International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bären-Attacke in Norditalien – Vater verteidigt Sohn und wird schwer verletzt



This photo taken on May 18, 2000 provided by the Provincia autonoma di Trento press office shows bear Daniza at the Adamello Brenta park, northern Italy. Animal rights groups called Thursday, Sept. 11, 2014 for the resignation of Italy's environment minister and the forestry police opened an investigation after a mother bear died during a capture operation ordered after she scuffled with a forager as her cubs slept nearby. Daniza's fate has captivated Italians ever since a mushroom scavenger reported she attacked him in mid-August in northern Trento province. The issue gained attention because Daniza was part of an EU-funded operation to reintroduce brown bears to the region after they were nearly wiped out decades ago. (AP Photo/Provincia Autonoma di Trento)

In Norditalien sind die Bären los. Bild: AP/Provincia autonoma di Trento

Vater und Sohn sind in den Bergen in der norditalienischen Provinz Trentino unterwegs. Auf einmal steht ein Bär vor ihnen. Der 28 Jahre alte Sohn läuft davon, fällt vor Schreck hin. Der Bär steigt auf ihn.

Der Vater greift an, verteidigt den Sohn und attackiert den Bären. «Wie ein Blitz» sei das Tier aus dem Wald gekommen, zitieren lokale Medien den Vater Fabio Misseroni. «Er warf sich auf meinen Sohn, traf ihn an den Beinen. Da bin ich gegen ihn angetreten, um (meinen Sohn) Christian zu verteidigen. Er biss mich in ein Bein, dann in einen Arm, dann in die andere Hand. Dann ging er weg, wie durch ein Wunder. Er hätte uns beide töten können.»

Der 59-jährige Vater zieht sich schwere Verletzungen am Bein zu, teilt die autonome Provinz Trentino mit. Die Männer – beide sind Jäger – kommen ins Krankenhaus. Beim Kampf zwischen Bär und Vater sei es zu «Tritten, Schlägen, Bissen» gekommen, hiess es bei der Provinz. Aber ob der Bär aggressiv war oder die Menschen ihn mit ihrem Verhalten aufgescheucht haben, ist unklar. Geprüft wird, ob es eine Bärin mit Jungen war. «Bären haben normalerweise Angst vor Menschen, sie weichen ihnen aus. Aber wenn eine Bärin Junge hat, dann verteidigt sie diese», erklärt ein Sprecher der Provinz.

In der auch bei Deutschen sehr beliebten Berglandschaft um die Dolomiten gibt es immer wieder Bären-Ärger. Gegner machen die Tiere für das Reissen ihrer Nutztiere verantwortlich und meinen, sie verbreiten Angst und Schrecken und vergraulen Touristen. Naturfreunde hingegen sehen das Problem eher beim Menschen, der sich den Bären leichtsinnig nähert.

Generell gilt: Nicht mit freilaufenden Hunden spazieren, bei einer Begegnung mit dem Bären ruhig bleiben, langsam rückwärts bewegen, mit ruhiger Stimme sprechen. Im seltenen Fall, dass ein Bär angreift: Den Bären nicht anschreien und nicht versuchen, ihn zu treten. Mit verschränkten Fingern im Nacken hinlegen und mit den Armen den Kopf schützen, heisst es in einem Infoblatt der Provinz.

Im Trentino leben rund 90 Bären, das ist für ein relativ kleines Gebiet ziemlich viel. Sie wurden Ende der 90er Jahre mit einem EU-Programm in der Alpenregion wieder angesiedelt. Doch der Traum von der friedlichen Existenz zwischen (Wild-)Tier und Mensch scheint mittlerweile ausgeträumt.

12-Jähriger wird von einem Bären überrascht

Video: watson/nfr

«Es ist kein einfaches Verhältnis. Der jetzige Vorfall könnte den Konflikt weiter anheizen», sagt Marco Galaverni, wissenschaftlicher Direktor beim Umweltschutzbund WWF. Die Menschen in der Region müssten viel besser aufgeklärt werden, dass sie sich in einem Gebiet mit Bären befinden. Auch Urlauber müssten Bescheid über korrektes Verhalten wissen.

Eines der berühmtesten Trentiner Exemplare war «Problembär Bruno», der bis nach Deutschland wanderte und nach einem riesigen Medienrummel schlussendlich im Sommer 2006 in Bayern erlegt wurde.

Letztes Jahr machte in Italien dagegen «M49» monatelang Schlagzeilen. Der Bär galt als Ausbrecherkönig, weil er sich aus einem Gehege befreit hatte. Erst knapp zehn Monate später, diesen April, tappte er in eine Falle und wurde wieder hinter Absperrungen gebracht. Was dem jetzigen «Problembären» droht, ist unklar. Die Provinz könnte eine Anordnung erlassen, ihn zu fangen oder auch, ihn zu töten, falls er als zu gefährlich eingestuft wird.

