Kuba tötet 4 angebliche Terroristen von US-Boot – das wissen wir
Das ist passiert
- Kubanische Grenzschützer haben nach Angaben der Regierung Kubas bei einer tödlichen Schiesserei auf offener See ein in den USA registriertes Boot mit Terrorverdächtigen gestoppt.
- Vier der zehn Menschen auf dem Schnellboot wurden demnach getötet, die anderen verletzt. Auch der Kommandant des kubanischen Patrouillenboots sei bei dem Schusswechsel vor der Nordküste des Karibikstaats verletzt worden.
- Die US-Regierung sprach von einem «sehr ungewöhnlichen» Vorfall und kündigte eigene Nachforschungen an.
- Die Beziehungen zwischen Kuba und den USA sind historisch belastet. Jüngst verschärften sich die Spannungen wegen einer US-Öl-Blockade und Aussagen von Donald Trump.
Das sagt Kuba
Laut dem Innenministerium in Havanna verfolgte die zehnköpfige Besatzung des Schnellboots terroristische Absichten und wollte illegal nach Kuba eindringen. An Bord des Bootes seien Waffen, Sprengsätze und Tarnuniformen gefunden worden. Näheres zu den angeblichen Motiven der Gruppe wurde nicht mitgeteilt. Es werde weiter ermittelt.
Ein Verdächtiger wurde den Angaben zufolge zudem in Kuba festgenommen. Er habe gestanden, aus den USA «entsandt» worden zu sein, um sich an der terroristischen Operation zu beteiligen. «Alle Beteiligten sind in den Vereinigten Staaten lebende Kubaner», teilte die Regierung des sozialistischen Inselstaats mit. Die meisten von ihnen seien schon vorher wegen krimineller und gewalttätiger Aktivitäten bekannt gewesen.
Den Angaben aus Havanna zufolge hatten Grenzschützer das Boot am Mittwochmorgen (Ortszeit) in kubanischen Territorialgewässern nahe Cayo Falcones entdeckt. Es habe sich bis auf etwa eine Seemeile der Küstenprovinz Villa Clara genähert. Als eine Einheit der Grenztruppen zur Identifizierung an das Boot herangefahren sei, habe die Besatzung das Feuer eröffnet, woraufhin diese zurückgeschossen hätten.
Laut US-Nachrichtensender CNN stimmt die von den kubanischen Behörden angegebene Registrierungsnummer des Boots FL7726SH mit Daten aus der US-Schifffahrtsdatenbank überein. Auf die Nummer lautet ein 1981 registriertes, etwa 7,5 Meter langes Motorboot.
Das sagen die USA
US-Aussenminister Marco Rubio äusserte sich während eines Besuchs im karibischen Inselstaat St. Kitts und Nevis zu dem Vorfall. Verschiedene Teile der US-Regierung seien damit befasst, Informationen zu sammeln und zu verifizieren, sagte er vor Journalisten. Bis Näheres feststehe, wolle er nicht über das Geschehen spekulieren.
«Es reicht zu sagen, dass es sehr ungewöhnlich ist, solche Schiessereien auf offener See zu sehen», sagte Rubio. Mit Kuba sei so etwas schon sehr lange nicht mehr passiert. US-Beamte waren Rubio zufolge jedenfalls nicht beteiligt.
Die US-Botschaft in Havanna versuche noch herauszufinden, ob es sich bei den Opfern um US-Bürger oder Personen mit ständigem Wohnsitz in den USA gehandelt habe, sagte der Minister. Aktuell stammten die meisten Informationen, die die USA hätten, noch von kubanischen Behörden. Deren Angaben zufolge sei das Boot im US-Bundesstaat Florida registriert gewesen. Man gehe dem nach.
Zuvor hatte Floridas Justizminister James Uthmeier eine gemeinsame Untersuchung mit Hilfe der Bundesbehörden zu dem tödlichen Zwischenfall angekündigt. «Der kubanischen Regierung kann man nicht trauen, und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um diese Kommunisten zur Rechenschaft zu ziehen», versprach der Republikaner.
Die kubanische Führung stellte es erwartungsgemäss anders dar. «Kuba bekräftigt seinen Willen, die Territorialgewässer zu schützen, wobei die nationale Verteidigung eine grundlegende Säule für den kubanischen Staat zum Schutz seiner Souveränität und der Stabilität in der Region ist», liess das Präsidialamt über die Plattform X wissen.
Der Hintergrund
Spannungen zwischen den USA und kommunistischen Kuba bestehen seit langem. Jüngst flammten diese auf, nachdem die USA Venezuelas Diktator Nicolas Maduro entführt hatten und die Öllieferungen aus dessen Land an Kuba verhinderten. So erhielt der Karibikstaat seit Dezember kein Öl mehr aus Venezuela, da US-Präsident Donald Trump eine vollständige Blockade für sanktionierte Öltanker mit Lieferungen aus dem südamerikanischen Bruderstaat anordnete. Ausserdem drohte er mit Zöllen gegen Staaten, die Kuba mit Öl beliefern – woraufhin etwa Mexiko, zuletzt grösster Ölversorger der Insel, seine Lieferungen einstellte.
Kuba leidet ohnehin schon unter einer schweren Energie- und Wirtschaftskrise, auf Dauer kann das Land die Versorgung ohne Unterstützung nicht aufrechterhalten. Seit längerem kommt es immer wieder zu stundenlangen Stromausfällen. Jüngst hatte Trump angekündigt, dass der Verkauf von venezolanischem Öl an Kuba teilweise wieder genehmigt werden soll. Dies aber nur für humanitäre und eingeschränkte kommezielle Zwecke.
Darüber hinaus hatte Trump Anfang Jahr Kuba offen gedroht. Der US-Präsident würde einen Regierungswechsel im sozialistischen Land begrüssen. Kritiker des US-Präsidenten glauben, dass die US-Blockade dazu dient, diese Entwicklung voranzutreiben. Trump hatte vor einigen Wochen, nach dem Venezuela-Coup, gesagt, dass eine militärische Intervention in Kuba nicht nötig sei. Er gehe davon aus, dass ein Machtwechsel in Kuba wegen der wirtschaftlichen Lage ohnehin nicht aufzuhalten sei.
(sda/dpa/con)
