International
Mexiko

Gewalt nach «El-Mencho»-Tod in Mexiko:

Bedenken wegen WM in Mexiko: «Aktion wurde bewusst Monate vorher ausgeführt»

Sicherheitskräfte haben den Anführer des Kartells Jalisco Nueva Generacion getötet. Daraufhin kam es zu Gewalt in vielen Teilen Mexikos, was Bedenken in Bezug auf die Fussball-WM im Sommer auslöst.
24.02.2026, 04:5324.02.2026, 04:53
Natasha Hähni

Am Sonntagmorgen sass Elena Goicoechea auf dem Balkon ihrer Ferienwohnung in Puerto Vallarta, einem bekannten Touristenort im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. Sie genoss ihren letzten Kaffee mit Meeresblick, bevor es am Abend zurück nach Mexiko City gehen sollte.

«Ich habe Wale beobachtet, als ich im Hintergrund eine graue Rauchsäule bemerkte, die schon weit in den Himmel reichte», sagt die Journalistin im Gespräch mit CH Media. Erst dachte sie, es handle sich um einen Brand, «doch dann stieg noch eine Rauchsäule auf, und noch eine, und noch eine.»

epa12772351 Burned out vehicles are seen on the boardwalk in Puerto Vallarta, Mexico, 23 February 2026. The resort city reports visible disruptions after violence linked to the killing of drug cartel  ...
Fahrzeuge und Läden wurden von Mitgliedern des Kartells niedergebrannt.Bild: keystone

Als Reaktion auf die Tötung von Drogenboss Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, alias «El Mencho», blockierten Kämpfer des Kartells Jalisco Nueva Generacion (CJNG) in mehreren mexikanischen Städten Strassen mit brennenden Autos, Lastwagen und Bussen und legten Feuer, etwa in Supermärkten, Apotheken und kleinen Läden.

Angriffe in der Nähe eines WM-Stadions

In Puerto Vallarta riefen die Behörden die Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Fluggesellschaften strichen umgehend ihre Flüge nach und von Puerto Vallarta. «Wir stecken hier also erstmal fest», sagt Goicoechea. Mit dem Auto zurück in die Hauptstadt zu fahren, ist keine Option. Etliche Strassen wurden von Kartell-Mitgliedern blockiert.

Elena Goicoechea ist Journalistin beim Online-Magazin «Detona».
Elena Goicoechea ist Journalistin beim Online-Magazin «Detona».Bild: zvg/chmedia

Auch in Guadalajara, Hauptstadt von Jalisco und zweitgrösste Stadt des Landes sowie Spielort der Fussball-WM im Sommer, herrschten Chaos, Angst und Gewalt. «Meine Messenger-Dienste liefen heiss mit Berichten und Fotos von Angriffen in meiner Stadt und in Orten in ganz Jalisco und den Nachbarstaaten», sagt der in Guadalajara lebende Schriftsteller Antonio Ortuño. «Autos, Lastwagen und Geschäfte stehen in Flammen, Schüsse, blockierte Strassen, Panik und so etwas wie eine Massenflucht unter den Reisenden am internationalen Flughafen.»

Mehr als ein Dutzend der 32 Bundesstaaten strich aus Sicherheitsgründen am Montag den Schulunterricht. Fast alle Bundesstaaten, darunter auch die Hauptstadt Mexiko City, beriefen ihre Sicherheitskabinette zu Dringlichkeitssitzungen ein. Vier Monate vor Beginn der Fussball-Weltmeisterschaft, die im Juni und Juli in Mexiko, den USA und Kanada ausgetragen wird, zeigt sich, wie fragil die Sicherheitslage im Land ist.

Das mächtigste Kartell Mexikos

Gegenüber «Bild» warnte Fussball-Kommentator Marcel Reif:

«Unter diesen Umständen kann keine WM stattfinden».

Elena Goicoechea, die für das Online-Magazin «Detona» schreibt, hält eine Absage der WM-Spiele in Mexiko, wie es einige Fans in den sozialen Medien fordern, für übertrieben. «Die Aktion wurde bewusst Monate vor der Weltmeisterschaft ausgeführt», sagt sie. Tatsächlich wurde die Lage im Verlaufe des Montags schon wieder deutlich ruhiger.

Das EDA schreibt auf Anfrage, dass die Schweiz die Lage aufmerksam verfolgt. Es mahnt zu höchster Vorsicht. Bisher führt das EDA aber keine organisierte Ausreise für Schweizerinnen und Schweizer durch. Ausreisewillige sollen sich bei Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern über Ausreisemöglichkeiten informieren. Zurzeit befinden sich 6500 Schweizer Staatsangehörige in Mexiko.

