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Staatsbegräbnis für Berlusconi – Kritik an ausgerufener Staatstrauer

Staatsbegräbnis für Berlusconi – Kritik an ausgerufener Staatstrauer

Silvio Berlusconi wird am Mittwoch mit einem Staatsbegräbnis und einem von der italienischen Regierung angeordneten Trauertag die letzte Ehre erwiesen.
14.06.2023, 04:57
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Etwa 2000 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft werden im weltbekannten Dom von Mailand zum Gottesdienst für den im Alter von 86 Jahren verstorbenen Politiker und früheren Ministerpräsidenten erwartet. Darunter sind Staatspräsident Sergio Mattarella, Regierungschefin Giorgia Meloni und fast alle Mitglieder ihres Kabinetts.

epa10688919 A worker carries a fence ahead of former Italian Prime Minister Silvio Berlusconi's state funeral in Duomo's square in Milan, Italy, 13 June 2023. Silvio Berlusconi died at the a ...
Hier wird Berlusconi zu Grabe getragen: Der Mailänder Dom.Bild: keystone

Als weitere Trauergäste haben sich nach Medienberichten Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban, Emir Tamim bin Hamad Al Thani aus Katar und der irakische Präsident Abdul Latif Raschid angekündigt. Die EU-Kommission wird von Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni vertreten. Der deutsche CSU-Politiker Manfred Weber kommt als Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), zu der auch Berlusconis Forza Italia gehört.

Auf dem Domplatz vor der Kathedrale in Mailand werden etwa 20'000 Berlusconi-Anhänger und andere Trauergäste erwartet. Für sie wurden zwei Grossbildleinwände aufgestellt.

Berlusconi war der einflussreichste und prägendste Politiker der vergangenen Jahrzehnte in Italien. Dass er als Ex-Ministerpräsident ein – mit Steuergeld bezahltes – Staatsbegräbnis bekommt, ist vom Gesetz so vorgesehen.

Die Staatstrauer am Tag der Beerdigung ist aber ungewöhnlich. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde nur zwei Ministerpräsidenten diese Ehre zuteil: Giovanni Leone und Carlo Azeglio Ciampi, die allerdings vor ihrem Tod auch noch Staatspräsidenten gewesen waren. Die beiden Parlamentskammern in Rom haben alle Abstimmungen in dieser Woche gestrichen. Berlusconi war bis zum Tod Mitglieds des Senats.

«Staatstrauer für eine derart spaltende Person wie Silvio Berlusconi ist meiner Meinung nach unangemessen», kritisierte Rosy Bindi, langjährige Parteichefin der Sozialdemokraten, in einem Fernseh-Interview. Berlusconi hatte bei seinem Polit-Debüt 1994 die im Faschismus verwurzelte Alleanza Nazionale sowie die Separatisten der damaligen Lega Nord in die Regierung geholt und politisch salonfähig gemacht. (sda/dpa)

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8 Kommentare
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Pointless Piraña
14.06.2023 07:17registriert Dezember 2019
Der Mann, der Staat und Amt ausschliesslich für seine Zwecke missbraucht hat, bekommt ein Staatsbegräbnis.
Dann halt. Zumindest sitzt er jetzt nicht mehr in der Regierung.
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N. Y. P.
14.06.2023 05:49registriert August 2018
Dass er als Ex-Ministerpräsident ein – mit Steuergeld bezahltes – Staatsbegräbnis bekommt, ist vom Gesetz so vorgesehen.

Ok, ich wollte schon loslegen und polemisieren. Dann ist das halt so. Soll er sein Staatsbegräbnis kriegen.
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