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Ali Chamenei: Wie er an die Macht kam und den Iran bis zum Tod umbaute

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Wurde bei den israelisch-amerikanischen Angriffen getötet: Ali Chamenei, religiöser Führer der Islamischen Revolution.Bild: EPA/iRANIAN SUPREME LEADER OFFICE

Vom Prediger mit Sturmgewehr zum Gewaltherrscher: Das Leben von Ali Chamenei

Mit Ali Chamenei endet die Herrschaft eines Mannes, unter dem der Iran weiter in Repression, Gewalt und ideologische Abschottung getrieben wurde. Der Revolutionsführer baute seine Macht systematisch aus und liess jeden ernsthaften Widerstand niederschlagen.
01.03.2026, 12:5301.03.2026, 13:52

Mit dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei endet die Herrschaft des Mannes, der die Islamische Republik Iran seit 1989 geprägt hat wie kein anderer.

Iranische Staatsmedien meldeten in der Nacht auf Sonntag, Chamenei sei bei den israelisch-amerikanischen Angriffen getötet worden. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump seinen Tod bereits öffentlich verkündet.

Chameneis Tod markiert das Ende eines Herrschers, der mit viel Gewalt und Repression 36 Jahre lang an der Macht blieb.

Religiöse Kindheit

Seyyed Ali Chamenei wurde 1939 in der schiitischen Pilgerstadt Maschhad geboren. Er entstammte einer Familie von Geistlichen. Sein Vater, selbst Kleriker, hatte in Nadschaf studiert und drängte ihn früh auf den religiösen Bildungsweg. Chamenei begann deshalb schon jung mit einer theologischen Ausbildung.

Gleichzeitig war er nie nur ein klassischer Religionsschüler. Schon früh interessierte er sich für Literatur, Poesie und politische Debatten. Fotografien zeigen ihn in jungen Jahren eher wie einen intellektuellen Leser als wie den späteren Herrscher eines repressiven Staats: mit Büchern, mit Pfeife, mit bewusst kultivierter Ausstrahlung.

Politisch wurde er in den 1950er- und 1960er-Jahren geprägt, als sich im Iran religiöse Opposition gegen das Schah-Regime formierte. In dieser Zeit lernte er Ruhollah Chomeini kennen, der später zur zentralen Figur der islamischen Revolution wurde. Chamenei schloss sich dessen Denken an: der Vorstellung eines politischen Islam, der sich gegen westlichen Einfluss, gegen Säkularisierung und gegen die vom Schah betriebene Modernisierung richtete.

Gründer der Islamischen Republik und politischer Ziehvater von Ali Chamenei: Ajatollah Ruhollah Chomeini auf einer Aufnahme von 1978.
Gründer der Islamischen Republik und politischer Ziehvater von Ali Chamenei: Ajatollah Ruhollah Chomeini auf einer Aufnahme von 1978.Bild: keystone

Er hielt Predigten, bewegte sich in oppositionellen Netzwerken und wurde mehrfach verhaftet. Wie gross seine tatsächliche Rolle in der Opposition gegen den Schah war, darüber sind sich internationale Medien allerdings nicht in allen Punkten einig. Klar ist: Schon vor der Revolution war er ideologisch fest in jener antiwestlichen, islamistischen Denkwelt verankert, die später das Fundament der Islamischen Republik bilden sollte.

Attentat-Überlebender

Nach dem Sturz des Schahs 1979 rückte Chamenei in den neuen Machtapparat auf. Er wurde Mitglied des Islamischen Revolutionsrats. Trotzdem gehörte er in den ersten Jahren nicht zu den schillernden oder dominierenden Figuren des neuen Regimes. Er war weder dessen wichtigster Theoretiker noch einer seiner unbestrittenen Führer.

Sein Aufstieg beruhte zunächst vor allem darauf, dass er sich im neuen System zuverlässig positionierte. Chomeini ernannte ihn zum Freitagsimam von Teheran. Dieses Amt verschaffte ihm grosse öffentliche Sichtbarkeit. Seine rhetorischen Fähigkeiten machten ihn im ganzen Land bekannt und gaben ihm ein Profil, das er zuvor im engeren Machtzirkel noch nicht hatte.

