DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Tomatenernte ist die schlimmste»: Migranten arbeiten wie Sklaven auf Italiens Feldern

Reporter der SRF-Sendung «Kassensturz» haben hinter die Kulissen der Tomatenernte in Süditalien geblickt. Und decken auf, wie dort Migranten aus Afrika unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten.
25.09.2019, 15:10
Bild: EPA

Afrikanische Erntehelfer demonstrieren in Süditalien für mehr Rechte. Sie berichten von harter Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen, wie ein Bericht in der Sendung «Kassensturz» vom Dienstagabend zeigt. «Die Tomatenernte ist die schwierigste und schlimmste Arbeit auf den Feldern Italiens», sagt ein Arbeiter. Andere strecken ihre geschundenen Hände in die Kamera: «Das ist von der Tomatenernte!»

Es sind Migranten, die als Erntehelfer für Pelati-Dosentomaten in Süditalien arbeiten. Sie reissen die Stauden aus dem Boden und schütteln die Tomaten in Kisten. Im Akkord, für wenige Euro am Tag. Die Arbeitsvermittler, die sogenannten «Caporali», ziehen den Arbeitern Gebühren von den mageren Löhnen ab. Zum Leben bleibt da nicht viel – zum Beispiel ein Auto, das als Behausung für zwei Personen dienen muss.

Verzweifelte Menschen, bedrohte Gewerkschafter

«Es gibt eine ganze Kette, die auf den Preis drückt», sagt Ludovico Vaccaro, Oberstaatsanwalt der süditalienischen Provinz Foggia. «Grossverteiler verlangen Tiefstpreise von den Produzenten, Produzenten verlangen Tiefstpreise von den Bauern und die Bauern produzieren dann zu möglichst tiefen Kosten, indem sie die Arbeiter schlecht bezahlen.» Das Ergebnis seien «Ghettos und verzweifelte Menschen, die akzeptiert haben, unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten.»

Hinter den Kulissen der Pelati-Tomatenernte in der süditalienischen Provinz Foggia.

Video: © SRF

Gewerkschafter Raffaele Falcone setzt sich für die ausgebeuteten Erntehelfer in Foggia ein. 20 Anzeigen erstattet die Gewerkschaft pro Monat. Eine gefährliche Arbeit. «Wir werden immer wieder bedroht», berichtet Falcone. «Vor einem Monat schlitzten sie meine Autopneus auf, einem Kollegen schlugen sie das Autofenster ein. Die Situation ist sehr kompliziert, vor allem in den letzten Monaten.»

Die Schweizer Detailhändler Migros und Coop versichern gegenüber «Kasszensturz», solche Zustände gebe es nicht auf ihren Tomatenfeldern. Sie würden alle Tomaten für Pelati maschinell ernten und die Abläufe streng kontrollieren. (smo)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Slavery Footprint

1 / 5
Slavery Footprint
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

In unseren Gummibärchen steckt Sklavenarbeit

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Entführungs-Drama der kleinen Cleo in Australien: Festgenommener bekennt sich schuldig

Vor gut drei Monaten war die vierjährige Cleo Smith von einem Campingplatz in Australien verschwunden - nun hat sich der Hauptverdächtige schuldig bekannt. Der Mann räumte per Videoschalte vor einem Gericht in der westaustralischen Stadt Carnarvon ein, das Kind in seine Gewalt gebracht zu haben. Der Vorwurf lautet auf «Kindesdiebstahl». Dem mutmasslichen Täter, der derzeit im Hochsicherheitsgefängnis Casuarina Prison in Perth sitzt, drohen dafür nach Angaben des australischen Senders ABC bis zu 20 Jahre Haft. Der Fall hatte die halbe Welt in Atem gehalten.

Zur Story