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CNN deckt Telegram-Vergewaltigungsnetzwerk auf

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Die Telegram-Gruppe ist mittlerweile gelöscht, das Unternehmen äussert sich jedoch nicht zum Fall. Bild: Shutterstock

Vergewaltigung nach Betäubung: CNN deckt Telegram-Vergewaltigungsnetzwerk auf

Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN stiess in einer Recherche auf Telegram-Gruppen, in denen Mitglieder sich gegenseitig dabei unterstützten, ihre Partnerinnen zu betäuben und zu vergewaltigen.
27.03.2026, 17:5427.03.2026, 21:44

Triggerwarnung: Der folgende Text behandelt sexuelle Gewalt und könnte belastend sein.

Der Fall Pelicot erschütterte in seiner ganzen Grausamkeit vor rund zwei Jahren die Öffentlichkeit. Die Französin Gisèle Pelicot wurde über Jahre hinweg von ihrem Ehemann betäubt und im Anschluss von Dutzenden Männern vergewaltigt. Die Stärke, mit welcher die heute 73-Jährige im darauffolgenden Prozess auftrat und ihren Peinigern in die Augen schaute, beeindruckte die Öffentlichkeit. «Die Scham muss die Seiten wechseln», forderte Pelicot im Zuge der Verhandlung – ein Zitat, das um die Welt ging und Tausenden von Frauen und Betroffenen sexualisierter Gewalt aus dem Herzen sprach.

«Sie brach die Stille und die Scham. Wenn sie es kann, kann ich es auch», sagte sich Amanda Stanhope aus Wigan im Nordwesten Englands. Auch sie wurde Opfer ihres Ehemannes, der sie über fünf Jahre hinweg mehrfach im Schlaf und unter Einfluss von Medikamenten vergewaltigte. Das berichtete die Engländerin gegenüber CNN. Nachdem sie den Mut fasste, ihren damaligen Partner bei der Polizei anzuzeigen – mithilfe von Videomaterial, das dieser von ihr erstellt hatte –, wies die Polizei sie im ersten Moment ab. «Sie sagten mir, das sei kein klarer Beweis, denn auf dem Video sähe es so aus, als würde ich mich nur schlafend stellen», erzählt die Überlebende sexueller Gewalt gegenüber CNN.

Betäubt, missbraucht und gestreamt

In einer monatelangen Recherche legte der US-amerikanische Nachrichtensender eine Vielzahl weiterer Fälle von Männern, die ihre Partnerinnen auf diese Weise sexuell missbrauchten, offen. Dabei stiessen die Journalistinnen und Journalisten auf eine Telegram-Gruppe, in der die Täter vor den Übergriffen jeweils Tipps zur «richtigen» Medikation austauschten und sich gegenseitig in ihren Gewaltfantasien bestätigten. In den Chats fanden sich auch Links zu Livestreams, auf denen die Mitglieder für rund 20 Dollar dem sexuellen Missbrauch in Echtzeit beiwohnen konnten.

Mitglieder geben sich Tipps bezüglich der Dosierung von Betäubungsmitteln.
Mitglieder geben sich Tipps bezüglich der Dosierung von Betäubungsmitteln. Bild: screenshot cnn

Aufmerksam auf die Telegram-Gruppe wurde CNN über Verlinkungen in den Kommentaren einer reichweitenstarken Website mit pornografischen Inhalten. Auf der Seite fanden sich über 20'000 Videos von echten oder inszenierten Übergriffen auf Frauen, während diese schliefen – teils mit Hunderttausenden von Klicks. Bereits im letzten Jahr berichteten Journalistinnen des Norddeutschen Rundfunks in einer Recherche über die Plattform und die damit verbundenen Telegram-Chats.

