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Nach Mordanschlag auf Reporter: Stehen die Niederlande am Rande eines Drogenkriegs?

Die niederländischen Sendung «RTL Boulevard», wo der angeschossene Kriminaljournalist Peter de Vries regelmässig auftrat, wurde nach Drohungen abgesagt.
11.07.2021, 21:5911.07.2021, 22:00
Remo Hess, Brüssel / ch media

Vergangene Woche wurde der niederländische Kriminalreporter Peter de Vries nach Verlassen eines TV-Studios im Zentrum Amsterdams auf offener Strasse niedergeschossen.

Müssen Journalisten geschützt werden? Peter de Vries schwebt noch immer in Lebensgefahr. (Archivbild 2020)
Müssen Journalisten geschützt werden? Peter de Vries schwebt noch immer in Lebensgefahr. (Archivbild 2020)
Bild: keystone

Jetzt können auch de Vries Journalisten-Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeit nicht mehr fortführen: Nach Drohungen und Hinweisen auf eine Gefährdung wurde die Live-Sendung «RTL Boulevard» am Samstagabend kurzfristig abgesagt. Gemäss «RTL Nieuws» sollen die Drohungen aus dem Kreis des organisierten Verbrechens kommen.

Der Justizminister Fred Grapperhaus sagte, es seien «sichtbare und unsichtbare Massnahmen» zum Schutz der Journalisten ergriffen worden. Details nannte er keine. Vorläufig will «RTL» die Sendung nun aber an einem anderen, geheimen Ort aufzeichnen, wie Medien berichten.

Zwei Tatverdächtige in Haft

Die Untersuchungshaft für die zwei Männer, die unter dringendem Tatverdacht stehen, den Mordanschlag auf de Vries begangen zu haben, wurde derweil um zwei Wochen verlängert. Beim Schützen soll es sich um einen 21-jährigen Mann aus Rotterdam handeln.

Ein in den Niederlanden wohnhafter 35-jähriger Pole soll das Fluchtauto gefahren haben. Aufgrund von Videoaufnahmen und Augenzeugenberichten konnten die beiden noch am Tatabend auf der Autobahn rund 60 Kilometer von Amsterdam entfernt festgenommen werden.

Grosse Anteilnahme: Bürgerinnen und Bürger legen am Ort des Anschlags Blumen nieder.
Grosse Anteilnahme: Bürgerinnen und Bürger legen am Ort des Anschlags Blumen nieder.
Bild: keystone

Insgesamt fünf Schüsse wurde auf den national bekannten Kriminal-Reporter de Vries abgegeben. Mindestens einer davon traf ihn in den Kopf. Über den aktuelle Gesundheitszustand des 64-Jährigen offiziell nichts bekannt. Gemäss Medienberichten soll sich aber noch nicht ausser Lebensgefahr befinden. Am Ort des Anschlags und auf einem zentralen Platz in Amsterdam wurden Blumen und über 4000 weisse Rosen als Zeichen der Anteilnahme niedergelegt.

Im Verdacht: Drogenbaron Taghi

Ungeklärt ist weiter, wer den Mordversuch in Auftrag gegeben hat. In den Niederlanden gehen viele davon aus, dass es sich um die Bande des in Haft sitzenden Drogenbarons Ridouan Taghi handelt. Taghi gilt als der mächtigste Drogenboss der Niederlande und steht aktuell wegen dem Vorwurf vor Gericht, mehrere Auftragsmorde befohlen zu haben.

De Vries amtet beim Prozess als Vertrauensmann für den Kronzeugen Nabil B., der ebenfalls der Drogenbande angehörte, nun aber gegen seinen einstigen Chef aussagen will. Bereits im Jahr 2019 wurden der Bruder und der Anwalt des Kronzeugen von Unbekannten erschossen. Auch de Vries soll auf einer Todesliste Taghis gestanden sein. Trotz Drohungen lehnte er Polizeischutz aber ab. Für ihn gehöre dies «zum Berufsrisiko», wie er in einem Interview einmal sagte.

Der Mordanschlag befeuert die Debatte, wie stark die Drogenmafia das Land mittlerweile im Griff hat. Mit seinen beiden Hochseehäfen Rotterdam und Amsterdam sind die Niederlande zur europäischen Drehscheibe für Kokain-Lieferungen aus Südamerika geworden. Allein im Jahr 2020 wurden am Rotterdamer Hafen 40 Tonnen Kokain sichergestellt.

Eine Vielfaches davon dürfte aber unentdeckt bleiben. Mit dem Kokain-Handel setzen kriminelle Banden Milliarden um. Aber auch bei der Produktion von synthetischen Drogen und Marihuana, das im 17-Millionen-Land straffrei konsumiert werden darf, sind die Niederlande mittlerweile führend. (bzbasel.ch)

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