranische Gegenschläge gegen die Infrastruktur in den Golfstaaten und eine weitere Ausweitung des Krieges.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
6 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
6
Ex-Premierminister Israels spricht von «jüdischem Terrorismus» im Westjordanland
Datenanalysen des «Guardian» in Zusammenarbeit mit einer israelischen NGO zeigen, dass israelischen Siedlern und Militärs bei Gewaltakten im Westjordanland kaum juristische Konsequenzen drohen. Sogar ehemalige Regierungsvertreter sowie Militärangehörige Israels sprechen dabei von «jüdischem Terrorismus».
Israelische Siedler und Soldaten sind gemäss einer Statistik der UN seit 2020 für den Tod von mindestens 1100 palästinensischen Zivilistinnen und Zivilisten im Westjordanland verantwortlich. Rund ein Viertel der Todesopfer sollen Minderjährige gewesen sein. Mithilfe von öffentlich zugänglichen Daten und Gerichtsurteilen untersuchte nun die britische Zeitung «Guardian» in Zusammenarbeit mit der israelischen Menschenrechtsorganisation «Yesh Din», zu wie vielen Verurteilungen durch israelische Gerichte die Todesfälle führten.
Zur Story