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Victoria Bonya: Putin-Kritik von russischer Schauspielerin geht viral

«Was ist das für ein Land?»: Putin-Kritik von russischer Schauspielerin geht viral

Ein Video einer Russin mit Kritik an der Putin-Regierung geht viral. Der Kreml reagiert sogar öffentlich.
19.04.2026, 06:3719.04.2026, 07:09
Thomas Wanhoff / t-online
Ein Artikel von
t-online

In Russland erregt eine Schauspielerin und TV-Prominente Aufsehen mit einer unverhohlenen Kritik an Putins Regierung. Victoria Bonya hat in einem Video Präsident Wladimir Putin gewarnt, dass ein Berg von Problemen im Land ausser Kontrolle zu geraten drohe. «Ein Appell an Wladimir Putin, von allen besorgten Russen», schrieb sie unter den Clip.

«Die Menschen haben Angst vor euch, Künstler haben Angst, Gouverneure haben Angst», sagte sie in dem 18-minütigen Video auf Instagram, das in den vergangenen vier Tagen 26 Millionen Aufrufe und mehr als 1,5 Millionen Likes verzeichnet hat.

Bonya, die auch durch die russische Variante von Big Brother im Land bekannt wurde, brachte Probleme zur Sprache, die nach ihrer Ansicht Putin nicht vorgetragen werden: Fluten in Dagestan, Luftverschmutzung an der Küste des Schwarzen Meeres, Massentötungen von Tieren in Sibirien, Internet-Blackouts und der Druck auf kleine Unternehmen durch steigende Steuern und Kosten.

Kreml reagiert: Probleme sollen gelöst werden

«Und weisst Du, was das Risiko ist», fragte die im Ausland lebende Prominente Putin.

«Dass die Leute keine Angst mehr haben, und dass sie wie eine aufgezogene Feder sind, die eines Tages losgehen wird.»

Aus dem Kreml kam laut dem britischen «The Guardian» eine Reaktion auf das Video. Man sei daran, die Probleme, die Bonya angesprochen hat, zu lösen, hiess es. In den Kommentaren gaben ihr viele Nutzer recht. So schrieb eine Frau:

«Mein Sohn fragte vor zwei Tagen: 'Mama, wie sind wir zu so einem Leben gekommen?' Ich sagte: 'Sohn, es sind schwierige Zeiten im Land, alles ist sehr teuer, und die Löhne sind niedrig – nicht nur bei uns, so geht es jetzt vielen.' Mein Sohn, 10 Jahre alt: 'Das ist unfair, ich hoffe, Putin lässt sich etwas einfallen.'

Ich habe nicht einmal ein richtiges Geschäft, ich habe ein Kleinstgeschäft, das gerade zugrundegeht. Ich bin Mutter und kann meinen Kindern nur 'Leckereien' für 15 Rubel (17 Cent) kaufen. Die Angst wächst, ich kann weder die Wohnung noch Kredite bezahlen.»

Influencerin Bonya sprach in ihrem Video aber nicht den Krieg gegen die Ukraine an. Laut «Guardian» gibt es Spekulationen, dass das Video zuvor mit dem Kreml abgesprochen war. Im September sind Parlamentswahlen in Russland, und es könnte ein Versuch sein, zu zeigen, dass die Regierung die Sorgen der Menschen in Russland ernst nimmt.

Experte: Kriegsmüdigkeit macht sich bemerkbar

Einige Experten halten die Kritik aber für authentisch. «Die Kriegsmüdigkeit macht sich nun wirklich bemerkbar», sagte Andrei Kolesnikov, ein in Moskau ansässiger Politikwissenschaftler und Autor eines kürzlich erschienenen Buches über Putins Ideologie, dem «Guardian».

«Den Menschen wird allmählich bewusst, dass alles, was gerade geschieht, eine Folge des Krieges ist.»

Abbas Gallyamov, ein im Exil lebender ehemaliger Berater Putins, sagte der Zeitung, dass öffentliche Appelle von russischen Prominenten wie Bonya zu weiterer Unzufriedenheit in der Gesellschaft führen könnten. «Bonya bringt ein völlig neues Publikum ins Lager der Opposition, das es zuvor nicht gab», sagte er. «Die Unzufriedenheit wächst, es gibt Probleme mit dem Internet, die Preise in den Geschäften steigen, der Krieg geht den Menschen auf die Nerven. Der Staat mischt sich in ihr Privatleben ein», sagte er.

In Umfragen hat Putin an Beliebtheit verloren, am Mittwoch gab er bei einem Treffen mit hochrangigen Beamten zu, dass es in der Wirtschaft grosse Belastungen gibt. Er forderte seine Ministerien und die Nationalbank auf, Erklärungen dafür zu liefern.

Verwendete Quellen:

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