Dass eine Begegnung mit einem Bären nicht unbedingt übel ausgehen muss, zeigt ein Video aus dem Trentino, das sich vor wenigen Wochen international verbreitete: Darauf ist ein Junge beim Wandern zu sehen. Hinter ihm steht ein grosser Bär, der sich aufrichtet. Geleitet von den ruhigen Worten seines Vaters zeigt der Junge dem Tier die kalte Schulter, bewegt sich langsam davon – bis das Tier das Interesse verliert und sich abwendet. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

History Porn Teil XXV: Geschichte in 23 Wahnsinns-Bildern

Schweizer Fledermäuse vom Aussterben bedroht

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Victor Paulsen 23.06.2020 20:10
    Highlight Highlight Als Jäger sollte man doch wissen, wie man sich unbewaffner gegenüber einem wilden Tier verhält
  • fools garden 23.06.2020 16:08
    Highlight Highlight Der Frage liegt in der Auslegung des Bärenprogramms:
    Befindet sich der Bär in unserem Territorium, oder sind wir in Seinem.
    Wer schon mal in Canada war, hat vielleicht Infotafeln angetroffen mit der Aufschrift, you're in bears country.
    • hänes 23.06.2020 17:08
      Highlight Highlight Du weisst aber schon, dass in Kanada Problembären geschossen werden. Und man kann sie auch offiziell bejagen. Für das entsprechende Kleingeld sogar Ausländische Jäger. Wolf ebenso
  • Fip 23.06.2020 15:56
    Highlight Highlight Wir müssen wieder lernen mit dem Bär zu leben.

    Dazu gehört es auch hierzulande:
    keine Essensreste im Wald zurückzulassen!
    Bemerkbar bleiben!
    Abstand halten!

    Im übrigen sind Kühe weitaus gefährlicher.. na ja, dafür essen wir sie auch regelmässig ..
  • nadasagenwirjetzteinfachmal 23.06.2020 15:19
    Highlight Highlight Vielleicht sollte man einige Problemmenschen in der Region wegschliessen .
  • AdiB 23.06.2020 14:59
    Highlight Highlight Wenn ich lese "problembär" da könnte ich durchdrehen. Die leute müssen lernen mit der natur zu leben. Hört auf von wilden tieren zu verlangen sich an uns an zu passen. Wir haben unser reich und sie ihres. Bären kommen selten bis nie an wohngebieten, ausser sie wühlen mal im abfall.
    Bären sind im grunde friedliche tiere. Wenn man einen sieht sollte man halt langsam sich von ihm weg bewegen und nicht zu ihm hin. Es ist so simpel, aber gewiesse menschen müssen halt ihre neugierde stillen und wen das tier seinem instinkt folgt und sich anföngt zu wehren heisst es "problembär".
  • parrot 23.06.2020 14:39
    Highlight Highlight Mein Mitgefühl für die Betroffenen. Aber man rennt einfach NIE von einem Bären davon! Das sollten Menschen, welche sich in Bärengebiet aufhalten, einfach wissen. Menschen gehören nicht zum Beuteschema von Bären. Ansonsten hätte der Bär die Jäger leicht töten und verspeisen können.
    (Ich hatte schon über 100 Begegnungen mit Bären in der Wildnis, und es gab noch nie eine gefährliche Situation. )
    • Garp 23.06.2020 16:25
      Highlight Highlight Es ist halt nicht jeder bärenerprobt und erfahren wie Du. Manchmal weiss man wie man sich verhalten sollte und in der Panik reagiert man dann gegen alles, was man weiss.
    • Victor Paulsen 23.06.2020 20:07
      Highlight Highlight @Garp
      Stimmt
      Fehler kann man immer machen, erst recht in Panik. Doch dadurch kann man trotzdem nicht einfach den Bär dafür verantworlich machen
  • Geiwetschteiler 23.06.2020 14:18
    Highlight Highlight "Die Menschen in der Region müssten viel besser aufgeklärt werden, dass sie sich in einem Gebiet mit Bären befinden." Ich glaube nicht das sich die Leute in der Region dem Bären anpassen wollen. Sondern das sie es bevorzugen einfach in den Wald zu gehen ohne mit einer Bärenattacke zu rechnen. So wie es in der Zeit war bevor die Bären dort wieder angesiedelt wurden.
  • Padcat 23.06.2020 14:14
    Highlight Highlight Ziemlich sicher haben die beiden Herren nicht richtig reagiert:
    Richtige Reaktionen auf unterschiedliche Bärenarten:
    If its brown, lay down
    if it's black, fight back
    it it's white, say good night.
    • wasps 23.06.2020 16:53
      Highlight Highlight Ich stelle mir gerade vor, wie ich vor einem Bären stehe und mir in aller Ruhe deine Sprüche durch den Kopf gehen lasse. Ich hoffe, der Bär lässt mir diese Zeit.
    • Borki 23.06.2020 17:19
      Highlight Highlight Die offenbar in den Bergen heimischen Opfer mit einem offensichtlich aus Nordamerika stammenden Merksatz (die haben da etwas andere Braunbären) im Nachhinein zu belehren finde ich jetzt etwas besserwisserisch.

      Eine Bärin, die ihre Jungen in Gefahr sieht, kann auch angreifen, wenn du dich richtig verhälst. Und in Skandinavien wird teilweise empfohlen, sich nach einem allfälligen ersten Biss mit allen Mitteln zu wehren.

      Schlussendlich wissen aber weder du noch ich aus diesem Bericht, was und ob überhaupt die Opfer etwas falsch gemacht haben.
    • Namenloses Elend 23.06.2020 18:15
      Highlight Highlight 😅 Und er?
      Benutzer Bild
    Weitere Antworten anzeigen

Star-Komponist Ennio Morricone ist tot

Der für seine unvergesslichen Filmmusiken bekannte italienische Komponist Ennio Morricone ist tot. Er starb am frühen Montagmorgen in Rom im Alter von 91 Jahren, wie ein Anwalt der Familie am Montag der Nachrichtenagentur DPA bestätigte.

Der im römischen Stadtteil Trastevere geborene Morricone, der auch gerne als Dirigent auf Tournee ging, war in den 1960er Jahren zu Weltruhm gelangt, als er seine Zusammenarbeit mit Sergio Leone begann. In den Folgejahren schrieb er den Soundtrack zu den grossen …

Artikel lesen
Link zum Artikel