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Mexiko: «El Mencho» ist tot – 4 Punkte zum Drogenboss und der Eskalation

FILE - The letters "CJNG" for the group's formal name, Jalisco New Generation Cartel, covers the facade of an abandoned home in El Limoncito, in the Michoacan state of Mexico, Oct. 30,  ...
Ein CJNG-Tag an einer Hauswand in der Ortschaft El Limoncito: Das Jalisco-Kartell kontrolliert den Drogenhandel insbesondere in kleineren und mittelgrossen Städten. Bild: keystone

«El Mencho» ist tot – 5 Punkte zum Drogenboss und der Eskalation in Mexiko

Der mexikanische Drogenboss «El Mencho» ist tot. Er war Anführer der mittlerweile mächtigsten kriminellen Organisation des Landes, dem Jalisco-Kartell. Seine Anhänger nutzen nun das grosse Waffenarsenal der Bande und sorgen für Unruhen im ganzen Land.
23.02.2026, 08:1123.02.2026, 17:05

Darum geht es

Autos, Banken, Tankstellen und Läden in Brand, blockierte Strassen durch schwerbewaffnete Kartell-Mitglieder: In Teilen Mexikos kommt es nach dem Tod von Drogenboss «El Mencho», bürgerlich Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, zu grossen Unruhen. Gemäss Angaben der Behörden kamen bisher 74 Personen ums Leben, darunter mehrere Polizisten.

A soldier stands guard by a charred vehicle that was set on fire in Cointzio, Mexico, Sunday, Feb. 22, 2026, amid reports the Mexican Army killed Jalisco New Generation Cartel leader Nemesio Oseguera, ...
Ein Soldat und ein Polizist stehen neben einem ausgebrannten Fahrzeug in Cointzio im Bundesstaat Michoacán.Bild: keystone

Der Drogenboss wurde am Sonntag von mexikanischen Spezialeinheiten getötet. Er war Mitgründer und Anführer des Jalisco-Kartells Nueva Generación (CJNG). Obwohl dieses international weniger bekannt ist als das ebenfalls berüchtigte Sinaloa-Kartell und dessen mittlerweile in US-Haft sitzender Boss Joaquín «El Chapo» Guzmán, gilt CJNG mittlerweile als mächtigstes Kartell Mexikos.

Was ist über CJNG bekannt?

CJNG entstand um das Jahr 2008, indem sich eine Gruppe um Nemesio Oseguera vom Sinaloa-Kartell abspaltete. Das Jalisco-Kartell setzte auf Bündnisse mit kleinen, lokalen Banden und entwickelte sich so über die Jahre zum Hauptkonkurrenten des Sinaloa-Kartells. Zu den «Betätigungsfeldern» gehörten neben dem Kokain-, Fentanyl- und Methamphetamin-Handel auch Erpressung, Diebstahl und Verkauf von Treibstoff, Entführung, illegale Holzfällerei und Bergbau sowie Menschenhandel, wie die New York Times schreibt.

Neben der hohen Gewaltbereitschaft der Jalisco-Mitglieder ist das Kartell vor allem für sein unterdessen gigantisches Waffenarsenal gefürchtet. Der mexikanische Sicherheitsexperte Eduardo Guerrero erklärte gegenüber dem Guardian:

«Sie verfügen über enorme Geldmittel, Waffen der neuesten Generation, paramilitärische Gruppen und Fahrzeuge in Militärqualität … und stellen eine sehr ernste Herausforderung für die mexikanische Regierung dar – vor allem in kleinen und mittelgrossen Städten, wo ein 50-köpfiges Kartellkommando jede örtliche Polizeieinheit problemlos besiegen kann.»

Das Jalisco-Kartell ist in sämtlichen 50 US-Bundesstaaten aktiv und wurde von der US-Regierung vergangenes Jahr als Terrorgruppe eingestuft. Nach Schätzungen der US-Antidrogenbehörde DEA gehören der Bande zwischen 15'000 und 20'000 Mitglieder an. Für Angst und Schrecken in der Bevölkerung sorgte diese unter anderem mit öffentlichen Hinrichtungen und dem Ausstellen von Leichen, wobei die Gewalttaten oft via Social Media dokumentiert wurden.

Wer war «El Mencho»?

Nemesio Rubén Oseguera Cervantes wurde 1966 in Aguililla im mexikanischen Bundesstaat Michoacán als Sohn von armen Avocado-Bauern geboren. Noch als Teenager zog er nach Kalifornien in die USA, wo er später zweimal wegen Drogenhandels angeklagt wurde. 1994 wurde «El Mencho», dessen Übername von seinem Vornamen Nemesio abgeleitet ist, verurteilt und musste für drei Jahre ins Gefängnis.

el mencho
Von «El Mencho» existieren nur wenige Fotos. Unter anderem mit diesem hier suchten die USA nach ihm.Bild: x

Danach kehrte er nach Mexiko zurück und arbeitete laut Medienberichten kurzzeitig als Polizist. Doch schnell verschlug es ihn wieder auf die andere Seite des Gesetzes. Über die Heirat mit der Nichte eines Bandenchefs einer regionalen Verbrecherorganisation fand er Anschluss im Sinaloa-Kartell von Joaquín «El Chapo» Guzmán.

