Waffenruhe verlängert: Warum der Libanon für Trumps Iran-Politik so wichtig ist
Donald Trump will den Krieg mit dem Iran beenden – dafür dürfte Frieden im Libanon zentral sein. Nun hat der US-Präsident dafür gesorgt, dass die Feuerpause im Libanon um drei Wochen verlängert wird. Dies verschafft ihm eine Verschnaufpause, um die Pattsituation in den Verhandlungen mit dem Iran zu lösen.
Laut Trump sind die Kriege zwar getrennt, doch Teheran pochte in den letzten Wochen auf einen Feuerpause für den Libanon. Trump hat seinen israelischen Verbündeten signalisiert, dass die Waffen im Libanon schweigen. Dennoch dürfe sich Israel bei unmittelbar drohenden Angriffen verteidigen, so Trump.
Teheran geniesst durch seinen Verbündeten, die Hisbollah, grossen Einfluss im Libanon. Doch Trump will nun seinerseits in dem Land stärker mitreden. Im Oval Office traf er sich am Donnerstag mit Vertretern aus dem Libanon und Israel, unterstützt von Aussenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance — die bislang ranghöchste US-Beteiligung an diesen Gesprächen.
Trump hofft, dass der libanesische Präsident Joseph Aoun und der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu noch innerhalb der kommenden drei Wochen zu Gesprächen nach Washington reisen. Das wäre eine historische Annäherung. Für Teile der libanesischen Bevölkerung wäre dies ein Erfolg, für die Iran-nahen Hisbollah-Sympathisanten hingegen ein Tabubruch.
Eine Waffenruhe auf dem Papier – und ohne die Hisbollah
In der vergangenen Woche kam es trotz der Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel immer wieder zu Gefechten. Die Hisbollah feuerte am Dienstag erneut Raketen auf Israel, am Freitag schoss die Miliz laut eigenen Angaben eine israelische Drohne über der Küstenstadt Sour ab. Auch das israelische Militär griff am Donnerstagabend die südlibanesische Stadt Touline an, am Freitag folgten Evakuierungsbefehle.
Israel hält weiterhin an seiner Sicherheitszone fest, die sich parallel zur israelischen Grenze bis zu 10 Kilometer innerhalb des Libanons erstreckt. Für die Hisbollah, die sich durch den Widerstand gegen Israel definiert, ist die Besetzung des libanesischen Landstreifens inakzeptabel. Die Miliz war weder an den Verhandlungen beteiligt, noch scheint sie die Bedingungen zu akzeptieren. So nannte der Hisbollah-Abgeordnete Ali Fayyad die Verlängerung der Waffenruhe «bedeutungslos».
Innerhalb der libanesischen Bevölkerung teilen einige diese Ansicht, auch wenn es längst nicht alle sind. «Die Menschen vertrauen der Hisbollah mehr als der Regierung», sagt der humanitäre Mitarbeiter einer libanesischen NGO, Haitham Chmaisani. Sollte Israel den Libanon angreifen, werde die Hisbollah zurückschlagen. Dessen ist sich Chmaisani sicher.
Kein Ende des Kriegs in Sicht
Für die libanesische Regierung stellt das eine grosse Herausforderung dar. Vor den Verhandlungen forderte der libanesische Präsident Aoun, die israelische Besetzung müsse aufhören. Israel hingegen macht seinen Abzug aus dem Südlibanon von der Entwaffnung der Hisbollah abhängig. Dies ist jedoch eine äusserst schwierige Aufgabe, an der selbst das gut ausgerüstete israelische Militär bisher gescheitert ist. Es bleibt also fraglich, wie die derzeit schwache libanesische Regierung dies meistern soll.
Der Krieg scheint im Libanon längst nicht vorbei. Seit Beginn der jüngsten Kampfhandlungen Anfang März mussten 1,2 Millionen Menschen ihre Häuser verlassen. Einige kamen bei Familien und Freunden unter, andere in Notunterkünften und weitere mussten in Zelten auf ein Ende des Kriegs hoffen.
Noch haben viele von ihnen Angst, zurückzukehren. «Die Menschen fahren für ein oder zwei Tage zurück, um nach ihren Häusern zu sehen», sagt Chmaisani. «Aber sie bleiben nicht.» Denn wie der humanitäre Mitarbeiter wissen auch sie: «Die Waffenruhe gilt nur für drei Wochen». (aargauerzeitung.ch)
