Lebensmittel-Hamsterkäufe in Golfstaaten: Regierungen beschwichtigen
Der Irankrieg hat für die Bevölkerung in den Golfstaaten Folgen. Weil Frachtschiffe die Strasse von Hormus meiden, gelangen weniger Waren in die Region. In einem Interview mit SRF berichtet Stefan Paul, Chef von Kühne+Nagel, dass beispielsweise Dubai nur noch frische Lebensmittel für rund zehn Tage hat. Er warnt, dass es zu Engpässen kommen könnte, sollte die Lage andauern.
Auch die Financial Times berichtete am Mittwoch, dass gewisse Gebiete im Mittleren Osten mit Versorgungslücken rechnen müssen. Das gilt aber nicht für alle. «Die Golfstaaten sind sehr abhängig von importierten Lebensmitteln», sagt Christian Henderson, Assistenzprofessor an der Leiden Universität in den Niederlanden. Rund 30 Millionen Tonnen Getreide wurden im vergangenen Jahr in die Golfstaaten importiert.
Exportverbot im Iran und volle Vorratskammern
Und gerade der Jemen, Sudan und Somalia nutzten beispielsweise die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als Transitland bei Importen. Hier könnte es zu Engpässen und Preiserhöhungen kommen.
Auch der Iran importiert viel Getreide, Mais und Sojabohnen über die Strasse von Hormus. Zucker und Tee sind ebenfalls betroffen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, keine Hamsterkäufe zu tätigen. Gleichzeitig wurde ein Exportverbot für Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte verhängt. Vor dem Ausbruch des Konflikts hatte man zudem Reserven angelegt, die rund vier Monate reichen sollen. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben strategische Vorräte angelegt.
Das sind die Alternativen
Wie die «Financial Times» weiter berichtet, müssen betroffene Länder nach Alternativen suchen. So habe der Iran bereits begonnen, Getreide oder Reis auf dem Landweg von Russland oder Pakistan zu importieren – auch wenn keine solchen Mengen möglich sind, wie wenn sie über die Golf-Häfen eingeführt würden.
Auch Saudi-Arabien kann auf die Häfen des Roten Meers ausweichen. Die VAE können auf Häfen ausserhalb der Strasse von Hormus zurückgreifen. Die Kapazitäten sind aber in beiden Fällen begrenzt. Kuwait, Katar und Bahrain wären vom Landweg via Saudi-Arabien und VAE abhängig. Diese beiden Länder haben jedoch viel Geld. Sollte der Konflikt länger andauern, könnten sie auch teurere Importe finanzieren, im Extremfall sogar über den Luftweg.
Hamsterkäufe in den Metropolen
Die Lage ist also noch nicht dramatisch. Mehrere Medien aus dem Mittleren Osten berichten, dass die Regierungen in den vergangenen Tagen bestätigt hätten, dass genügend Lebensmittel vorhanden seien. Aus Dubai wird dennoch von Hamsterkäufen berichtet. In den VAE haben Menschen ebenfalls bereits Regale leergeräumt, weshalb die Regierung öffentlich bekannt gab, dass dies nicht nötig sei, da es genügend Vorräte gebe. (vro)
