International
Iran

Reza Pahlavi soll Mullahs im Iran beerben – doch es gibt Widerstand

Der Sohn des Schahs soll die Mullahs beerben – doch es gibt Widerstand

Reza Pahlavi präsentiert sich als Oppositionsführer. Derweil befürchten Menschenrechtler «Massaker» des Regimes.
11.01.2026, 20:3511.01.2026, 20:35
Thomas Seibert, Istanbul / ch media

«Ich werde heimkehren», sagte Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs von Iran. Von seinem Exil in den USA aus machte Pahlavi den Iranern Hoffnung, die Herrschaft des schiitischen Klerus bald abschütteln zu können. Das war im Jahr 1986, und damals wurde nichts aus dem Umsturz.

Reza Pahlavi, the son of Iran's toppled Shah Mohammad Reza Pahlavi, speaks during a press conference, Monday, June 23, 2025 in Paris. (AP Photo/Thomas Padilla)
Reza Pahlavi
Reza Pahlavi, der Sohn des Schahs, ruft aus dem Exil zu Protesten im Iran auf.Bild: keystone

Jetzt meldet sich der inzwischen 65-jährige Kronprinz wieder zu Wort und präsentiert sich in der neuen Protestwelle als Anführer der iranischen Opposition. Auch diesmal verspricht er, bald in den Iran zurückzukehren. Aber in seiner Heimat ist er umstritten. Manche Iraner sehen ihn als Retter der Nation, andere als Marionette der USA und Israels.

Das iranische Regime zeigte nach Ausbruch der neuen Proteste vor zwei Wochen zunächst Verständnis für die Beschwerden der Demonstranten über steigende Preise und sinkende Lebensstandards, doch die Kundgebungen, bei denen auch der Sturz des Regimes gefordert wird, lassen sich damit nicht eindämmen. Das Regime droht den Demonstranten inzwischen mit der Todesstrafe.

In this frame grab from footage circulating on social media shows protesters dancing and cheering around a bonfire as they take to the streets despite an intensifying crackdown as the Islamic Republic ...
Handyaufnahme des Protests in Teheran am Samstag - das Regime hat den Internetverkehr praktisch komplett gekappt, daher sind Informationen spärlich.Bild: keystone

Trotzdem gingen die Iraner in der Nacht zum Sonntag wieder auf die Strassen, so wie seit zwei Wochen täglich. Exil-Menschenrechtler berichten, 116 Menschen seien bei Auseinandersetzungen mit staatlichen Einsatzkräften getötet worden. Möglicherweise gibt es viel mehr Opfer: Die britische BBC meldete unter Berufung auf Ärzte, allein am Freitag seien 70 Leichen in eine Klinik in der nordiranischen Stadt Rascht gebracht worden. Eine Bestätigung gab es nicht, denn seit Donnerstag sind die Internet- und viele Telefonverbindungen im Iran unterbrochen. Das US-Zentrum für Menschenrechte im Iran erklärte, ein «Massaker» drohe.

Demonstranten in einigen Städten auf dem Vormarsch

Pahlavi erklärte auf der Plattform X, er wisse von «vielen» Deserteuren bei der Polizei. Er rief für Sonntagabend zu neuen Protesten auf. Westliche Experten sehen Anzeichen dafür, dass iranische Einsatzkräfte mancherorts gegen die Demonstranten den Kürzeren ziehen. In einigen Städten hätten sich die Truppen zurückziehen müssen, weil sie keine Verstärkung erhielten, teilte die US-Denkfabrik Institut für Kriegsstudien (ISW) mit.

Protesters participate in a demonstration in Berlin, Germany, in support of the nationwide mass protests in Iran against the government, Saturday, Jan. 10, 2026. (AP Photo/Ebrahim Noroozi)
Germany Ira ...
Anti-Mullah- und Pro-Pahlavi-Demo in Berlin.Bild: keystone

Regimechef Ali Khamenei hatte am Freitag erklärt, der Staat werde nicht zurückweichen. Das deutet darauf hin, dass er sich vor allem auf die Elitetruppe des Regimes, die Revolutionsgarde, stützen will. Die Garde hatte in der Vergangenheit mehrere Aufstände niedergeschlagen. US-Präsident Donald Trump droht mit einer Militärintervention gegen das Regime und hat sich laut «New York Times» von seinen Generälen verschiedene Optionen vorlegen lassen. Pahlavi lobte Trumps Bereitschaft, den Demonstranten zu helfen.

Activists from the Association of Anglo-Iranian Women in the UK show solidarity with the protests in Iran during a rally outside 10 Downing Street, in London, Sunday Jan. 11, 2026. (Stefan Rousseau/PA ...
Anti-Schah- und Anti-Mullah-Demo in London.Bild: keystone

Der Kronprinz hatte den Iran im Jahr 1978 verlassen, um sich in den USA zum Kampfpiloten ausbilden zu lassen. Ein Jahr später musste sein Vater Mohammad Reza Pahlavi den Pfauenthron aufgeben und ins Exil gehen, wo er ein Jahr später starb.

Nach fast 50 Jahren im Exil sieht Kronprinz Pahlavi jetzt die Chance auf Heimkehr. Bei den neuen Protesten ist mehrmals der Ruf nach Wiedererrichtung der Monarchie zu hören gewesen. Pahlavi feuert die Demonstranten über die sozialen Medien an. Die Iraner sollten sich nicht mehr mit Kundgebungen zufriedengeben, sondern ganze Innenstädte «erobern und halten», sagte er am Wochenende.