Mit der Tötung von «El Mencho» gelang der mexikanischen Regierung nach langen Jahren wieder ein grosser Erfolg im Kampf gegen das Organisierte Verbrechen. «El Mencho» führte seit 2011 das mächtigste und berüchtigtste Kartell «Jalisco Nueva Generación» (CJNG). Sein Syndikat ist seit der Festnahme von Joaquin Guzmán, bekannt als «El Chapo», dem Chef des Sinaloa-Kartells im Jahr 2016, die mächtigste Gruppe des organisierten Verbrechens in Mexiko.

Der Anführer des Kartells Jalisco Nueva Generacion, Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, bekannt als «El Mencho», wurde getötet. (U.S. State Department via AP)
So fahndeten die US-Behörden nach «El Mencho».Bild: (U.S. State Department via AP)

Bekannt für seine Brutalität

In Zusammenarbeit mit US-Geheimdiensten spürten die Streitkräfte den meistgesuchten Kartellboss in einem seiner Verstecke in den Bergen des Bundesstaates Jalisco auf und wollten ihn festnehmen. Bei Schusswechseln wurde der 59-Jährige aber schwer verletzt und starb laut offiziellen Angaben auf dem Weg ins Spital. «Das ist der Grund, warum die Reaktion der Kartelle dieses Mal so aggressiv ausgefallen ist», sagt Goicoechea.

karte mexiko gewalt el mencho
Bild: Raidió Teilifís ÉireannGrafik: letKartenmaterial: © OSM

Das CJNG ist wegen seiner Brutalität und Skrupellosigkeit berüchtigt und auch dafür bekannt, als Zeichen der Stärke ganze Städte oder Regionen lahmlegen zu können. Zudem agiert es in Mexiko in einer Weise, die bisher für das Organisierte Verbrechen im nordamerikanischen Land unbekannt war.

«Sie töten Richter, Polizisten, Politiker, legen Auto-Bomben, so wie seinerzeit Pablo Escobar», der legendäre Chef des Medellín-Kartells in Kolumbien in den 1980er-Jahren, sagt Edgardo Buscaglia, Experte für Organisierte Kriminalität in Mexiko.

Das CJNG verfügt zudem über Kriegsgerät, das dem der staatlichen Sicherheitskräfte kaum nachsteht. Bei der Operation am Sonntag wurden in Osegueras Versteck laut offiziellen Angaben «verschiedene Waffen beschlagnahmt, darunter Raketenwerfer, mit denen Flugzeuge abgeschossen und gepanzerte Fahrzeuge zerstört werden können». Die Mehrheit der seit 2017 in Mexiko sichergestellten Waffen, rund 74 Prozent, stammen aus den USA.

Die USA hatten auf den ehemaligen Polizisten Oseguera eine Belohnung von 15 Millionen Dollar ausgesetzt und das CJNG als ausländische Terrororganisation eingestuft. Neben dem Handel mit der synthetischen Droge Fentanyl und Kokain dominiert das Kartell auch bei der Schleusung von Migranten, dem Diebstahl von Rohstoffen sowie dem Waffenhandel. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
12 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Hr. Lehmann
24.02.2026 08:05registriert November 2025
Die Karte ist doch genau das, was diese Narcos wollen: Angst und Schrecken verbreiten. Ihre Macht demonstrieren.
Brennen 2, 3 Autos in einer Stadt, wird der ganze Bundesstaat tiefrot eingefärbt. Die Schlagzeilen: Bürgerkrieg! Chaos!
Ja, Mexiko hat ein grosses Problem mit den Narcos. Das hat es aber seit Jahren. Vorgestern noch absolutes Trendziel 2026, gestern plötzlich Chaos und Bürgerkrieg. Ja genau..
252
Melden
Zum Kommentar
avatar
ray7
24.02.2026 06:58registriert Oktober 2020
Wir für Trump und seinem Glatzköpfigen Freund bei der UEFA einen Steilpass geben um die Sicherheiten und Qualitäten der USA hervorzuheben und zu Prüfen, ob man die Spiele welche in Mexiko hätten stattfinden müssen, nicht doch auch in der Sicheren, Fantastischen USA austragen sollten...
2614
Melden
Zum Kommentar
12
Während Schlafwandeln: Missbrauchsvorwurf gegen diesen Schweizer DJ
Er soll im Schlaf eine andere Person missbraucht haben. Gegen den Schweizer Techno-DJ Odymel wurden Voruntersuchungen wegen entsprechender Vorwürfe eingeleitet. Auf Instagram nimmt der Künstler in einem Statement dazu Stellung.
Zur Story