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Iran: Ajatollah Chamenei bereitet wohl Flucht nach Moskau vor

epa12622672 A handout picture made available by Iran's Supreme Leader Office shows Ayatollah Ali Khamenei greeting a crowd during a ceremony in Tehran, Iran, 03 January 2026. Khamenei commented o ...
Der Druck auf ihn nimmt zu: Ajatollah Chamenei.Bild: keystone

Lage im Iran spitzt sich zu – Ajatollah Chamenei bereitet wohl Flucht nach Moskau vor

Im Iran spitzt sich die Lage weiter zu. Laut Berichten plant Irans Oberster Führer bereits die Flucht nach Moskau. Aus Washington kommen Drohungen.
05.01.2026, 13:5605.01.2026, 13:56
Finn Michalski / t-online
Ein Artikel von
t-online

Über die letzten Tage im Dezember bis ins neue Jahr erlebt der Iran eine neue Welle breiter Massenproteste gegen das Regime des Obersten Religionsführers Ajatollah Chamenei. Hauptgrund dafür ist der erneute Zusammenbruch der iranischen Wirtschaft. Die Währung ist massiv abgerutscht, zugleich kletterte die Inflationsrate auf über 52 Prozent. Die derzeitigen Proteste sind die grössten seit den «Frau, Leben, Freiheit»-Protesten, die nach der gewaltsamen Ermordung der Iranerin Mahsa Amini im Jahr 2022 ausbrachen.

epa12616910 Iranian shopkeepers and traders protest against the economic conditions in Tehran, Iran, 29 December 2025. Iran is experiencing an economic crisis as the value of its currency declines as  ...
Proteste in Teheran. (Aufnahme vom 29. Dezember 2025)Bild: keystone

Auch in Teheran scheint die Besorgnis innerhalb der autoritären Führung zu wachsen. Laut einem Bericht der britischen Zeitung «The Times» soll der Oberste Führer Chamenei bereits einen Fluchtplan nach dem Vorbild des ehemaligen syrischen Diktators Baschar al-Assad vorbereitet haben. Demnach plane der 86-Jährige, für den Fall eines Kontrollverlusts im Land oder einer Desertion des Militärs mit rund 20 Vertrauten und Familienmitgliedern nach Moskau zu fliehen.

Chameneis 95-Milliarden-Netzwerk

Der Fluchtplan sehe unter anderem vor, Vermögenswerte, Auslandsimmobilien und Bargeld zusammenzuführen, um eine sichere Ausreise aus Teheran zu ermöglichen, so die Quelle. Chamenei verfügt seit Jahren über ein weitverzweigtes Vermögensnetzwerk. Teile davon sind beim mächtigen Setad-Konzern gebündelt, einer halbstaatlichen Stiftungskonstruktion, die für ihre Intransparenz bekannt ist. Nach einer Reuters-Recherche aus dem Jahr 2013 soll das von Chamenei kontrollierte Vermögen rund 95 Milliarden Dollar betragen.

Die Sorge des Regimes ist nicht unbegründet. Im Vergleich zur Situation im Jahr 2022 hat sich vieles verändert. Damals verfügte der Iran in der Region noch über ein anderes Standing. Proxys wie die Hisbollah im Libanon sind infolge israelischer Angriffe kaum noch handlungsfähig, und auch die Huthis im Jemen agieren heute deutlich unabhängiger von Teheran als noch 2022. Mit Assad ist zudem ein enger Verbündeter in der Region weggefallen, und die US-amerikanischen Angriffe auf das iranische Nuklearprogramm haben die Resilienz des Regimes weiter geschwächt.

Vor allem aber wächst der Druck aus Washington. Am Sonntag erklärte US-Präsident Donald Trump vor Reportern an Bord der Air Force One über den Iran: «Wenn sie Menschen töten, wie sie es in der Vergangenheit getan haben, werden sie von den Vereinigten Staaten hart getroffen.» Im unmittelbaren Nachgang der US-Militäraktion, bei der der venezolanische Präsident Nicolás Maduro festgenommen und ausser Landes gebracht worden war, hallen Trumps Drohungen verstärkt nach.

Am Sonntag veröffentlichte der persischsprachige Account des US-Aussenministeriums ein Bild von Präsident Trump mit der Botschaft: «Präsident Trump ist ein Mann der Tat. Falls Sie es noch nicht wussten, wissen Sie es jetzt.»

Bereits am Sonntagvormittag war derselbe Beitrag auf dem allgemeinen Account des US-Aussenministeriums erschienen. Er zeigte Trump neben US-Aussenminister Marco Rubio und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff.

«Wahllose Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung»

Derweil berichten Menschenrechtsorganisationen über ein gewaltsames Vorgehen der iranischen Sicherheitsbehörden gegen Demonstrierende. Laut Berichten wurden bislang mindestens 20 Menschen getötet und rund 1'000 festgenommen. Skylar Thompson, stellvertretende Direktorin der iranischen Menschenrechtsorganisation HRAI, sagte dem «Guardian», das «wahllose Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung müsse als Verstoss gegen das Völkerrecht gewertet werden». Besonders hob sie hervor, dass sich unter den Opfern auch Kinder befänden.

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156 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mulumbi
05.01.2026 14:46registriert April 2024
Die Ex-Diktatoren WG in Moskau bekommt sein nächstes Mitglied. Wahnsinn, was in diesem fünf Tage altem Jahr schon alles passierte und kurz bevorsteht.
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manuel0263
05.01.2026 14:26registriert Februar 2017
Man würde um die Mullahs im Iran genausowenig trauern wie um Maduro in Venezuela. Das grosse Problem bleibt, dass der selbsternannte König der USA nur Öl und Deals will, sich jedoch wohl wenig um die Installation demokratischer Strukturen in diesen Ländern interessiert und noch nicht mal die verfassungsgemäss notwendige Zustimmung des Kongresses besitzt. Für Xi-Panda in Peking und den Möchtegern-Zaren in Moskau ist das völkerrechtlich fast eine Steilvorlage für das eigene Vorgehen. Hoffentlich schafft das endlich einen deutlichen Graben zwischen Trump und Maduro-Freund Putin...für die Ukraine.
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Franz v.A.
05.01.2026 14:32registriert August 2019
Und der nächste Tyrann bekommt Unterschlupf beim möchte gern Stalin. Ich wünsche dem iranischen Volk Freiheit und Frieden und eine demokratische Regierung.
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