DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Postillon Syrien-Konferenz

«Während Spitzendiplomaten aus aller Welt in Wien über einen Weg aus der Syrien-Krise berieten, beschränkte sich der einzige anwesende Syrer darauf, Häppchen und Getränke zu servieren», schreibt der Postillon unter dieses Bild.

«Einziger Syrer auf Syrien-Friedenskonferenz in Wien serviert Häppchen» – Medien aus aller Welt übernehmen Meldung des Satire-Portals «Der Postillon»



Lächelnd und mit Tablett in der Hand steht er hinter Spitzendiplomaten aus aller Welt: Ein junger Kellner an den Syrien-Gesprächen im Wiener Hotel Imperial. Schon kurios, schreibt das Spass-Blatt «Der Postillon», dass der einzige Syrer im Raum Häppchen verteile, wo doch über die Zukunft seines Landes diskutiert werde.

Internationale Medien haben die Story nun dummerweise ein bisschen zu ernst genommen – und als wahre Meldung weiterverbreitet. Dabei weiss gar niemand, ob der Kellner auf dem Foto der Syrien-Gespräche in Wien überhaupt ein Syrer ist. Und eigentlich weiss ja auch niemand, ob da überhaupt ein Kellner stand. 

Die ganze Story in Tweets und Bildern:

«Der Postillon» schreibt:

Der einzige Syrer an den Syrien-Gesprächen sei ein 25-jähriger Kellner gewesen, heisst es in der Meldung. Durch Zufall habe er die Gäste dieses Events bedienen müssen, und dabei Diskussionen mitbekommen, die das Land beträfen, in dem er geboren sei. Zwar sei keiner da gewesen, der Syrien vertreten hätte, aber das könne ja passieren, wenn sonst so viele Leute eingeladen seien.

Das war am 2. November. Noch am gleichen Tag wird die Meldung übernommen. 

Die «Syria News» zitiert

Am selben Tag übernehmen auch «24 News», «7N27» und «All4Syria» die Meldung. Auch ausserhalb Syriens wird der Postillon zitiert, zum Beispiel auf der Website lebanondebate.com

Weitere Medien folgen

Einen Tag später findet die «Syria News» den begrabenen Hund, löscht den Originalpost und entschuldigt sich mehrmals auf Facebook für den Fehler. Man habe zu spät recherchiert, was «Der Postillon» überhaupt für eine Zeitung sei. 

«Syria News» zieht die Meldung zurück, …

Doch damit ist die Story noch nicht tot. Britische Medien nehmen die Meldung auf – unter anderem die UK-Plattform Liveleak (die auf lebanondebate.com verweist, die Meldung dann wenig später aber wieder löscht).

… aber der Hoax lebt weiter, …

Bild

Liveleak.
Bild: screenshot watson

… wird fleissig auf Social Media geteilt.

Und das, obwohl doch gar niemand weiss, ob der Kellner tatsächlich Syrer war.

Und ob da überhaupt ein Kellner stand.

epa05003102 US Secretary of State John Kerry (C) and Russian Foreign Minister Sergei Lavrov (C-R) head an international conference on Syria at the Hotel Imperial in Vienna, Austria, 30 October 2015. Nearly 20 top diplomats from regional rivals and key powers in the Syrian civil war gathered in Vienna on Friday for peace talks aimed at finding a solution to the conflict that began in 2011.  EPA/HERBERT NEUBAUER no restriction apply

Das Agenturbild entspricht nicht ganz dem «Postillon»-Bild. Vielleicht ist da also wirklich ein Kellner am rechten Bildrand aufgetaucht. Oder?
Bild: EPA/APA

Bild

Die Legende des Agenturbilds: Portrait eines hübschen Kellners, der ein leeres Tablett trägt, auf weissem Hintergrund.
Bild: depositphotos

Aber, egal. Es wurde Geschichte geschrieben (fast)

(dwi)

Dir gefällt diese Story? Dann teile sie bitte auf Facebook. Dankeschön!👍💕🐥

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wenn Influencer Fake News verbreiten – und damit Tausende erreichen

Der Berner Gabirano Guinand erlangte als Comedian nationale Bekanntheit. Nun füttert er seine Follower vorwiegend mit Verschwörungserzählungen und pseudowissenschaftlichen Gesundheitstipps. Ein Medienpsychologe rät jugendlichen Fans, kritisch zu bleiben.

Der Berner Gabirano Guinand, 22 Jahre alt, ist ein sympathischer junger Mann, mit viel Witz und ursprünglich grossen Plänen. Vor einem Jahr sagte er im Interview mit watson, irgendwann wolle er im ausverkauften Hallenstadion auftreten. Die Chance, dass er den Durchbruch auf der Bühne schaffen könnte, stand damals gut. Gabirano hatte sich in jüngeren Jahren mit lustigen Kurzvideos im Internet eine beachtliche Fan-Basis aufgebaut und war daran, sich als ernstzunehmender Comedian einen Namen …

Artikel lesen
Link zum Artikel