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Italien

Achtes Todesopfer nach Unwetter auf Ischia gefunden

Opferzahl auf italienischer Insel Ischia steigt – Kritik an Politik

Rettungskräfte auf der italienischen Insel Ischia haben nach dem schweren Unwetter von der Nacht zu Samstag ein achtes Todesopfer gefunden.
28.11.2022, 11:1028.11.2022, 15:32

Nach dem verheerenden Unwetter auf der italienischen Insel Ischia haben die Behörden die Bergungsarbeiten fortgesetzt und einen weiteren Toten geborgen.

A man cleans mud and debris from a street after heavy rainfall triggered landslides that collapsed buildings and left as many as 12 people missing, in Casamicciola, on the southern Italian island of I ...
Die Helfer sind weiterhin mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.Bild: keystone

Die Feuerwehr fand am Montagmorgen einen 15 Jahre alten Jungen im nördlichen Küstenort Casamicciola, wie die Präfektur in Neapel mitteilte. Damit stieg die Zahl der Toten auf acht. Am Sonntag hatten die Rettungskräfte die sechs Jahre alte Schwester und den elf Jahre alten Bruder des Jungen in den Schlammmassen entdeckt. Ausserdem bargen sie ein erst 22 Tage altes Baby tot aus den Trümmern sowie drei Frauen und einen Mann.

Vier Menschen galten am Montagnachmittag noch als vermisst, darunter laut Medien die Eltern der drei gestorbenen Geschwister. Starke Regenfälle hatten zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Besonders betroffen war der Nordteil der Insel. Etwa 30 Gebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen. Schlammmassen trieben durch die Strassen bis in die Häuser, zerstörten Autos und rissen sie ins Meer.

Nachdem das Ausmass des Unwetters deutlich wurde, tauchten erste Fragen nach dem Warum auf und ob das Unglück nicht hätte verhindert werden können. Vorwürfe richteten sich gegen die Behörden, die nicht genug in den Schutz der Hänge investiert hätten.

Andere kritisierten die Politik der vergangenen Jahre, die den Schwarzbau auf Ischia noch unterstützt habe. Bekannt war, dass an den bebauten Hängen auf der grössten Insel im Golf von Neapel ein Risiko für Erdrutsche bei Unwettern bestand. Einige Häuser sollen dort laut Medienberichten ohne Erlaubnis und entsprechend Prüfungen gebaut worden sein.

«Ungenehmigtes Bauen stellt sicherlich ein Problem dar», sagte Zivilschutz-Chef Fabrizio Curcio in einem Zeitungsinterview am Montag. Auf Ischia sei klar, dass es Schwarzbauten gebe, weshalb ein höheres Risiko bestehe. Der 56-Jährige merkte jedoch an, dass auch bei legalen Bauten in Gegenden, in denen die Natur ihren Raum zurückfordere, durch Fehlplanungen Unsicherheiten entstünden.

Ein Risiko für Überschwemmungen, Erdrutsche und Erosionen besteht laut Curcio in ganz Italien und nicht nur auf Ischia mit seinen etwas mehr als 60'000 Einwohnern. 94 Prozent der Kommunen seien gefährdet. Deshalb brauche es mehr Prävention und Verbesserung beim Bau von Wehren sowie an Flussufern. Auch die Menschen müssten ihr Verhalten bei Unwetterwarnungen anpassen. «Ereignisse, wie das auf Ischia, werden immer häufiger: Dies ist die Zeit des Tuns, nicht das Nachdenkens», sagte Curcio.

Seine Behörde hatte noch am Freitagabend vor Starkregen und Sturm in Süditalien gewarnt. In der Nacht zu Samstag brach das Unwetter dann über Ischia herein. Autos und Busse wurden von den Schlammmassen mitgerissen und landeten teilweise im Meer. Rund 230 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Die Behörden waren zeitweilig mit fast 400 Rettungskräften im Einsatz, von denen viele vom Festland aus auf die Insel geschickt wurden. Die Regierung in Rom verhängte am Sonntag den Notstand auf der Urlaubsinsel und sicherte zwei Millionen Euro Finanzhilfe zu. (saw/sda/dpa)

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