USA sollen ungetestete Rakete auf Wohngebiet im Iran abgefeuert haben
Beim Geschoss handelt es sich um die Kurzstreckenrakete Precision Strike Missile, auch PrSM (ausgesprochen: «Prism») genannt. Die Prototyp-Phase wurde erst im vergangenen Jahr abgeschlossen, wie das Pentagon im Juli mitteilte. Sie soll das Army Tactical Missile System (ATACMS) ersetzen und ist so konstruiert, dass sie über dem Ziel detoniert und Wolframpellets verstreut. Mit einer Reichweite von gut 640 Kilometern schafft sie grössere Distanzen als die ATACMS.
Die PrSM vom Hersteller Lockheed Martin soll am 28. Februar beim Angriff im Iran zum Einsatz gekommen sein, wie die New York Times anhand von Videoanalysen herausgefunden hat. Ein US-Militärangehöriger und mehrere Experten bestätigen gegenüber der Zeitung den PrSM-Einsatz. Die Rakete traf eine Sporthalle und eine Schule nahe einem Gebäude der Revolutionsgarden und einer militärischen Einrichtung in Lamerd im Südiran.
Zudem wurde ein Wohngebiet getroffen. Laut der «Times» traf das Geschoss dort einen Öltankwagen und beschädigte mehrere Läden und Wohnhäuser. Auf Bildern auf Social Media ist zu sehen, wie die Umgebung der getroffenen Gebäude mit Sprenkeln übersät ist – was wohl von den Wolframpellets herrühren dürfte.
Kinder starben beim Angriff
Es gab an diesem Tag mehrere Angriffe in der Region, die Zahl der Todesopfer wird von der staatlichen Nachrichtenagentur mit insgesamt 21 beziffert. Zudem sollen rund 100 Personen verletzt worden sein. Bestätigt sind diese Angaben nicht.
Fakt ist, dass die Sporthalle nach dem Angriff beschädigt war. Laut der «Times» war auch das Dach teilweise eingestürzt.
Geolocation of the sports hall in Lamerd, Fars Province, Iran, 27.329404, 53.182328. https://t.co/HMVh4dBXyo pic.twitter.com/iBIiMxvAzP
— Chris Osieck (@ChrisOsieck) March 1, 2026
Zum Zeitpunkt des Angriffs soll sich ein Mädchen-Volleyballteam in der Halle befunden haben. Auf Bildern aus dem Inneren der Halle ist Blut zu sehen. Zwei Spielerinnen – eine Viert- und eine Fünftklässlerin – sowie ein Fussballspieler aus der sechsten Klasse kamen laut einer iranischen Journalistin beim Angriff ums Leben. Gemäss einem iranischen Medienbericht starb auch ein Sportlehrer.
Die Sporthalle war als ziviles Gebäude erkennbar
Laut der «New York Times» ist unklar, ob die PrSM-Rakete mit Absicht, wegen eines Design- oder Konstruktionsfehlers oder wegen schlechten Zielens zivile Gebäude traf. Dafür ist die Waffe zu neu.
Selbst auf Google Maps ist jedoch ersichtlich, dass das Gebäude ausserhalb der Mauern des militärischen Geländes liegt. Ausserdem wird es auf der Karte auch als Turnhalle beschrieben. Und das laut dem Bericht seit Jahren. Das US-Militär müsste also darüber Bescheid gewusst haben.
Ein Sprecher des U.S. Central Command bestätigt gegenüber der «Times»: «Wir haben Kenntnis über Meldungen und prüfen sie. US-Kräfte greifen nicht wahllos Zivilisten an, im Gegensatz zum iranischen Regime.»
Am selben Tag wie in Lamerd wurde in Minab auch eine Schule angegriffen. 175 Menschen starben. Der Angriff wird den USA zugeschrieben, es soll eine Tomahawk-Rakete zum Einsatz gekommen sein. Die Schule befand sich ebenfalls in der Nähe einer militärischen Einrichtung.
