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Reisen wie Greta – die «Flugscham» greift in Schweden um sich

12.04.2019, 09:0012.04.2019, 09:35
Greta am HB Zürich.
Greta am HB Zürich.Bild: EPA/KEYSTONE

Greta Thunberg machte es vor: Sie fuhr mit dem Zug von Stockholm zum Weltwirtschaftsforum nach Davos und zum Klimagipfel nach Kattowitz. Für den umweltbewussten Verzicht aufs Fliegen gibt es im Schwedischen sogar ein Wort: «Flygskam» - «Flugscham».

Prominenter Vertreter der Bewegung ist der ehemalige Biathlet und Olympiasieger Björn Ferry. Er kündigte im vergangenen Jahr an, nur noch im Zug als Kommentator zu Sportveranstaltungen zu fahren. Auch beim Film wächst das Umweltbewusstsein. 250 Mitarbeiter der Branche unterzeichneten einen Aufruf in der grössten schwedischen Tageszeitung «Dagens Nyheter», wonach Produzenten Dreharbeiten im Ausland beschränken sollen.

Ein schwedischer Instagram-Account stellt seit Dezember Prominente an den Online-Pranger, die für Fernreisen werben. Der Account hat inzwischen mehr als 60'000 Follower.

Greta Thunberg: Das furchtlose Mädchen von Davos

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Greta Thunberg: Das furchtlose Mädchen von Davos
quelle: ap/ap / markus schreiber
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«Der Flygskam-Trend hat mich sicher beeinflusst», sagt die Politik-Studentin Viktoria Hellstrom. Vergangenes Jahr fuhr die 27-Jährige mit dem Zug von Stockholm nach Italien, um nicht zweimal innerhalb weniger Wochen zu fliegen. Ihre Freunde, die sie dort traf, reisten jedoch wie gewohnt mit dem Flieger an.

Vom Saulus zum Paulus

Bislang gehörten die Schweden zu den Vielfliegern. Das liegt zum einen an der Lage des Landes weit im Norden Europas - vom nordschwedischen Kiruna bis zur südfranzösischen Côte d'Azur sind es 4000 Kilometer. Aber auch am Wohlstand und dem breiten Angebot an Billigflügen.

Das Elektroauto als Bekenntnis für den Klimaschutz

Video: srf/SDA SRF

Die Emissionen durch Flüge pro Kopf waren zwischen 1990 und 2017 fünfmal so hoch wie im weltweiten Durchschnitt, wie die Technische Hochschule Chalmers berechnete. Der Ausstoss klimaschädlicher Abgase durch Auslandsflüge ab Schweden stieg seit 1990 um 61 Prozent.

Auf der anderen Seite bekommt Schweden die Folgen des Klimawandels offenbar besonders deutlich zu spüren: Das Meteorologische Institut des Landes erklärte vergangene Woche, dass die Temperatur in Schweden doppelt so schnell ansteige wie im globalen Schnitt.

Männer zeigen weniger Einsicht

Im März veröffentlichte die World Wildlife Foundation eine Umfrage, in der fast 20 Prozent der befragten Schweden angaben, der Umwelt zuliebe schon einmal den Zug statt das Flugzeug genommen zu haben. Vor allem Frauen und junge Menschen reisen demnach umweltbewusst. Um den Trend zu unterstützen, will die Regierung bis Ende 2022 wieder Nachtzüge in die wichtigsten europäischen Städte einsetzen.

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Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Im Winter verzeichnete die Schwedische Bahn SJ einen Anstieg der Geschäftsreisen um 21 Prozent. Die Zahl der Inlandsflüge ging im vergangenen Jahr laut Daten der Verkehrsbehörde vom September um 3.2 Prozent zurück.

Die schwedische Psychologin Frida Hylander ist überzeugt, das «Flygskam» nur ein Faktor für den Trend ist. Die neue Flugsteuer, die vor einem Jahr eingeführt wurde, könnte genau so gut ein Grund sein. Oder die Pleite der regionalen Fluggesellschaft Nextjet, deretwegen viele Routen monatelang nicht mehr angeboten wurden. (aeg/sda/afp)

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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Knut Knallmann
12.04.2019 11:19registriert Oktober 2015
Trotzdem gibt es immer noch keine durchgehenden Züge über Kopenhagen hinaus, von Nachtzügen, die aus unerfindlichen Gründen nur bis Malmö fahren ganz zu schweigen. Wenn man dann in Kopenhagen ankommt, darf man fast 2 Stunden auf den Anschlusszug nach Hamburg warten. Für Eisenbahnfanatiker wie mich durchaus reizvoll - Für alle Anderen keine realistische Alternative. Dies nur als Beispiel: Die Nachfrage nach einer Alternative wäre häufig da, aufgrund mangelnden Angebots wird Sie nicht genutzt. ich hoffe da passiert noch was...
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Hein Doof
12.04.2019 10:30registriert Januar 2019
[...] Ein schwedischer Instagram-Account stellt seit Dezember Prominente an den Online-Pranger, die für Fernreisen werben. Der Account hat inzwischen mehr als 60'000 Follower. [...]

Naja, ob das die richtige Lösung ist um einen Wandel bei den Leuten herbeizuführen?
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