DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A woman wearing a face mask to protect against the spread of the coronavirus twirls a jumprope for a girl at Ditan Park in Beijing, Tuesday, Feb. 9, 2021. The park, which would normally host one of the biggest temple fairs in China's capital during the upcoming Lunar New Year holiday, is largely quiet this year as authorities canceled most public events in an effort to maintain control of the COVID-19 pandemic. (AP Photo/Mark Schiefelbein)

Ein Mädchen spielt in einem Park in Peking. Bild: keystone

«Niemand will noch Kinder haben»: Wie die 1-Kind-Politik China nachhaltig verändert hat



Die Zahl der Geburten in China ist im vergangenen Jahr drastisch auf einen «alarmierenden» Tiefstand gefallen. Im Vergleich zum Vorjahr seien 15 Prozent weniger Neugeborene amtlich gemeldet worden, berichtete das Ministerium für öffentliche Sicherheit in Peking. Die Zahl sei von 11.79 auf 10.04 Millionen gefallen. Experten warnten am Mittwoch vor einer Überalterung im bevölkerungsreichsten Land der Erde, die damit noch deutlich schneller als erwartet voranschreitet. Das werde das Wachstum der zweitgrössten Wirtschaftsnation bremsen.

Die jährliche Geburtenrate hatte nach Angaben des Statistikamtes bereits 2019 den niedrigsten Stand seit Gründung der Volksrepublik 1949 erreicht. Als Gründe wurden die hohen Kosten für Bildung und Wohnungen in China genannt. Auch geht die Zahl der Eheschliessungen zurück, während die Scheidungsrate in China hoch ist. Viele Paare warten auch mit der Heirat und gründen erst später Familien.

Chinas Geburtenrate bis 2019:

Bild

Quelle: Weltbank

Die Aufhebung der seit 1979 geltenden Ein-Kind-Politik hatte 2016 nur zu einem leichten Anstieg der Geburten geführt, doch ist die Zahl seither jedes Jahr weiter gefallen. Das genaue Ausmass des Rückgangs wird sich im April zeigen, wenn das Statistikamt die Zahlen für 2020 vorlegen will. Experten wiesen darauf hin, dass die berichtete Zahl der neu beantragten Wohnortregistrierungen (Hukou) nicht alle Geburten abbilden, da viele Babys auch nicht angemeldet werden.

A man holds his newborn baby in hospital during the peak of the COVID-19 outbreak in Wuhan, China in a scene from the documentary

Hat in China fast schon Seltenheitscharakter: Ein Mann hält sein Neugeborenes in den Armen. Bild: keystone

Doch der besorgniserregende Trend ist klar: «Niemand will noch Kinder haben», sagte der Familienplanungsexperte und bekannte Autor Yi Fuxian von der amerikanischen Universität von Wisconsin der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Die jahrzehntelange Ein-Kind-Politik habe «das Fruchtbarkeits-Konzept der Menschen verändert». «Die Menschen haben sich daran gewöhnt, nur ein Kind zu haben», sagte Yi Fuxian. «Das Konzept ist tief verwurzelt und nur schwer zu ändern.»

«Die Menschen haben sich daran gewöhnt, nur ein Kind zu haben»

Familienplanungsexperte und Autor Yi Fuxian

Auch seien die Ausgaben, um Kinder in China gross zu ziehen, höher als selbst in fortschrittlicheren Wirtschaftsnationen wie Taiwan oder Südkorea. «Auf der einen Seite ist die Scheidungsrate in China hoch, auf der anderen gehen die Trauungen zurück», sagte Yi Fuxian. «Das ist sehr beunruhigend.» Er warnte vor den wirtschaftlichen Folgen der Überalterung und des Rückgangs der arbeitsfähigen Bevölkerung.

«Wenn die Zahl der Arbeitskräfte geringer wird, beginnt der Niedergang der Wirtschaft»

Familienplanungsexperte und Autor Yi Fuxian

«Wenn die Zahl der Arbeitskräfte geringer wird, beginnt der Niedergang der Wirtschaft», sagte der Experte. Chinas Wachstum werde abflachen. Nach Schätzungen werde der Zuwachs in China in den Jahren 2030 bis 2035 langsamer ausfallen als in den USA, sagte Yi Fuxian. «Es wird unmöglich, die USA als grösste Volkswirtschaft abzulösen.» Experten wiesen auch darauf hin, dass weniger Menschen in Arbeit in China damit immer mehr Ältere versorgen müssen. Heute ist schon jeder fünfte Chinese über 60 Jahre alt.

Die Zeitung «Global Times», die vom kommunistischen Parteiorgan «Volkszeitung» herausgegeben wird, sprach von einer «Warnschwelle», die mit nur noch zehn Millionen gemeldeten Neugeborenen unterschritten worden sei. (meg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Babys, wie du sie bis jetzt vermutlich noch nie gesehen hast

Schatten und Kinder: Einfach herrlich :)

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Über Social Media tragen Rechtsextreme ihre Ideologien in die Mitte der Gesellschaft»

Andre Wolf ist Faktenchecker bei der österreichischen Rechercheplattform Mimikama. In seinem Buch «Angriff auf die Demokratie» schreibt er über die Gefahren rechtsextremer Netzwerke, die das Internet unterwandern.

Herr Wolf, in Ihrem Buch schreiben Sie, dass seit Beginn der Pandemie intensiver Fake News verbreitet werden und der Hass im Netz zugenommen haben. Warum?Andre Wolf: Dieses Phänomen kann man immer dann beobachten, wenn etwas passiert, das viele Menschen betrifft und das Thema stark medial aufgegriffen wird. Im Fahrwasser der Berichterstattung tauchen dann viele Falschmeldungen auf. Das passierte schon 2015 bei der Flüchtlingskrise. Oder immer, wenn es islamistisch-motivierte Terroranschläge …

Artikel lesen
Link zum Artikel