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Analyse

Iran-Krieg: Israels Dauer-Kriegsmodus führt in die Isolation

epa12883043 A Hezbollah supporter steps on an Israeli flag during a protest against Lebanese President and Prime Minister outside the Government Palace in downtown Beirut, Lebanon, 11 April 2026. The  ...
Ein Hisbollah-Anhänger in Beirut trampelt auf eine israelische Fahne. Doch auch im Westen nimmt die Kritik zu.Bild: keystone
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Israel ist zunehmend isoliert: Selbst die Amerikaner wenden sich ab

Seit dem Hamas-Terror am 7. Oktober 2023 befindet sich Israel im Kriegszustand. Das hat gravierende Folgen für das Image des jüdischen Staats: Er war nie so unbeliebt wie heute.
20.04.2026, 20:0920.04.2026, 20:09

Militärisch hat Israel einiges erreicht. Der Erzfeind Iran und seine Ableger Hamas und Hisbollah sind stark geschwächt. Das kleine Land zwischen Mittelmeer und Jordan hat sich als militärische Supermacht im Nahen Osten etabliert. Zuletzt aber wurde sich Israel der Grenzen dieser Macht und seiner Abhängigkeit von den USA bewusst.

Der von US-Präsident Donald Trump vereinbarte zweiwöchige Waffenstillstand mit dem Iran erwischte die Israelis auf dem falschen Fuss. Sie mussten zwangsläufig mitziehen. Die massiven Luftangriffe im Libanon am 8. April mit fast 200 Todesopfern wirkten wie eine üble Frustreaktion. Doch auch auf diesem Kriegsschauplatz grätschte Trump hinein.

President Donald Trump points to Israel's Prime Minister Benjamin Netanyahu as he speaks with reporters at his Mar-a-Lago club, Monday, Dec. 29, 2025, in Palm Beach, Fla. (AP Photo/Alex Brandon)
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Benjamin Netanjahu befolgt die von Donald Trump angeordnete Waffenruhe nur widerwillig.Bild: keystone

Er habe Israel weitere Bombardierungen VERBOTEN, teilte der Präsident am letzten Freitag auf Truth Social mit. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sei «fassungslos und alarmiert» gewesen, als er davon erfahren habe, schrieb das Newsportal Axios. Doch auch in diesem Fall musste er nachgeben und eine zehntägige Waffenruhe akzeptieren.

Israelis wollen Krieg fortsetzen

Für Beobachter ist klar, dass Netanjahu und seine rechte Regierung den Krieg an beiden Fronten fortsetzen wollten. Dies entspricht dem Willen der israelischen Bevölkerung. In einer Umfrage von letzter Woche sprachen sich 65 Prozent gegen die Feuerpause mit Iran aus. Und 61 Prozent fanden, sie sollte nicht auf den Libanon ausgeweitet werden.

Allerdings fanden nur 40 Prozent, dass Israel die Angriffe im Iran trotz der US-Waffenruhe hätte fortsetzen sollen. Es ist den Israelis bewusst, dass sie gegen den Willen Washingtons kaum etwas unternehmen können. Die Umfrage zeigt aber auch, wie sehr der jüdische Staat seit dem Hamas-Terror am 7. Oktober 2023 in einer Kriegslogik feststeckt.

Goodwill hat sich verflüchtigt

Der mit fast 1200 Todesopfern grösste Massenmord an Juden seit dem Nazi-Holocaust hat das Land traumatisiert und zur Überzeugung geführt, dass nur ein massives militärisches Vorgehen gegen seine Todfeinde langfristige Sicherheit garantiert. Die Folgen für das Image Israels allerdings sind gravierend: Der Goodwill nach dem 7. Oktober hat sich nicht nur verflüchtigt.

KEYPIX - epa12865003 Members of a displaced Palestinian family near a makeshift tent camp in Khan Yunis, southern Gaza Strip, 01 April 2026, amid a ceasefire between Hamas and Israel. According to the ...
Das Elend der Bevölkerung in Gaza hat Israels Image massiv beschädigt.Bild: keystone

Der Krieg in Gaza und das Elend der Zivilbevölkerung haben dazu geführt, dass Israels Ansehen auf einem Tiefpunkt angelangt ist, und das nicht nur am linken und rechten Rand. Selbst in den USA, dem mit Abstand wichtigsten Verbündeten, ist das lange positive Image des jüdischen Staats, der sich in einem feindlichen Umfeld behaupten muss, angeschlagen.

Mehr Sympathie für Palästinenser

Das zeigen zwei Umfragen renommierter Institute. In der aktuellen Ausgabe der seit 2001 erhobenen Langzeitstudie von Gallup haben erstmals mehr Amerikaner Mitgefühl für die Palästinenser (41 Prozent) geäussert als für Israel (36 Prozent). Für die Trendwende sind besonders die parteiungebundenen Wählerinnen und Wähler verantwortlich.

Die Umfrage wurde am 27. Februar veröffentlicht, einen Tag vor Beginn der Angriffe auf den Iran. Eine Erhebung des Forschungsinstituts Pew von Ende März zeigt ein noch desolateres Bild: 60 Prozent der Befragten beurteilen Israel eher bis sehr negativ und nur 37 Prozent positiv. Besonders alarmierend: 57 Prozent der jüngeren Republikaner äusserten sich ablehnend.

