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Balkan-Staaten wollen täglich nur noch 580 Flüchtlinge durchlassen



Flüchtlinge in Griechenland: Kinder leiden am meisten

Die Balkanroute für Flüchtlinge schliesst sich. Täglich sollen nur noch etwa 580 Flüchtlinge durchreisen dürfen. Darauf verständigten sich die Polizeichefs von Slowenien, Österreich, Mazedonien, Serbien und Kroatien.

Dies teilten die slowenische Polizei und das Innenministeriums in Ljubljana am Freitag mit. Der tägliche Transit durch die Westbalkan-Staaten solle auf eine Zahl begrenzt werden, die eine Kontrolle jedes Flüchtlings entsprechend den Schengen-Regeln ermögliche. Mazedonien hat die Grenze zu Griechenland bereits weitgehend geschlossen; nur noch Syrer und Iraker dürfen vereinzelt passieren.

Damit droht sich die Lage der Flüchtlinge in Griechenland weiter zu verschärfen. Weil sie auf der Balkanroute nicht mehr weiterkommen, sitzen in dem krisengeschüttelten Land nach Schätzungen der Behörden inzwischen rund 20'000 Menschen fest - und täglich treffen neue Migranten aus der Türkei auf den Ägäisinseln ein.

Zudem harren mehr als 4000 Migranten an der Grenze zu Mazedonien bei Idomeni aus. Dort kam es in der Nacht zum Freitag zu Schlägereien und Messerstechereien unter Flüchtlingen, wie das Staatsradio berichtete.

Österreichs Innenministerin nicht willkommen

Griechenland wirft Österreich vor, die Blockade mit dem umstrittenen Balkan-Treffen am Mittwoch in Wien vorangetrieben zu haben. Einen Tag nach dem Rückzug der griechischen Botschafterin aus Wien lehnte die Regierung in Athen einen Besuch der österreichischen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner in Griechenland ab.

Nach Darstellung des Innenministeriums in Wien hatte Mikl-Leitner angeboten, «für ein offenes Gespräch nach Griechenland zu kommen». Es wäre darum gegangen, die bekannte österreichische Position auch direkt in Athen zu erläutern, teilte das Ministerium mit. Falls Athen einen solchen Kontakt zu einem späteren Zeitpunkt bevorzuge, sei das «völlig legitim.»

In Griechenland versuchen die Behörden immer verzweifelter, den Rückstau an Flüchtlingen zu bewältigen. Dazu werden fünf neue Aufnahmelager an der Grenze gebaut; zugleich sollen viele Flüchtlinge zunächst auf den Inseln in der Ostägäis bleiben. Dort sollen sie auf drei grossen Fähren untergebracht werden, die in den Häfen der Inseln Lesbos, Chios und Samos angelegt haben.

World Press Foto 16

UNO richtet Anlaufstellen ein

UNO-Organisationen richten für Familien und unbegleitete Kinder insgesamt 20 Anlaufstellen mit Schlafplätzen auf der Balkanroute ein. Inzwischen sind 60 Prozent der Flüchtlinge Frauen und Kinder.

Die weitgehende Blockade auf der Balkanroute hat dazu geführt, dass auch die Flüchtlingszahlen in Österreich und Deutschland stark zurückgegangen sind. In den vergangenen sieben Tagen seien insgesamt nur rund 3000 Flüchtlinge am Grenzübergang Spielfeld angekommen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag in Wien. Weniger als 100 Menschen hätten einen Asylantrag gestellt. In Bayern hatte die Bundespolizei zuletzt weniger als 500 Menschen täglich registriert.

EU-Ratspräsident Donald Tusk versucht im Streit zwischen den Balkan-Staaten und der griechischen Regierung in der Flüchtlingskrise vor Ort zu vermitteln. Vom 1. bis 3. März will er in die Hauptstädte Österreichs, Sloweniens, Kroatiens, Mazedoniens und Griechenlands reisen, wie der EU-Rat am Freitag mitteilte.

(sda/dpa/reu)

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 27.02.2016 02:31
    Highlight Highlight Nimmt Israel eigentlich auch Flüchtlinge?
  • Amboss 26.02.2016 21:14
    Highlight Highlight @Platypus: Mit anderen Worten: Du hast keine Zahlen.

    Tipp: Gib Bevölkerungswachstum Serbien in Google ein und du findest ein super Tool, wo du die Entwicklung für jedes Land super anschauen kannst.
    zB Serbien, Kroatien: leichter Rückgang, Kosovo leichter Anstieg seit 2000
  • SVRN5774 26.02.2016 20:52
    Highlight Highlight Vorallem Usa, Russland und Deutschland sollten die Flüchtlinge aufnehmen. Und alle andere Länder, die sich an den Krieg beteiligen. Wer exportieren (Waffen) kann,soll auch importieren können (Flüchtlinge) 😉.
    Tja das haben sie jetzt davon!
  • Kookaburra 26.02.2016 16:34
    Highlight Highlight Wieso können die Flüchtlinge nicht in den Balkanstaaten bleiben? Die Kapazität und Infrastruktur müsste wegen der andauernden Abwanderung ja für mehrere Hunderttausend vorhanden sein.
    • Amboss 26.02.2016 17:23
      Highlight Highlight Andauernde Abwanderung?
      Darf ich fragen, woher du diese Info hast?

      Google hat dazu ein schönes Tool dazu (siehe Bild).
      Da sieht man, dass je nach Land ein Rückgang ist, aber nicht dramatisch. In gewissen Ländern aber auch ein ein Anstieg.

      Oder wo liege ich falsch?
      Benutzer Bild
    • Kookaburra 26.02.2016 18:48
      Highlight Highlight Nun alleine in der Schweiz hat es laut Wiki etwa 200'000 Albaner...
      Und die Einwanderung aus dem Kosovo nimmt zu.

      Auf deinem Bild kann ich leider nichts erkennen, aber die (andauernde) Balkanflucht wurde in den letzten zwei Jahren mehrfach in den Medien thematisiert.
    • mortiferus 26.02.2016 20:54
      Highlight Highlight Serbien, Montenegro, Mazedonien und Kroatien haben sicher keinen Bock auf Muslime. Dort haben erst vor kurzem Moschen gebrannt. Mazedonien hat ein Problem an der albanischen Grenze. Was moslemisch ist sieht man von weitem, Minarette oder Mauern um die Häuser. Sicher vertragen sich die meisten wo sie in gemischten Dörfer wohnen, aber eine Stärkung von Muslimen würden die meisten Slaven nicht gerade begrüssen. Laku noc.

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