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Prediger: Chamenei stützt sich auf ein Sturmgewehr, während eines Gebets in Teheran, Iran, am 11. Oktober 1980.Bild: AP

Der entscheidende Einschnitt kam 1981. Bei einer Rede in einer Moschee in Teheran detonierte eine Bombe, die in einem Tonbandgerät versteckt war. Chamenei überlebte schwer verletzt – sein rechter Arm blieb dauerhaft beeinträchtigt. Politisch war das ein Wendepunkt: In den ersten Jahren der Islamischen Republik wurden zahlreiche führende Köpfe des neuen Regimes Opfer tödlicher Anschläge. Chamenei hingegen blieb am Leben. Während andere aus dem System herausfielen, stieg er auf.

Präsident in Kriegszeiten

Im Oktober 1981 wurde Chamenei zum Präsidenten gewählt. Das Präsidentenamt war damals noch nicht das eigentliche Machtzentrum des Staates – viele exekutive Kompetenzen lagen beim Premierminister. Dennoch brachte ihn das Amt in die Nähe der Macht.

Die Jahre seiner Präsidentschaft fielen in die Zeit des Iran-Irak-Kriegs. Dieser Krieg prägte die Islamische Republik tief. Für Chamenei war er auch deshalb wichtig, weil er dort jene Beziehungen knüpfte, die später zu seinem eigentlichen Machtfundament wurden. Durch regelmässige Besuche an der Front baute er enge Verbindungen zum Militär und besonders zur Revolutionsgarde auf.

Chamenei 1981
Ein Bild von Chamenei im Jahr 1981. Bild: AP

Zugleich geriet er in dieser Zeit in Konflikt mit Mir Hussein Mussawi, dem damaligen Premierminister. Mussawi stand eher für eine staatlich gelenkte, stärker sozial orientierte Wirtschaftspolitik. Chamenei war stärker im konservativen Machtmilieu rund um den Basar verankert. Diese Gegensätze zeigten früh, dass Chamenei nicht bloss ein frommer Funktionär war, sondern ein Machtpolitiker mit klaren Loyalitäten im konservativen Kern des Systems.

Während seiner Präsidentschaft trieb er zudem den Ausbau des Sicherheitsapparats voran. In diese Phase fällt der Aufbau jener Nachrichtendienststrukturen, aus denen später ein berüchtigter Repressionsapparat hervorging. Dieser richtete sich in den folgenden Jahren gegen politische Gegner im Inland und gegen Oppositionelle im Ausland.

Täuschend bescheiden

Als Ruhollah Chomeini im Juni 1989 starb, musste das System rasch eine Nachfolgeregelung finden. Der Expertenrat bestimmte Ali Chamenei bereits einen Tag nach Chomeinis Tod zum Nachfolger.

In der Hierarchie des schiitischen Klerus war er eigentlich nicht hoch genug positioniert, um dieses Amt zu übernehmen. Damit er formell den Ansprüchen des Amtes genügte, wurde er in kürzester Zeit zum Ayatollah erhoben. Auch das stiess auf Kritik.

Chamenei selbst trat in diesem Moment demonstrativ bescheiden auf. Er sagte, man müsse um eine Gesellschaft weinen, die jemanden wie ihn zu ihrem Anführer machen wolle. Gerade diese Selbstverkleinerung half ihm. Viele sahen in ihm keinen grossen Herrscher, sondern einen Kompromisskandidaten, eine Übergangslösung, einen Mann, den andere im Hintergrund würden lenken können.

Doch Chamenei begann früh, sich aus dieser scheinbar schwachen Ausgangslage zu lösen.

Wie Chamenei seinen Machtapparat aufbaute

Chamenei kompensierte seine geringere religiöse Autorität, indem er das Amt des obersten Führers stärker institutionell, sicherheitspolitisch und personell auflud. Er setzte gezielt Vertraute in zentrale Positionen: in Justiz, Geheimdiensten, staatlichen Medien, Revolutionsgarde und religiösen Stiftungen. Schritt für Schritt machte er das Büro des Revolutionsführers zum eigentlichen Nervenzentrum des Staates.

