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Deutsche Geisel berichtet aus der Zeit bei der Hamas

«Die Angst war immer da»: Deutsche Geisel berichtet aus der Zeit bei der Hamas

Sie wurde halbnackt vom Hamas-Terroristen ins Auto geschleift. Während ihrer Geiselnahme hatte Yarden Romann-Gat nur ein Tuch als Bekleidung, berichtet sie.
18.12.2023, 06:5018.12.2023, 16:55
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t-online

In der Gefangenschaft der Terrororganisation Hamas haben laut Angaben der befreiten deutsch-israelischen Geisel Yarden Romann-Gat vor allem Frauen besondere Ängste durchzustehen. «Als Frau hast du nie die Angst ganz aus dem Kopf bekommen, vergewaltigt oder Teil einer Reihe von Taten zu werden, niemals», sagte sie in einem Interview dem US-Sender CBS.

Ehemalige Geisel Yarden Romann-Gat: Die Deutsch-Israelin ist mittlerweile wieder bei ihrer Familie.
Ehemalige Geisel Yarden Romann-Gat: Die Deutsch-Israelin ist mittlerweile wieder bei ihrer Familie.Bild: getyardenhome.com

«Es ist einfach keine Option, weil du so lange du da bist, hoffnungslos bist. Du hast keinen Schutz, du kannst nie widersprechen, es könnte dich dein Leben kosten», sagte Romann-Gat in einem am Sonntag bei der Plattform X veröffentlichten Ausschnitt der Sendung «60 Minutes». Die Angst sei nicht immer extrem gewesen, aber nie verschwunden, sagte sie.

Romann-Gat war Ende November von der Hamas im Rahmen eines Abkommens mit der israelischen Regierung freigelassen worden. Sie war nach Angaben ihrer Familie zu Besuch bei ihren Schwiegereltern im Kibbuz Beeri im Grenzgebiet, als sie, ihr Mann und ihre kleine Tochter dort beim Massaker am 7. Oktober von Terroristen in einen Wagen gezerrt wurden. Den dreien gelang es zunächst, auf dem Weg in den Gazastreifen zu fliehen, sie wurden jedoch auf der Flucht getrennt. Ihr Mann und ihre Tochter versteckten sich im Gebüsch und entkamen.

Als sie flohen, habe sie ihre Tochter kurze Zeit bei sich gehabt. «Ich bin keine gute Läuferin. Wenn Du zwölf Kilogramm bei Dir hast, ist die beste Option, dass Alon sie nimmt. Er ist ein sehr guter Läufer», beschreibt sie die Übergabe ihres Kindes. Es sei die beste Chance für ihre Tochter gewesen, sie in die Hände ihres Mannes zu geben. Alon Romann erzählte im Interview, wie die Kugeln um die beiden herumgeflogen seien. Er habe sich mit seiner Tochter in eine Kuhle gelegt, erinnerte er sich um Gespräch mit dem Sender. Fast neun Stunden habe er mit seiner Tochter ausgeharrt.

Yarden Romann-Gat hingegen rannte weg, fiel aber hin. «Ich stellte mich tot, aber meinen Atem anhalten war gewissermassen unmöglich», sagte sie. Die Hamas-Terroristen hätten gesehen, dass kein Blut an ihr war und nahmen sie mit. «Sie zogen mich über den Boden, ich war im Schlafanzug, der langsam von mir herunterrutschte. Es war einer der am meisten Angst machenden Momente». Denn sie habe befürchtet, dass sie – halbnackt – doch vergewaltigt werden würde.

Aber das Ziel der Terroristen sei gewesen, sie nach Gaza zu bringen. Sie sei als Trophäe behandelt worden, auf dem Weg in die Stadt seien die Entführer gefeiert worden. Man habe sie in einem Haus eingesperrt und rund um die Uhr bewacht. Die Bewacher hätten ihre ein grosses Kopftuch gegeben, mit dem sie ihren Körper bedecken konnte. «Es war mein Schutz, es war alles, was ich hatte», erzählte sie im Interview. «Sie wollten nicht mich beschützen. Sie wollten ihre Trophäe beschützen.»

Während sie, ihr Mann und ihre Tochter jetzt in Sicherheit sind, ist ihre Schwester noch in der Gewalt der Hamas. Ihre Schwiegermutter wurde bei dem Angriff am 7. Oktober erschossen.

Grossmutter ging mit Kissinger zur Schule

Yarden Romann-Gat ist nach Angaben der Webseite bringyardenhome.com, die nach ihrer Entführung eingerichtet wurde, Tochter von Jonathan und Orly Romann und Enkelin von Hans und Lotte Romann. Grossvater Hans sei in Heidelberg aufgewachsen und studierte dort auch. Die Mutter von Hans, Lotte, setzte sich der Webseite zufolge im Rahmen der Volksabstimmung im Ersten Weltkrieg für den Verbleib Oberschlesiens in Deutschland ein. Sie ging mit dem kürzlich gestorbenen ehemaligen US-Aussenminister Henry Kissinger zur Schule.

Auch Wochen nach dem Massaker der Hamas in Israel am 7. Oktober kommen weiter neue Berichte über brutale sexuelle Gewalttaten gegen Frauen und Mädchen ans Licht. Die israelische Polizei hat wegen der Berichte über massenhafte sexuelle Verbrechen an Frauen an dem Tag Ermittlungen aufgenommen.

Eine unabhängige Expertenkommission sammelt zudem ebenfalls Augenzeugenberichte, forensisches und anderes Beweismaterial. Die Berichte schüren auch die Sorge um junge Frauen, die sich noch in der Gewalt der Terrororganisation befinden und deren Freilassung die Hamas bisher verweigert hat.

(t-online/wan/dpa)

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36 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Dominik Egloff
18.12.2023 10:08registriert November 2015
Dass schwere Sexualstraftaten wie die sexuelle Gewalt gegen dieser Geisel, die "nur" darin bestand dass sie gegen ihren Wille, nahezu nackt und wehrlos durch einen johlenden (schlagenden? spuckenden? anfassenden?) Männermob geschleift wurde, uns dazu führt zu sagen dass sie enormes Glück hatte, zeigt die Dimension dieses einzigartigen Sexualverbrechens. Schon heute kann man festhalten, dass am 7.10 das vermutlich umfangreichste und in der Ausführung sadistischste Massensexualverbrechen stattfand, dem je eine Demokratie seit dem zweiten Weltkrieg ausgesetzt war.
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Dominik Egloff
18.12.2023 09:36registriert November 2015
Gerade wurde in Deutschland eines der riesigen Waffen und Folterwerkzeuglager der Hamas entdeckt. Die Planungen zu ganz grossen Massakern sind bereits in der Vorbereitung. Die ersten, für die Hamas und ihre IS Kollegen noch kleinen Terrortaten in Deutschland (2x mit Lastwagen in Weihnachtsmärkte reinrasen und 1x Massaker an einer Demo) konnten im aller letzten Moment noch verhindert werden. In Frankreich herrscht die höchste Terrorwarnstufe.
Bei uns hingegen kämpft man für einen Waffenstillstand jetzt, welcher die Hamas auf einen Schlag zu einem der mächtigsten globalen Playern machen würde.
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