«Deine Frau wird nichts spüren»

Auf der Porno-Website wie auch in den Chat-Gruppen teilen User auch Videos, wie sie ihren sedierten Partnerinnen die geschlossenen Augenlider hochziehen, als Beweis für deren narkoseartigen Zustand. Die nötigen Substanzen können über Telegram direkt erworben werden. So verkauft ein Mitglied der Gruppe, zu der CNN Zugriff hatte, Schlafmittel in flüssiger Form für je 150 Dollar pro Flasche. Der Verkäufer pries dabei seine Ware als «komplett geschmacksneutral» an und ergänzte: «Deine Frau wird nichts spüren und sich an nichts erinnern.»

Auch Zoe Watts wurde von dem Menschen missbraucht, dem sie am meisten vertraute. Gegenüber CNN sagt sie: «Wir machen uns Gedanken darüber, wer hinter uns herläuft, wer uns auf Facebook als Freund hinzufügt. Wir haben Angst, spätabends über einen Parkplatz zu gehen, aber wir machen uns keine Gedanken darüber, neben wem man im Bett liegt. Mir war nicht klar, dass ich das tun musste.» Während die Telegram-Gruppe mittlerweile gelöscht wurde, ist die pornografische Website noch immer online. Weder die Anbieter der Website noch Telegram reagierten auf Anfragen von CNN.

Mehr Anzeigen wegen Vergewaltigung im häuslichen Kontext in der Schweiz

Medial wirksame Fälle wie die Recherchen von CNN sind lediglich die Spitze des Eisbergs, auch in der Schweiz. So zeigt die jüngst erschienene Kriminalstatistik, dass über 40 Prozent aller angezeigten Straftaten im häuslichen Kontext stattfinden. Dabei stieg die Zahl angezeigter Vergewaltigungen innerhalb von Beziehungen um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Während sich ein Teil des Anstiegs durch die Revision des Sexualstrafrechts von 2024 erklären lässt, zeigen die Zahlen aus den Vorjahren, dass auch vor der Revision die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen im häuslichen Umfeld kontinuierlich anstieg. Seit 2021 wurden in jedem Jahr mindestens 20 Prozent, also rund ein Fünftel, mehr Fälle zur Anzeige gebracht als im Vorjahr. Die Debatte rund um die Revision des Sexualstrafrechts hätte bestimmt geholfen, betroffene Personen zu ermutigen, einen Fall zur Anzeige zu bringen, sagt Brigitte Kämpf, Co-Geschäftsleiterin der Opferhilfestelle Frauenberatung sexuelle Gewalt, gegenüber watson.

Doch auch wenn die Zahl angezeigter Fälle steigt, bleibt die Dunkelziffer noch immer um ein Vielfaches höher als die angezeigten Delikte. «Solche Gerichtsprozesse sind langwierige Verfahren. Der Effekt, welcher die Revision des Sexualstrafrechts dann auf die Verurteilungen hat, wird sich erst noch zeigen.» Leichtfertig würde auch heute noch niemand eine solche Anzeige einreichen; auch sei die Aussicht auf eine Verurteilung oft ungewiss: «Meist handelt es sich um Vier-Augen-Delikte und auch da gilt: Im Zweifel für den Angeklagten.»

Anlaufstellen für Opfer von sexueller Gewalt

Sexuelle Übergriffe können in den unterschiedlichsten Kontexten stattfinden. Hilfe im Verdachtsfall oder bei erlebter sexueller Gewalt bieten etwa die kantonalen Opferhilfestellen oder die Frauenberatung Sexuelle Gewalt. Die Opferhilfe ist auch über die nationale Nummer 142 erreichbar. Für Jugendliche oder in der Kindheit sexuell ausgebeutete Erwachsene gibt es in Zürich die Stelle Castagna. Betroffene Männer können sich an das Männerbüro Zürich wenden. Wenn du dich sexuell zu Kindern hingezogen fühlst oder jemanden kennst, der diese Neigung hat, kann dir diese Stelle weiterhelfen.

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quelle: edi
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