Symbolisch zeigte sich das auch darin, dass er sich bewusst nicht einfach in die Rolle des geistlichen Nachfolgers Chomeinis fügte. Er formte das Amt weg von einer primär religiösen Führungsfigur hin zu einem zentralisierten Machtapparat, der Politik, Sicherheitsarchitektur und zentrale wirtschaftliche Hebel unter sich bündelte.

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Chamenei, nachdem er 1997 seine Stimme für die siebten iranischen Präsidentschaftswahlen seit der islamischen Revolution abgegeben hatte.Bild: AP

Das wichtigste Instrument dieses Umbaus war die Revolutionsgarde. Unter Chamenei wurde sie systematisch ausgebaut. Sie war nicht mehr nur ideologische Schutztruppe der Revolution, sondern entwickelte sich zur mächtigsten militärischen Organisation des Landes – mit eigenen Bodentruppen, eigener Marine, eigener Luftwaffe, eigenen Geheimdienststrukturen und wachsendem politischem Einfluss.

Noch wichtiger: Die Revolutionsgarde wurde unter seiner Herrschaft auch wirtschaftlich zu einer dominierenden Kraft, in dem sie immer grössere Teile strategischer Branchen kontrollierte. Parallel dazu stützte sich Chamenei auf mächtige religiöse Stiftungen und Vermögensfonds, die seiner direkten Kontrolle unterstanden und ihm finanzielle Unabhängigkeit von Regierung und Parlament verschafften.

Damit entstand jenes Herrschaftsmodell, das seine Ära prägte: formal blieb die Islamische Republik ein System mit Präsident, Parlament und Wahlen. Real verschob sich die Macht immer stärker in parallele, nicht demokratisch kontrollierte Strukturen – in Sicherheitsapparate, Stiftungen, Justiz, Wächterrat und das Umfeld des Revolutionsführers.

Der Mann an der Spitze blieb zwar nach Aussen ein Geistlicher. Die reale Durchsetzungsmacht lag aber zunehmend bei einem eng verflochtenen Block aus Militär, Sicherheitsapparat und wirtschaftlichen Profiteuren des Regimes.

Erste Repressionen gegen Reformversuche

In den 1990er-Jahren zeigte sich zunehmend, wie Chamenei auf gesellschaftliche Öffnung reagierte. Zwar liess er zu, dass sich innerhalb des Systems verschiedene politische Lager bewegten und reformorientierte Kräfte zeitweise Erfolge erzielen konnten. Doch sobald diese Bewegungen seine Autorität oder die Grundstruktur des Systems berührten, zog er klare Grenzen.

Die Wahl des Reformers Mohammed Khatami 1997 bedeutete eine Phase gesellschaftlicher Öffnung. Kunst, Film, Literatur und öffentliche Debatten gewannen an Dynamik. Die iranische Gesellschaft veränderte sich sichtbar – besonders Frauen und junge Menschen forderten mehr Freiheit.

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Der iranische Präsident Mohammad Khatami und der oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, stehen am 20. Mai 2001 vor dem Parlamentsgebäude in Teheran.Bild: EPA, AFPI

Chamenei reagierte darauf mit wachsender Abwehr. Er blockierte politische Reformversuche, schloss kritische Medien und stärkte jene Institutionen, mit denen Kandidaten und politische Akteure vorab aussortiert werden konnten. Aus den Konflikten dieser Jahre zog er eine klare Lehre: Das System durfte nie wieder von gesellschaftlicher Dynamik überrascht werden.

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Chamenei bei einem Gebet zum Abschluss des heiligen Fastenmonats Ramadan in Teheran im Jahr 2000.Bild: AP

Politische Reformen erschienen ihm nicht als notwendige Anpassung, sondern als Einstieg in Kontrollverlust. Kulturelle Öffnung galt ihm nicht als Modernisierung, sondern als Einfallstor westlicher Einflussnahme. Hinter innerem Widerspruch vermutete er regelmässig äussere Steuerung.

Schwerste politische Niederlage

Die schwerste politische Erschütterung seiner Herrschaft erlebte Chamenei 2009. Nach den Präsidentschaftswahlen, deren Resultat viele Iranerinnen und Iraner für gefälscht hielten, gingen Millionen Menschen auf die Strasse. Die Grüne Bewegung wurde zur grössten Protestwelle seit der Revolution von 1979. Bemerkenswert war, dass diese Bewegung nicht nur von jungen Protestierenden getragen wurde, sondern auch von Figuren aus dem Innern des Systems – insbesondere von Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karubi.

