International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05182231 Iranians girls show their inked fingers as they sit on the floor filling their ballot in last minute of voting time for the parliamentary and Experts Assembly election at a polling station at Ershad Mosque in Tehran, Iran, 26 February 2016. Nearly 55 million voters will elect on 26 February the representatives out of 6,229 candidates competing for 290 parliamentary seats, in addition to choosing 88 members out of 161 clerics for the Assembly of Experts, the body responsible for electing a new supreme leader in case the post becomes vacant.  EPA/ABEDIN TAHERKENAREH

Glückliche Wählerinnen in Teheran.
Bild: ABEDIN TAHERKENAREH/EPA/KEYSTONE

«Neue Atmosphäre»: Im Iran gewinnt die «Hoffnung», aber die Konservativen bleiben stark 



Moderate und Reformer haben bei der Parlamentswahl im Iran wichtige Erfolge errungen: Die Verbündeten von Präsident Hassan Ruhani holten alle 30 Sitze in der Provinz Teheran. Auch ausserhalb der Hauptstadt gewannen die Gemässigten deutlich hinzu.

Bislang war das 290-köpfige Parlament von den Konservativen dominiert gewesen, nachdem die Reformer die Parlamentswahl 2012 aus Protest gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni 2009 boykottiert hatten. Der Erfolg bei der Wahl am Freitag ist umso überraschender, als ein Grossteil der Kandidaten der Reformer vom Wächterrat vorab disqualifiziert worden waren.

Laut den Teilergebnissen von Sonntag konnte die Ruhani-treue Wahlliste «Hoffnung» alle 30 Sitze der Provinz Teheran holen, meldete das Innenministerium. Der Spitzenkandidat der Konservativen, der frühere Parlamentspräsident Gholam-Ali Hadad Adel, landete abgeschlagen auf Platz 31 und schaffte es nicht erneut in die Madschles. Unter den gewählten Abgeordneten der Hauptstadt waren laut Staatsfernsehen auch acht Frauen.

Die Liste «Hoffnung» wird von dem Reformer Mohammed Resa Aref angeführt, der bei der Präsidentschaftswahl 2013 mit dem Rückzug seiner Kandidatur wesentlich zur Wahl von Ruhani beigetragen hatte. Laut den Teilergebnissen landete er mit knapp 1,3 Millionen Stimmen in Teheran auf dem ersten Platz.

Mehrheit noch offen

Wie die Mehrheitsverhältnisse im Parlament insgesamt aussehen werden, blieb am Sonntag aber noch offen. Von den 290 Parlamentssitzen gingen nach Teilergebnissen von Sonntagabend 89 an die Gemässigten und Reformer und 86 an die Konservativen. Auch mindestens zehn unabhängige Kandidaten wurden ins Parlament gewählt, deren politische Ausrichtung aber vorerst unklar war.

In mindestens 50 Wahlkreisen war am Sonntag bereits klar, dass eine Stichwahl nötig ist. Diese soll im April oder Mai stattfinden. Die Endergebnisse der ersten Runde der Parlamentswahl und der ebenfalls am Freitag durchgeführten Wahl zum Expertenrat werden nicht vor Dienstag erwartet.

Präsident Ruhani hoffte, beim Urnengang die Dividende seines Kurses der Öffnung einzustreichen, der im Juli zum Abschluss eines Atomabkommens mit den Weltmächten und im Januar zur Aufhebung der Finanz- und Handelssanktionen gegen den Iran führte. In den vergangenen Jahren hatte die konservative Mehrheit immer wieder Reformen blockiert oder - wie im Fall der Atomverhandlungen - Ruhanis Politik zu hintertreiben versucht.

Auch im Expertenrat vorne

Auch im mächtigen Expertenrat führen die Reformer und Gemässigten mit ihren beiden Spitzenkandidaten - dem ehemaligen Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani und jetzigen Präsidenten Hassan Ruhani - auf Platz 1 und 2.

Der prominente Konservative Ahmed Dschannati kam laut den Teilergebnissen auf Platz 15, während zwei andere Schwergewichte der Konservativen, Mohammed Jasdi und Mohammed-Taki Mesbah Jasdi, abgeschlagen auf den Plätzen 17 und 19 landeten. Der Bezirk Teheran stellt 16 der insgesamt 88 Sitze.

Dem Gremium aus hochrangigen Geistlichen kommt die Aufgabe zu, im Fall des Todes des 76-jährigen geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei einen Nachfolger zu wählen.

Iran's former nuclear negotiator, Hasan Rohani, a potential front-runner in the presidential race, addresses, in a campaign rally in Tehran, Iran, Thursday, May 2, 2013. One candidate stresses Iran's need to find ways to persuade the world that it can possess nuclear technology without building a bomb. Another thinks Iran's international reputation has taken unwelcome hits from the diatribes of President Mahmoud Ahmadinejad. More than a few say there's no reason Washington must remain a permanent enemy. While the race to succeed Ahmadinejad still hasn't reached the official starting gate _ formal registration for candidates begins next week _ comments from presumed front-runners for the June 14 ballot offer an overview that suggests less bombast and more measured diplomacy from Iran's highest elected leader. (AP Photo/Vahid Salemi)

Präsident Hassan Ruhani
Bild: AP

«Mit eurer geschickten Wahlentscheidung habt ihr eine neue Atmosphäre geschaffen», schrieb Ruhani am Sonntag auf Twitter. Rafsandschani schrieb: «Niemand hat die Macht, dem Willen der Mehrheit des Volkes zu widerstehen, und wen das Volk nicht will, der muss beiseite treten.»

Allerdings wird der Einfluss der Konservativen - unabhängig vom Wahlausgang - dank Chamenei, der Justiz und des Wächterrats weiter gross bleiben. So muss jedes Gesetz von den zwölf Mitgliedern des Rats gebilligt werden. (sda/afp/dpa/reu)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • JaneSodaBorderless 28.02.2016 17:06
    Highlight Highlight ❤️ Ein schöner und hoffentlich nachhaltiger Erfolg!
  • sowhat 28.02.2016 13:41
    Highlight Highlight Warum hinterlässt es ein ungutes Gefühl, wenn alle 20 Sitze von einer Partei auf eine ander übergehen? hmmm.....
  • Der Beukelark 28.02.2016 13:08
    Highlight Highlight Schön zu lesen!
  • Jsgkl 28.02.2016 09:14
    Highlight Highlight Sehr schön wie das Land unglaubliche Fortschritte macht.
    • Mafi 28.02.2016 13:11
      Highlight Highlight Schritt für Schritt - Mischt sich hoffentlich Amerika nicht ein.
  • goschi 28.02.2016 09:08
    Highlight Highlight Ein Gutes Zeichen und Hoffnung für einen zwar langsamen, aber geordneten und sauberen Übergang des irans zu einer offeneren, aufgeschlosseneren und weniger autokratischen Regierung.

Down down USA! Hardliner führen bei Parlamentswahl im Iran

Bei der Parlamentswahl im Iran zeichnet sich wie erwartet ein deutlicher Sieg der Konservativen ab. Laut inoffiziellen Teilergebnissen, die die Nachrichtenagentur Fars am Samstag veröffentlichte, standen die Gewinner von 241 der insgesamt 290 Parlamentssitze bereits fest.

Demnach gehen 191 Sitze an konservative Kandidaten, 16 an Reformer und 34 an unabhängige Kandidaten. Nach Angaben der Wahlkommission waren bis Samstagabend 162 der landesweit 208 Wahlkreise ausgezählt.

Im grössten Wahlkreis …

Artikel lesen
Link zum Artikel