Wieviel Unterstützung Pahlavi im Iran geniesst, ist ungewiss. Sein Vater wurde auf dem Thron von den USA, Grossbritannien und Israel unterstützt und liess in den fast vier Jahrzehnten seiner Herrschaft viele Menschen foltern und töten. Die Revolution gegen den Schah von 1979 wurde nicht nur vom schiitischen Klerus getragen, der später die Macht eroberte, sondern von vielen Gruppen der iranischen Gesellschaft. Gegen Pahlavi spricht auch, dass er wegen seines langen Exils den Iran von heute kaum kennt. Iraner, die nach der Revolution von 1979 geboren wurden, stellen die Mehrheit der Bevölkerung.

In this frame grab from video obtained by the AP outside Iran, a masked demonstrator holds a picture of Iran's Crown Prince Reza Pahlavi during a protest in Tehran, Iran, Friday, January. 9, 2026 ...
Ein Demonstrant in Teheran mit einem Bild von Reza Pahlavi.Bild: keystone

Die Verzweiflung der Iraner ist riesig

Die iranische Zivilgesellschaft sei sehr heterogen, sagt die deutsch-iranische Aktivistin Daniela Sepehri. «Es gibt einige, die sich eine Rückkehr zur Monarchie wünschen, andere lehnen Reza Pahlavi ab – allen voran die ethnischen Minderheiten», sagte Sepehri zu CH Media. «Bei vielen Menschen ist die Verzweiflung auch so gross, dass es ihnen egal ist, wer danach kommt – Hauptsache, die Mullahs sind weg.» Nach einem Sturz des Regimes müsse es freie Wahlen geben, damit die Iraner selbst über ihre Zukunft entscheiden könnten.

Pahlavi strebt nach eigenen Worten keine Rückkehr zur absoluten Monarchie an, sondern ein demokratisches System. Ein neuer Iran werde mit Israel und den arabischen Staaten zusammenarbeiten, sagte er vor drei Jahren bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Kritiker haben Pahlavi in Verdacht, Erfüllungsgehilfe von Amerikanern und Israelis zu sein. Ein Besuch von Pahlavi in Israel vor drei Jahren verstärkte diesen Eindruck. Laut der israelischen Zeitung «Haaretz» unterstützte Israel den Kronprinzen im vorigen Jahr mit einer Kampagne in den sozialen Medien. Trotzdem hat er es bisher nicht geschafft, die Opposition zu einen. Die Zweifel an Pahlavi sind so gross, dass selbst Trump – der sonst wenig Wert auf diplomatische Feinheiten legt – bisher ein Treffen mit ihm ablehnt. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
140 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Zumbi
11.01.2026 21:03registriert September 2020
Meine Urgrosseltern (Schweizer) hatten im Iran ein Ferienhaus mit Pool und superschönem Garten. Etwa so wie man es von Spanien kennt. Die Iranerinnen waren topmodisch, mit Miniröcken, Riesensonnenbrillen à la Jackie Kennedy, hörten die neuesten Hits und die Hippie-Society ging da ein und aus wie auf dem Coachella. Für Europäer und Amerikaner war der Iran damals voll im Trend für Ferien. Afghanistan übrigens auch.
Tja, ich hätte nichts dagegen, wenn denen wieder ein freies Leben back to the Future gegönnt wäre.
16213
Melden
Zum Kommentar
avatar
Desoxyribonukleinsäure
11.01.2026 21:19registriert August 2016
Meine iranischen Bekannten sind kein grosser Fan von Pahlavi. Er sei ein Opportunist, kenne die neuen Probleme im Iran nicht und sein Grossvater hat ein sehr negatives Image. Sie halten ihn immerhin für einigermassen intelligent.
Das Problem ist nur, dass es wirklich keine bekannte Alternative ausser ihn gibt. Niemand im Lande hat die Reichweite und Unterstützung, das Land zu vereinen. Das Regime hat alle Opposition eliminiert.
Und wirklich alles ist besser als die Mullahs.
Deshalb hoffen sie alle auf eine erfolgreiche Rückkehr. Und ich wünsche Ihnen von Herzen, dass dies bald passiert.
10813
Melden
Zum Kommentar
avatar
Butternut
11.01.2026 20:55registriert Februar 2014
Der Schah war schon nicht legitim gewählt. Das war ja auch einer der Gründe , dass er gestürzt wurde. Wenn die aktuelle Regierung endlich weg wäre sollten demokratische Wahlen durchgeführt werden. Da kann sich der Sohn ja als Kandidat melden.
10515
Melden
Zum Kommentar
140
Familie berichtet: Hinrichtung von Erfan Soltani im Iran verschoben
Die Geschichte von Erfan Soltani (26) ging um die Welt: Der junge Mann sollte am Mittwoch im Iran hingerichtet werden, nachdem er in der Grossstadt Karadsch auf der Strasse gegen das Mullah-Regime demonstriert hatte. Wie nun ein Familienmitglied Soltanis gegenüber AP sagt, wurde die Hinrichtung zumindest verschoben. Freigelassen wird er aber vorerst nicht.
Zur Story