Netanjahus dubiose Rolle

Verantwortlich dafür dürften nicht nur die gestiegenen Benzinpreise sein, sondern auch Berichte, wonach Donald Trump von Benjamin Netanjahu in den Iran-Krieg hineingezogen wurde (der Regierungschef kommt in der Umfrage noch schlechter weg als der Staat). Sie werden nicht nur von zunehmend antisemitischen Hardlinern wie Tucker Carlson propagiert.

epa12887937 Activists with Jewish Voice (JVP) for Peace and If Not Now When (INNW) block a roadway during a protest against the war in the Middle East, outside of the offices of US Senator Charles Sch ...
Israelkritische Demonstration am 13. April in New York. Auch Jüdinnen und Juden nahmen daran teil.Bild: keystone

Eine Recherche der «New York Times» stützt die Vermutung, dass Trump von Netanjahu mit der zweifelhaften Aussicht auf einen Volksaufstand im Iran zum Angriff verleitet wurde – trotz Warnungen seiner Mitarbeiter. Das hat Folgen im US-Kongress: Letzte Woche unterstützten 40 demokratische Senatoren ein Verbot von Waffenexporten nach Israel.

Demokraten gehen auf Distanz

Damit nicht genug: Selbst die Finanzierung von Defensivwaffen, etwa für das Abwehrsystem Iron Dome, ist bei den Demokraten im US-Parlament nicht mehr unbestritten. So etwas wäre «noch vor vier Jahren als komplett durchgeknallt betrachtet worden», meinte der demokratische Abgeordnete Maxwell Frost aus Florida gegenüber Axios.

Der linke Abgeordnete Ro Khanna aus Kalifornien meinte, er habe noch kein Thema erlebt, bei dem sich die öffentliche Meinung so schnell gewandelt habe wie beim Verhältnis der USA zu Israel. Ein weiteres Indiz dafür ist die Wahl des Israel-Kritikers Zohran Mamdani zum Bürgermeister von New York, wo mehr Juden leben als in jeder Stadt ausser Tel Aviv.

Ärger auch mit Deutschland

Den Israel-Freunden in den USA schwant Übles, und das nicht nur, falls eine Demokratin oder ein Demokrat 2029 ins Weisse Haus einziehen sollte. «Der jüdische Staat riskiert, seinen grössten Alliierten und besten Freund zu verlieren», warnte der Nahost-Experte Daniel J. Samet von der konservativen Denkfabrik American Enterprise Institute.

People protest against settlers violence in the West Bank, in Tel Aviv, Israel, Thursday, April 16, 2026. (AP Photo/Ariel Schalit)
Israel Palestinians
Die Siedlergewalt im Westjordanland sorgt auch in Israel selbst für Proteste.Bild: keystone

Und auch mit dem anderen wichtigen Verbündeten ist das Verhältnis nicht mehr ungetrübt. Deutschland empfindet aufgrund seiner historischen Schuld eine besondere Verantwortung für Israel. Doch als Bundeskanzler Friedrich Merz die Ausfuhr von Waffen stoppte, die im Gaza-Krieg verwendet werden könnten, war die Entrüstung überschaubar.

Israel «zerstört sich selbst»

Zuletzt wurden die Beziehungen durch die Todesstrafe nur für Palästinenser und Übergriffe rechtsradikaler Siedler im Westjordanland belastet. Merz warnte Netanjahu vor einer faktischen Teilannexion und wurde in Israel heftig kritisiert. Damit drohe «eine Entfremdung vom stärksten europäischen Alliierten», meinte Mairav Zonszein, eine Israel-Expertin der International Crisis Group.

Es sind ungemütliche Perspektiven für Israel. Benjamin Netanjahu hat die Gefahr erkannt. In einem Interview mit dem «Economist» kündigte der Regierungschef an, die Finanz- und Militärhilfe der USA von derzeit 3,8 Milliarden US-Dollar pro Jahr in den nächsten zehn Jahren «auf null» reduzieren zu wollen. Er scheint der Abhängigkeit nicht mehr zu vertrauen.

Israel verteidige nicht nur sich selbst, «sondern die westliche Zivilisation», betonte Netanjahu. Bei den potenziellen Empfängern aber kommt die Botschaft nicht an. Vielmehr ist Israel zunehmend isoliert. Der Schriftsteller Dror Mishani, der zum geschrumpften Friedenslager in Israel gehört, kam im Interview mit dem «Tagesanzeiger» zu einem ziemlich düsteren Befund:

«Die israelische Gesellschaft setzt sich nicht mit ihren Traumata auseinander, sie lässt sich von ihnen beherrschen. Statt um Schuld und Reue geht es ihr um Rache. Sie ist besessen davon, Rache für den 7. Oktober zu nehmen. Aber indem sie Rache nimmt, zerstört sie sich selbst. Das ist traurig und schrecklich.»
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quelle: keystone / abir sultan
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Kommissar Rizzo
20.04.2026 21:23registriert Mai 2021
Ich sags mal so: selbstverständlich hat ISR das Recht auf Selbstverteidigung - nur ist das, was sie seit Monaten/Jahren anstellen, alles andere als Selbstverteidigung.
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Hans Hansen
20.04.2026 20:17registriert August 2019
Ich denke es ist wie bei den Amerikanern, der Präsident ist das Porblem nicht die Bevölkerung aber am Schluss muss sich das Volk gegen ihn auflehnen oder halt die Scherben danach kehren, wenn es dann noch etwas zu kehren gibt.
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Kruk
20.04.2026 21:52registriert Januar 2024
Nach dem schrecklichen Überfall vom 7. Oktober war die Solidarität riesig und Israel genoss noch nie so viel Rückhalt und Unterstützung wie damals. Man könnte meinen es sei eine Schwierigkeit das zu verspielen, aber sie haben sich tatsächlich dermassen daneben benommen, dass sie es geschafft haben.
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