Beide gehörten zur politischen Elite der Republik und standen für die Einsicht, dass das System ohne ein Mindestmass an Partizipation und Glaubwürdigkeit nicht dauerhaft stabil bleiben würde. Chamenei sah darin jedoch eine Machtfrage. Er liess die Proteste brutal niederschlagen. Mussawi und Karubi wurden unter Hausarrest gestellt. Mit der Niederschlagung der Grünen Bewegung endete faktisch auch die Hoffnung, dass sich die Islamische Republik aus sich selbst heraus grundlegend reformieren könnte.

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Ein am 19. Juni 2009 veröffentlichtes Foto zeigt den iranischen Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi (Mitte) bei einer Protestkundgebung gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen.Bild: EPA

Ab diesem Moment wurde Chameneis Herrschaft noch stärker von Kontrolle, Vorselektion und Repression geprägt. Je länger Chamenei an der Macht blieb, desto stärker zeigte sich die Diskrepanz zwischen seiner Weltanschauung und der gesellschaftlichen Realität im Iran.

Während die Mehrheit der Bevölkerung nach der Revolution geboren wurde, blieb sein Denken den Konfliktlinien von 1979 verhaftet: Antiimperialismus, Antiamerikanismus, Misstrauen gegenüber kultureller Öffnung, Glaube an ideologische Standhaftigkeit. Seine öffentlichen Auftritte wirkten in den letzten Jahren zunehmend aus der Zeit gefallen. Der alternde Kleriker kämpfte rhetorisch immer noch die gleichen Kämpfe gegen die gleichen Feinde.

Viele junge Iranerinnen und Iraner kannten ihn nur noch als graue, unbewegliche Figur, die Verbote verteidigt. Gerade diese Starrheit machte ihn für das System einerseits berechenbar und für seine Anhänger verlässlich. Zugleich trug sie dazu bei, dass das Regime immer weniger fähig war, auf gesellschaftlichen Wandel flexibel zu reagieren.

Kampf gegen «Satan» und das «zionistische Regime»

Für Chamenei war die Feindschaft zu den USA und zu Israel nie nur Aussenpolitik. Sie war ein tragender Teil der ideologischen Architektur des Regimes. Der Kampf gegen den «grossen Satan» und gegen das «zionistische Regime» gehörte zu den Grundformeln seiner Herrschaft.

Dabei ging es nicht nur um Rhetorik, sondern um die Legitimation des Systems selbst. Die Islamische Republik verstand sich unter Chamenei als Staat, der sich gegen äussere Unterwerfung behauptet, westlicher Dominanz widersteht und seine Unabhängigkeit gerade im Konflikt beweist. Zugleich war ihm der Erhalt des Systems wichtiger als der direkte Krieg.

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Eine regierungstreue Demonstrantin hält in Teheran Plakate mit des verstorbenen Chomeini und des Führers Ali Chamenei bei einer Kundgebung vor der ehemaligen US-Botschaft im Jahr 2009.Bild: AP

Gerade deshalb setzte der Iran unter seiner Führung auf eine Strategie der vorgelagerten Abschreckung: über Verbündete und Milizen in der Region, etwa im Libanon, in Syrien, im Irak und im Jemen. Diese Kräfte sollten Gegner binden und Konflikte möglichst fern vom iranischen Kernterritorium halten.

Dieses Modell geriet in den letzten Jahren zunehmend unter Druck. Nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 und den folgenden regionalen Eskalationen begann jenes Netzwerk, das den Iran absichern sollte, sichtbar zu bröckeln. Die Hamas wurde massiv geschwächt, die Hisbollah erlitt schwere Verluste, wichtige Verbündete und Führungspersonen wurden ausgeschaltet. Damit scheiterte ein zentrales Sicherheitskonzept seiner Ära.

Das Atomprogramm

Parallel dazu wurde das Atomprogramm unter Chamenei immer stärker zum politischen und symbolischen Kernprojekt. Für ihn war es nicht nur sicherheitspolitisch relevant, sondern Ausdruck nationaler Souveränität, technologischer Würde und strategischer Unabhängigkeit.

