DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Palästinenserpräsident kündigt alle Abkommen mit Israel und USA

20.05.2020, 08:49

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat am Dienstag ein Ende aller Vereinbarungen mit Israel und den USA erklärt. Bei einem Treffen der Palästinenserführung in Ramallah sagte Abbas nach Angaben der Nachrichtenagentur Wafa, dies schliesse auch Sicherheitsvereinbarungen ein. Abbas reagierte damit auf Annexionspläne Israels im besetzten Westjordanland. Abbas hatte in der Vergangenheit ähnliche Drohungen geäussert, diese aber bisher nicht umgesetzt.

«Die Palästinensische Befreiungsorganisation und der Staat Palästina sagen sich von heute an von allen Verträgen und Vereinbarungen mit den Regierungen der USA und Israels los, sowie von allen Verpflichtungen, die aus diesen hervorgehen, einschliesslich der Sicherheitsvereinbarungen», sagte Abbas den Angaben zufolge.

Mahmud Abbas während dem Treffen der Palästinenserführung am 19. Mai 2020.
Mahmud Abbas während dem Treffen der Palästinenserführung am 19. Mai 2020.
Bild: AP

Israel müsse nun selbst die Verantwortung für die besetzten Gebiete übernehmen, sagte der Palästinenserpräsident den Angaben zufolge. Man mache die USA dabei als Partner einer Besatzungsmacht «voll verantwortlich für die Unterdrückung des palästinensischen Volkes».

«Die israelische Besatzungsbehörde muss von heute an alle Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen gegenüber der internationalen Gemeinschaft als Besatzungsmacht übernehmen», sagte Abbas. Dies schliesse alle Konsequenzen angesichts des internationalen humanitären Völkerrechts ein, betonte er.

Israels neue Regierung will in Übereinstimmung mit dem Nahost-Plan von US-Präsident Donald Trump Siedlungen und das Jordantal im Westjordanland annektieren. Die Pläne sind international höchst umstritten. Israels rechtskonservativer Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Sonntag seine fünfte Amtszeit angetreten. Laut einer Koalitionsvereinbarung mit dem Mitte-Bündnis Blau-Weiss könnte er diese Pläne von Juli an Regierung und Parlament zur Billigung vorliegen. Es ist allerdings noch unklar, ob Israel dies tatsächlich so schnell tun will.

Regierungschef Benjamin Netanjahu hat am Sonntag seine fünfte Amtszeit angetreten.
Regierungschef Benjamin Netanjahu hat am Sonntag seine fünfte Amtszeit angetreten.
Bild: AP

Trump hatte den Plan im Januar in Washington in Netanjahus Beisein vorgestellt. Den Palästinensern wird darin ein eigener Staat in Aussicht gestellt, allerdings unter harten Auflagen. Jerusalem soll demnach die ungeteilte Hauptstadt Israels bleiben. Abbas wies den Plan umgehend zurück. Die Palästinenser boykottieren die US-Regierung bereits, seit Trump Ende 2017 Jerusalem einseitig als Israels Hauptstadt anerkannt hat. Trumps Plan sieht rund 70 Prozent der Fläche des Westjordanlandes für die Palästinenser vor. Die israelischen Siedlungen mit Hunderttausenden Israelis sollen aber bleiben. Ausserdem würden die Palästinenser zumindest zunächst keine Sicherheitskontrolle über ihre eigenen Grenzen erhalten. Israel hat während des Sechstagekrieges 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Die Palästinenser fordern die Gebiete für einen eigenen Staat - mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Nach Veröffentlichung des Trump-Plans im Januar hatte Abbas bereits den Abbruch aller Beziehungen zu Israel und den USA bekräftigt. Er habe entsprechende Nachrichten an die USA und Israel geschickt, sagte Abbas damals bei einem Treffen der Arabischen Liga in Kairo. Im Juli vergangenen Jahres sagte Abbas auch, man werde die seit 1993 unterzeichneten Abkommen mit Israel aussetzen. Abbas hatte bereits einen Stopp der Sicherheitskoordination mit Israel ausgerufen. Diese ging aber de facto stets weiter.

Israel und die Palästinenser hatten 1993 den ersten Friedensvertrag unterzeichnet. Danach wurde eine Selbstverwaltung der Palästinenser im Gazastreifen und Teilen des Westjordanlands eingerichtet. Die Autonomiebehörde ist für eine Vielzahl von Bereichen zuständig - von Wirtschaftsfragen bis zur inneren Sicherheit. 2007 übernahm die islamistische Hamas im Gazastreifen gewaltsam die alleinige Kontrolle. Seitdem gibt es de facto zwei getrennte Führungen - eine in Ramallah und eine in Gaza.

Die Palästinenser hatten sich von der Friedensvereinbarung mit Israel langfristig einen unabhängigen Staat erhofft. Verhandlungen über eine dauerhafte Friedensregelung liegen jedoch seit 2014 brach. Besonders der fortwährende Ausbau israelischer Siedlungen sorgt in den Palästinensergebieten für grosse Frustration. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Shimon Peres' Leben in Bildern

1 / 12
Shimon Peres' Leben in Bildern
quelle: x02077 / amir cohen
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Die Geschichte des Staates Israel in 3 Minuten

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Erich Gysling: «Die Schweiz sollte die Hamas nicht als Terrororganisation bezeichnen»

Die Lage im Nahen Osten bleibt nach dem Waffenstillstand angespannt. Die nächste Eskalation ist vorprogrammiert, glaubt Nahostexperte Erich Gysling.

Erich Gysling, 84, war Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und Mitbegründer der Sendung «Rundschau». Er hat immer wieder Reisen in den arabischen Raum unternommen und kennt die Region seit Jahrzehnten. Der Nahostexperte kommuniziert in 9 Sprachen, darunter Arabisch und Farsi.

Herr Gysling, in der Nacht auf Freitag beschlossen Israel und die Hamas einen Waffenstillstand. Trauen Sie der Ruhe?Erich Gysling: Kurzfristig schon, aber mittelfristig werden sich die Spannungen neu aufbauen und …

Artikel lesen
Link zum Artikel