Nach der Abspaltung gewann das neue Jalisco-Kartell schnell Einfluss, insbesondere dreiste und brutale Angriffe auf Staatsangestellte wie Polizisten, Politiker oder Richter wurden zum Markenzeichen von Osegueras Organisation.

Mittlerweile gilt das Jalisco-Kartell als mächtigste kriminelle Organisation, auch weil die mexikanische Regierung stärker gegen den Sinaloa-Rivalen vorging und Erfolge erzielen konnte. Nach der Inhaftierung von «El Chapo» und dem zweiten starken Mann Ismael «El Mayo» Zambada konnte CJNG den eigenen Einfluss weiter ausbauen.

Verglichen mit anderen Drogenbossen, lebte Oseguera ein wenig schillerndes Leben. Er war sehr auf Anonymität bedacht, weswegen auch nur wenige Fotos von ihm existieren. Zuletzt setzten die USA 15 Millionen US-Dollar auf Oseguera aus. Am Sonntag wurde der 59-Jährige durch mexikanische Spezialeinheiten so schwer verletzt, dass er auf dem Weg ins Spital starb.

74 Tote bei Festnahme von «El Mencho»

Bei der Operation und den anschliessend ausgebrochenen Unruhen sowie bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Verdächtigen sind bisher mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen. Darunter seien auch 25 Beamte der Nationalgarde, sagte Mexikos Sicherheitsminister Omar García Harfuch. Laut Harfuch wurden beim Zugriff auf Oseguera auch mindestens 30 Kartell-Mitglieder getötet.

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Der Sicherheitsminister von Mexiko, Omar García Harfuch.Bild: keystone

Wie geht es in Mexiko weiter?

Für die mexikanische Regierung um Präsidentin Claudia Sheinbaum ist der Tod von «El Mencho» ein grosser Erfolg. Seit Sheinbaums Amtsantritt fährt die mexikanische Regierung die grösste Kampagne gegen die organisierte Gewalt im Land seit mehr als zehn Jahren – dies auch unter dem Druck der USA.

epa12758172 Mexican President Claudia Sheinbaum speaks during her daily press conference at the National Palace in Mexico City, Mexico, 19 February 2026. EPA/ISAAC ESQUIVEL
Claudia Sheinbaum lässt aggressiv gegen die Kartelle vorgehen.Bild: keystone

Nach dem Tod des Drogenbosses kam es zu Unruhen, vor allem in und um die Millionenstadt Guadalajara, einem Austragungsort der Fussball-WM im kommenden Sommer, aber auch im ganzen Land. Bewaffnete Jalisco-Mitglieder blockierten Strassen und griffen Supermärkte und Banken an. Dutzende Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt.

A charred vehicle sits at a damaged supermarket in Guadalajara, Jalisco state, Mexico, Sunday, Feb. 22, 2026, after the death of the leader of the Jalisco New Generation Cartel, Nemesio Rubén Oseguera ...
Ein Autowrack bei einem angegriffenen Supermarkt in Guadalajara.Bild: keystone

Ob die Tötung Osegueras eine nachhaltige Schwächung der organisierten Kriminalität zur Folge hat, ist indes fraglich. Wenn frühere mexikanische Regierungen Erfolge im Kampf gegen die Kartelle feiern konnten, dauerte es zumeist nicht lange, bis neue Gruppen an ihre Stelle traten – so wie das Jalisco-Kartell von der Sinaloa-Schwächung profitierte.

Laut Experten könnte es auch zu blutigen Machtkämpfen innerhalb von CJNG kommen, sollte Oseguera seine Nachfolge nicht geregelt haben – nur Monate vor der Fussball-WM eine heikle Situation für das Land.

Video: watson/Elena Maria Müller
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quelle: www.imago-images.de / imago images
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Die beliebtesten Kommentare
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Fernrohr
23.02.2026 08:59registriert Januar 2019
Woher diese modernen Waffen kommen, wissen wir wohl die Meisten. Im Kleinen geht das vielleicht noch unter der Hand, aber bei Deren Verbrauch sicher nicht ohne korrupte Beamte und Politiker in den USA. Eine Exportgenehmigung haben die wohl kaum und der Schmuggel geht auch über den US-Zoll. Da müssen 'ne Menge Leute wegschauen. Wohl auch das FBI.
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Vogman
23.02.2026 10:34registriert Mai 2020
Das Hauptübel in Mexico ist die extreme Korruption. Wenn so eine Organisation sich erst mal eingenistet hat, wird es schwer. Da kannst du eigentlich nur noch mit dem Militär vorfahren. Das funktioniert aber wegen der Korruption wieder nicht. Teufelskreislauf.
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yoghourtBecher
23.02.2026 10:25registriert Juni 2023
'El Mencho' ist noch nicht mal begraben, schon fängt der quasi Bürgerkrieg über seine Nachfolge an. Die Brutalität erschreckt, folgt aber bekannter Logik. Kriminelle Strukturen lassen sich nicht so einfach beseitigen wie der Kopf dahinter. Und wer aus seinen Reihen aus Pietätsgründen mit dem Blutvergiessen wartet, hat gegenüber weniger skrupellosen Mitgliedern das nachsehen.

Lässt man organisiertes Verbrechen zu länge gewähren, kriegt man die Banden irgendwann ohne massives Blutvergiessen nicht mehr los.
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