Warnungen vor internationaler Isolation, wirtschaftlicher Erschöpfung und militärischer Eskalation änderten an seinem Grundkurs wenig. Sanktionen deutete das Regime als Preis der Unabhängigkeit. Zugeständnisse blieben taktisch, nicht strategisch. Das Atomprogramm wurde so immer stärker zu einem Symbol jener politischen Haltung, die seine gesamte Herrschaft prägte: nicht nachgeben, nicht weich werden, standhalten.

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Bei einer Militärparade im Jahr 2011 warnte Chamenei Israel und die Vereinigten Staaten, dass Teheran hart reagieren werde, sollten seine Erzfeinde wegen des umstrittenen Atomprogramms des Landes einen Militärschlag gegen den Iran beschliessen.Bild: AP Office of the Iranian Supreme

Dieser Grundsatz bestimmte auch seine Reaktion auf innere Krisen. Ob 2009, 2022 oder zuletzt bei den schweren Protesten im Januar 2026: Chamenei wich nie grundlegend zurück. Er sah in gesellschaftlicher Unruhe eine Bedrohung für den Fortbestand des Systems. Entsprechend reagierte das Regime mit Härte.

Sein Erbe

In seinen späten Jahren lebte Chamenei zunehmend abgeschirmt und gesundheitlich angeschlagen. Seit dem Attentat von 1981 war er körperlich beeinträchtigt. Im politischen Alltag wirkte er zugleich immer stärker isoliert. Der Kreis seiner Vertrauten wurde enger, und die wirkliche Macht im Staat lag längst in jenem Geflecht aus Sicherheitsapparat, Revolutionsgarde und staatsnahen wirtschaftlichen Eliten, das unter seinem Schutz gewachsen war.

Chamenei schaffte es, sich über Jahrzehnte an der Spitze zu halten und das System durch Krisen, Sanktionen, Aufstände und regionale Konflikte zu steuern. Gleichzeitig erstarrte dieses System unter ihm politisch und ideologisch. Es wurde repressiver, schwerfälliger und immer weniger fähig, auf die veränderte Realität der eigenen Gesellschaft zu reagieren.

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Hat 36 Jahre lang über den Iran geherrscht: Ali Chamenei. Bild: keystone

Ali Chamenei war keine charismatische Gründerfigur wie Chomeini. Er war auch kein Herrscher, dessen Macht auf religiöser Unantastbarkeit beruhte. Seine Stärke lag im politischen Überleben, im Ausbau der Macht und in der systematischen Absicherung seiner Position durch loyale Apparate.

Aus einem Kleriker der zweiten Reihe wurde so der Architekt eines Staates, in dem die wahre Macht immer stärker bei Militär, Sicherheitsapparat und staatsnahen Eliten lag. Das ist sein politisches Vermächtnis: nicht nur die lange Dauer seiner Herrschaft, sondern die Umformung der Islamischen Republik zu einem zunehmend militarisierten, ideologisch verhärteten und auf Repression gestützten Machtgefüge.

Mit seinem Tod endet diese Herrschaft. Offen ist, ob das System, das er über Jahrzehnte geordnet und kontrolliert hat, ohne ihn in derselben Form bestehen kann.

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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Frank der Stein
01.03.2026 13:01registriert Juni 2022
Wäre gut für viele gewesen, hätte es ihn deutlich früher erwischt. Aber nun dürfte er an einem ziemlich ungemütlichen Ort für seine Verbrechen büssen - falls das stimmt, woran er wohl glaubte.
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RuediRupf
01.03.2026 13:20registriert November 2023
Prinzipiell gut dass er weg ist. Der Symbolcharakter wäre mMn jedoch einiges grösser gewesen, wäre er von den eigenen Landsleuten "entfernt" worden. Ich hoffe auf das Beste für das iranische Volk, mögen sie endlich Freiheit erfahren!
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Rethinking
01.03.2026 13:28registriert Oktober 2018
Warum sollte dies das Ende einer Herrschaft aus Angst und Gewalt bedeuten??

Es wird einfach der Nächste übernehmen
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