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Polen

Polnischer Minister will Pfizer-Verträge nicht erfüllen

Polnischer Minister bittet Pfizer, Impfstoff-Verträge nicht erfüllen zu müssen

Weil weniger Impfdosen benötigt werden, bittet der polnische Gesundheitsminister Pharmafirma Pfizer, auf die abgeschlossenen Impfstoffverträge zu verzichten. Als Argument führt er den Ukraine-Krieg an.
03.05.2023, 03:1203.05.2023, 03:12

Trotz einer stabileren gesundheitlichen Lage in den Ländern der Europäischen Union plane Pfizer weiterhin Hunderte Millionen Impfdosen nach Europa zu liefern, was sinnlos sei, heisst es in einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel vorliegt. Die meisten würden wohl vernichtet, da sie nur begrenzt haltbar seien und die Nachfrage nicht hoch sei.

epa10281521 Polish Health Minister Adam Niedzielski attends a press conference on the coronavirus pandemic situation at the Health Ministry headquarters in Warsaw, Poland, 02 November 2022. Poland rec ...
Der polnische Gesundheitsminister Adam Niedzielski.Bild: keystone

Trotz besten Willens, einen Kompromiss zu finden, sei Pfizer nicht bereit, Flexibilität zu zeigen und realistische Vorschläge zu machen, wie der veränderten Situation begegnet werden könnte. Der aktuelle Vorschlag von Pfizer sehe zwar weniger Dosen vor, verlange aber eine Stornogebühr in Höhe der Hälfte des Preises für eine Dosis, die noch nicht produziert worden sei.

Der Appell fällt in den polnischen Wahlkampf. In dem Nachbarland Deutschlands wird im Herbst ein neues Parlament gewählt. Die Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat dafür im April eine Werbetour durch das ganze Land begonnen. Gesundheitsminister Niedzielski gehört persönlich nicht der PiS an, sondern ist parteilos.

In seinem Brief an die Pfizer-Aktionäre unterstreicht er dennoch die aussenpolitische Linie der Regierungspartei: Man konzentriere sich solidarisch auf die Hilfe für das von Russland angegriffene Nachbarland Ukraine und bringe dafür grosse Opfer. Pfizer möge sich daher ebenso moralisch verhalten und Solidarität anstelle von Gewinnstreben in den Vordergrund stellen. (sda/dpa)

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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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rodolofo
03.05.2023 06:20registriert Februar 2016
Und warum schliesst man denn solche Verträge ab, als würde man die Interessen der Pharmaindustrie über alles stellen und macht solche absurd hohen Vorbestellungen?
Angst ist halt wirklich kein guter Ratgeber!
Und die Panik erst recht nicht...
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