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Waldbrände in Kanada: Verschwörungserzähler hat 14 Brände gelegt

The McDougall Creek wildfire burns on the mountainside above a lakefront home in West Kelowna, Canada on Friday, Aug. 18, 2023. (Darryl Dyck/The Canadian Press via AP)
Kanadas Waldbrandsaison 2023 war zerstörerisch und beispiellos.Bild: keystone

Verschwörungserzähler beschuldigt Staat der Brandstiftung – rate mal, wer's wirklich war

Der Kanadier Brian Paré war einer von vielen, die im Sommer 2023 in den sozialen Medien Verschwörungserzählungen verbreitet haben, wonach die Regierung absichtlich Waldbrände auslöst. Nun hat er sich schuldig bekannt, selbst 14 Brände gelegt zu haben.
18.01.2024, 04:4418.01.2024, 13:41
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Brian Paré musste sich Anfang Woche vor einem Gericht in Quebec, Kanada, für etwas verantworten, das er selbst dem kanadischen Staat vorgeworfen hatte. Er gab dabei 13 Fälle von Brandstiftung und einen Fall von Brandstiftung ohne Rücksicht auf Menschenleben zu. Die Ereignisse beziehen sich auf die Zeit zwischen Mai und September letzten Jahres.

Kanadas Waldbrandsaison 2023 war zerstörerisch und beispiellos. Waldbrände versengten insgesamt rund 18,4 Millionen Hektar – fast zweimal so viel wie der bisherige Rekord im nordamerikanischen Land. Die Brände waren so grossflächig, dass deren nach Süden strömender Rauch auch Städte in den USA «erstickte», und gelangte sogar bis in den Osten Europas.

Verschwörungserzählungen haben während Waldbrandsaisons Hochkonjunktur

Doch neben der Zerstörung von Wäldern, der Luftverschmutzung und der Vertreibung von tausenden Menschen aus ihrem Zuhause hatten die Brände noch einen weiteren negativen Effekt: Sie lösten eine Reihe von Verschwörungserzählungen und Fake News aus.

Um der Wahrheit – nämlich, dass der Klimawandel und die durch ihn ausgelösten Dürreperioden Waldbrände häufiger machen – nicht ins Auge schauen zu müssen, haben Klimawandel-Skeptiker und Verschwörungserzählerinnen begonnen, eine andere Geschichte zu erzählen: Es war bewusste Brandstiftung, und das Klima hat damit nichts zu tun.

Auch der Sohn von Donald Trump zielte auf das Narrativ der bewussten Brandstiftung:

Im Januar 2020 schreibt Donald Trump Jr.: «Richtig ekelhaft, dass Menschen das tun würde! (...) Mehr als 180 Brandstifter sind bereits seit dem Start der Waldbrandsaison festgenommen worden.»
Im Januar 2020 schreibt Donald Trump Jr.: «Richtig ekelhaft, dass Menschen das tun würde! (...) Mehr als 180 Brandstifter sind bereits seit dem Start der Waldbrandsaison festgenommen worden.»bild: caad.info

Eine Untersuchung der globalen Koalition Climate Action Against Disinformation zeigt, dass gerade die verheerenden Waldbrände in Kanada, aber auch diejenigen in Australien (2019–2020) sowie an der US-Westküste (2020) jeweils eine grosse Welle solcher Falschinformationen ausgelöst haben. Die Koalition stellt in ihrem Bericht klar:

«Zwar kann menschliches Handeln bei der Entstehung von Waldbränden eine wichtige Rolle spielen, doch ist eine ausschliessliche Konzentration auf Brandstiftung als einzige Ursache irreführend und verdeckt die Rolle von z. B. Unachtsamkeit oder Blitzeinschlägen. Noch wichtiger ist, dass dadurch die Tatsache verdeckt wird, dass trockene und heisse Bedingungen, die mit dem Klimawandel immer wahrscheinlicher werden, ein Schlüsselfaktor dafür sind, ob menschliches Handeln oder Wetterereignisse zu grösseren Waldbränden führen.»

Mehr als 870 Hektar zerstört

Doch zurück nach Kanada. Im Spätsommer 2023 seien die Polizei sowie mehrere Ersthelfer bei Waldbränden rund um die Stadt Chapais, Quebec, misstrauisch geworden, als in kurzer Zeit eine Reihe von Bränden ohne erkennbare Ursache auftrat. Das sagt die Staatsanwältin im Fall gegenüber CNN.

Die Polizeibeamten seien auf Paré aufmerksam geworden, nachdem er in der Nähe mehrerer Brände gesichtet worden war. Zudem seien mehrere Social-Media-Posts des Kanadiers gefunden worden, in denen er die kanadische Regierung beschuldigte, absichtlich Brände zu legen. In seiner Logik sei der Staat so vorgegangen, um die Menschen von der Existenz des Klimawandels zu überzeugen.

Smoke from the McDougall Creek wildfire fills the air and nearly blocks out the sun as people take in the view of Okanagan Lake from Tugboat Beach, in Kelowna, British Columbia, Friday, Aug. 18, 2023. ...
Die Waldbrände in Kanada im letzten Jahr waren verheerend. Rauch der Brände blockt hier fast die Sonne, in Kelowna, British Columbia. Bild: keystone

«Laut polizeilichem Beweismaterial postete der Beschuldigte eine Menge Verschwörungstheorien über die Brände und die Beteiligung der Regierung an der Brandlegung», so die Staatsanwältin. Nachdem die Polizei die Erlaubnis erhalten hatte, einen Peilsender an seinem Fahrzeug anzubringen, konnte sie das Fahrzeug und damit Brian Paré zu den Orten anderer Brände verfolgen. Als er im September verhaftet wurde, gab er zu, einige der Brände gelegt zu haben.

Mit seiner Brandstiftung – oder zumindest mit den bekannten Fällen – hat Paré die Evakuierung von rund 400 Menschen in der Stadt Chapais in Quebec erzwungen. Der grösste Brand, den Paré zugegeben hat, zerstörte dabei mehr als 870 Hektar. Der Beschuldigte könne sich nicht an alle Brände erinnern, die er gelegt haben könnte, sagt die Staatsanwältin. «Es ist möglich, dass es noch mehr sind, aber wir haben keine Beweise dafür», fügte sie hinzu. (lak)

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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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tss
18.01.2024 06:47registriert Juni 2020
Und genau so sind auch die Reps, AFD, SVP, etc. Unterwegs. Sie beschuldigen die anderen für das was sie selber gemacht haben.
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Fritz_Forelle
18.01.2024 05:51registriert März 2022
Sind wir ehrlich. Auch das was bestimmt Robert Habeck.
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Heinzbond
18.01.2024 06:22registriert Dezember 2018
wieso denke ich beim Lesen des Artikels direkt an Marge Toilet Greenes Jewish Space Lasers???
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